Umzug

Die verbotene Stadt öffnet sich: Basel Area zieht auf den Novartis Campus

Novartis geht auf Tuchfühlung mit Startups. Der Switzerland Innovation Park Basel Area stellt den vierten Ableger vor – in der einst «verbotenen Stadt».

In Zeiten von Zoom, Skype, Sozialen Medien, E-Mail und anderen digitalen Kanälen scheint es in der Geschäftswelt müssig, sich in der realen Welt zu treffen. Novartis setzt aber genau auf diese Form der direkten Kommunikation: Im Januar teilte der Pharmakonzern mit, den abgeschotteten Campus – er wird oft auch als «verbotene Stadt» bezeichnet – Schritt für Schritt insbesondere für externe Firmen aus dem Bereich Life Sciences zu öffnen. «Die räumliche Nähe zu Novartis stellt für uns einen grossen Vorteil dar. Wir konnten mit Mitarbeitern bereits interessante Gespräche über Zusammenarbeitsmöglichkeiten führen», sagt Sebastian Keller dazu.

Keller ist Jungunternehmer. Seine Rekonas – ein Zweimannbetrieb im Bereich digitale Gesundheit – gehört zu jenen Startups, die sich nun vor wenigen Wochen auf dem Campus angesiedelt haben. Und zwar im Haus mit der Nummer 500, einem ehemaligen Fabrikationsgebäude, das auf 580 Quadratmetern Platz bietet für 30 feste und 12 flexible Arbeitsplätze für Startups und KMU. Die Plätze werden von der staatlich unterstützten Switzerland Innovation Park Basel Area vermittelt.

Bereits acht Unternehmen eingemietet

Die Switzerland Innovation Park Basel Area ist die erste grosse externe Organisation, die sich auf dem Novartis-Campus eingemietet hat; es ist dies ihr vierter Standort, wo sie quasi als Gastgeber Unternehmen kostengünstig Platz bietet für die Entwicklung von Produkten. CEO Christof Klöpper schwärmt anlässlich der offiziellen Lancierung des Ablegers: «Wir möchten zwischen Startups und Wissenschaftlern Nähe schaffen. Das ist hier mehr als gegeben. Der Campus zieht.» Insgesamt acht Unternehmen hätten sich hier bereits eingemietet.

Und nicht nur für sie bietet die räumliche Nähe zu Wissenschaftlern und Forschern grosse Vorteile, sondern auch für die Hausherrin. So sagt Jorinde Behrens von Novartis: «Solche Kollaborationen fördern Innovation. Wir haben grosses Interesse daran, diesen Austausch auf dem Campus zu fördern.» Derzeit könnten nur Büroplätze gemietet werden, es sei aber das Ziel, bald auch Laborarbeitsplätze anzubieten. Behrens betont, dass der Paradigmenwechsel bei Novartis nicht «Real-Estate-getrieben» sei, dass es also nicht darum ginge, frei gewordenen Raum zu besetzen. Fakt aber ist: Derzeit arbeiten 9500 Personen auf dem Campus, Platz hätte es für 13'000. Novartis-Präsident Jörg Reinhardt begründete diesen Umstand einst mit dem sich verändernden Arbeitsumfeld: Produktion gibt es auf dem Campus keine mehr, und die Büro-Mitarbeiter bräuchten viel weniger Platz als früher.

Und wie hält es die Konkurrentin mit dem Austausch mit Jungunternehmern? Ein Vertreter von Basel Area lässt durchblicken, dass man «noch so gerne» mit Roche ein entsprechendes Projekt starten würde. Auf Anfrage sagt Roche-Sprecher Karsten Kleine, dass dies derzeit nicht realisierbar sei: «Es stehen uns schlicht keine freien Plätze auf dem Areal zur Verfügung.» Roche unterhalte aber Partnerschaften mit Universitäten und Unternehmen aus der Life-Science-Branche weltweit. Da müssen es halt doch Skype & Co. richten.

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