Coronavirus
Die Wahrheit liegt im Klärschlamm: Abwassermonitoring soll das Virus in Basel eindämmen

Basel-Stadt forscht an einem Abwassermonitoring für die Eindämmung der Coronapandemie. Aber das Geld fehlt.

Nora Bader
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Wissenschaftern ist es gelungen, Genbruchstücke des Coronavirus im Abwasser nachzuweisen. Auch in Basel wird mit Hochdruck geforscht.

Wissenschaftern ist es gelungen, Genbruchstücke des Coronavirus im Abwasser nachzuweisen. Auch in Basel wird mit Hochdruck geforscht.

Kenneth Nars

In anderen Ländern schon an der Tagesordnung, soll dies nun auch in der Schweiz geschehen: die Veröffentlichung nachgewiesener Genbruchstücke des Coronavirus im Abwasser. Verschiedene Gruppen forschen derzeit an einem entsprechenden Frühwarnsystem. Denn seit Frühling kann der Nachweis des Virus in Wasserproben erbracht werden. Die Forschungsanstalt Eawag in Dübendorf, die mit den beiden ETH in Lausanne und Zürich zusammenarbeitet, stellt die Resultate der Zürcher Kläranlage Werdhölzli seit einer Woche ins Netz. Andere Kantone kommunizieren die Zahlen noch nicht. Die Forschungen laufen auf Hochtouren. Ausserdem sind Abklärungen mit der Corona-Taskforce und dem Bundesamt für Gesundheit im Gange, ob die Zahlen bald national breiter erhoben und kommuniziert werden und ob der Bund den Lead übernimmt.

«Wir versprechen uns von dieser Forschung, zusätzliche Hinweise auf die Ausbreitung des Coronavirus zu bekommen», sagt Andri Bryner, Medienverantwortlicher der Eawag. Und weiter: «Aufgrund der zeitlichen Verzögerung zwischen Symptomen und bestätigten Testergebnissen können wir möglicherweise das Virus, das über das Abwasser zu den Kläranlagen gelangt, nachweisen, bevor klinische Falldaten verfügbar sind.» Denn obwohl Covid-19 vor allem eine Atemwegserkrankung auslöst, scheidet ein erheblicher Teil der Menschen Erbgut des Virus im Stuhl aus. Durch das Sammeln und Analysieren von Abwasserproben auf dieses Erbgut des Virus (RNA) hin könne festgestellt werden, in welchem Ausmass Menschen im Einzugsgebiet einer Kläranlage mit dem Virus infiziert sind.

Der Schweizerische Forschungsfonds SNSF lancierte im Frühling Ausschreibungen für ein Frühwarnsystem, das sogenannte Projekt NRP78. Eingereicht wurden 188 Projekte, 28 wurden mit finanzieller Unterstützung berücksichtigt, abgestützt auf die Begutachtungen nationaler und internationaler Forschender.

Infektiologin des Unispitals federführend

Unter den eingereichten Projekten war auch eines aus Basel. Eine Forschungsgruppe rund um die Infektiologin Sarah Tschudin Sutter des Basler Unispitals plante dieses in Zusammenarbeit mit der ETH und der Basler Abwasserreinigung Pro Rheno. Nur: Der SNSF erteilte Basel eine Absage. So musste das Projekt auf Eis gelegt werden. Es fehlte das Geld für die Umsetzung.

«Wir sind sehr enttäuscht. Einerseits waren wir zuversichtlich, andererseits war uns bewusst, dass es kompetitiv sein wird und die Möglichkeit besteht, dass unser Projekt abgelehnt wird», sagt Claudia Bagutti, Leiterin der Biosicherheits­abteilung des Kantonslabors Basel-­Stadt, auf Anfrage.

Involviert gewesen wäre bei der Lancierung des lokalen Frühwarnsystems neben dem Kantonslabor auch der kantonsärztliche Dienst Basel-Stadt – auch dort sei die Enttäuschung gross.

Konkret würden in verschiedenen Basler Quartieren an je zwei Standorten in einem ersten Schritt wöchentlich Abwasserproben entnommen. Bei den anderen Projekten werden lediglich die grossen Kläranlagen der Schweizer Städte untersucht. «Je grösser die Kläranlage, desto vereinzelter das Virus und desto weniger sensitiv die Ergebnisse», sagt Bagutti. Bei einem feinmaschigeren Netz könnten genauere Aussagen gemacht werden.

Die Voraussetzung für eine höhere Testfrequenz beim Basler Projekt wären mehr Kapazitäten für die Analyse. Diese daure bei der Menge an Proben derzeit noch bis zu drei Tage. Die Proben könnten zwar eingefroren werden. «Das Problem dabei ist, dass man aber beim Einfrieren von biologischem Material Signale verlieren könnte», so Bagutti weiter. Bei Viren komme erschwerend dazu, dass sie nicht nur bei minus 20 Grad, sondern bei minus 80 Grad gekühlt werden sollten. In den Labors sind aber nicht so viele dieser Geräte vorhanden.

Jetzt hat die Basler Forschendengruppe das Projekt in abgespeckter Version erneut bei weiteren Stiftungen eingereicht. Die Kosten würden in etwa 100000 Franken betragen. Eine Variante wäre auch, dass der Kanton Basel-Stadt fürs Finanzielle aufkommen würde. Gespräche diesbezüglich seien noch nicht geführt worden, sagt Bagutti. Die Zeit drängt allerdings. «Wir sehen im Abwassermonitoring ein sehr grosses Potenzial, weil es die effektiven Fallzahlen besser aufzeigen könnte», sagt Bagutti.