29 Grad Celsius, 79 Prozent Luftfeuchtigkeit, gewittrig: Nicht nur klimatisch scheint Memphis, Tennessee, an diesem Freitag schweisstreibend nah. Zum elften Mal findet im Kleinbasler Geviert zwischen Claraplatz, Utengasse, Lindenberg und Waisenhaus das Summerblues Festival statt, mit 32 Bands auf sieben Bühnen. Das bedeutet ab 18 Uhr 50 Stunden Musik innert sechs Stunden!

«Für die Bluesfans ist klar, dass sie 80 bis 90 Prozent der Konzerte verpassen werden, da sie nicht gleichzeitig überall sein können», sagt Festival-Gründungsmitglied Dominik Ehrsam, der für Marketing und Kommunikation zuständig ist. «Das passiert mir auch immer wieder.» Gewiefte Besucherinnen und Besucher fertigten deshalb ihren eigenen Zeitplan an, bevor sie sich auf den Weg zu den «roots» machten – den Wurzeln von Jazz, Rock’n’Roll und Soul.
Was hat Ehrsam auf seinem eigenen Spick notiert? «Boris Pilleri», erwidert der Summerblues-Sprecher, der sich der Reihe nach durch die Bühnen arbeitet. «Er ist eine lebende Legende: Seit 43 Jahren steht der Berner mit seiner Band auf den Bühnen.»

Im Volkshaus wird die Swiss Blues Challenge ausgetragen, bei der vier Bands gegeneinander antreten: Der Schweizer Meister kann zur International Blues Challenge nach Memphis reisen. Vor fünf Jahren hätten die Organisatoren erstmals angefragt, ob sie die Schweizer Challenge in Basel durchführen dürften. «Offenbar passt das gut, seither gastiert der Wettbewerb ohne Unterbruch bei uns.»

The Two waren bereits in Memphis. Am Schweizer Duo zeigt sich auch, warum der Blues keine Nachwuchsprobleme kennt. «Sie spielen einen modernen Blues, den man so nicht schon zig-fach gehört hat.» Besonders im Vorfeld des Festivals würden sich viele Bands spontan melden, «nicht nur Schweizer, sondern auch solche aus den USA». Das ehre sie, leider könne sich das Festival die Flugspesen für die ausländischen Musiker jedoch nicht leisten.

Pugsley Buzzard aus Australien hat es dagegen nach Basel geschafft und ist beim Arbeitsamt gelandet – auf der Bühne davor, versteht sich. «Der Pianist hat eine unglaubliche Stimme, die mich an Tom Waits erinnert: Seine Interpretation von ‹Waltzing Mathilda› ist ein wahres Erlebnis.»

Blues-Cluster in Basel

Ziel des Festivals sei neben der Nachwuchsförderung auch, seine Besucherinnen und Besucher an Orte zu führen, die sie neu kennenlernen. «So ging es mir auch schon selber mit dem Lindenberg, den ich zum ersten Mal wirklich wahrgenommen habe, als dort Konzerte veranstaltet wurden», sagt Ehrsam. Dieses Jahr spielen dort unter anderen Charlie Morris und Andy J. Forest.

Was macht für Ehrsam den Reiz von Blues aus? «Der Blues ist eine ehrliche Musik, die direkt in den Bauch geht und das Herz trifft. Die Musiker berichten meistens von persönlichen Erlebnissen, was viele Menschen anspricht.»

Mit dem Summerblues und dem Blues Festival Basel hat sich mittlerweile ein richtiges Cluster gebildet am Rheinknie. Ist Basel als ehemalige Büezerstadt die heimliche Schweizer Hauptstadt des Blues? «Diese Bezeichnung wäre anmassend», erwidert Ehrsam, der den hiesigen Trend auf Pioniere wie die Lazy Poker Blues Band zurückführt.

Und er gibt mit Andrea Bignasca seinen letzten Tipp ab: Gemeint ist nicht der Direktor des Basler Antikenmuseums, sondern das 2018 von Radio SRF ausgezeichnete «Best Talent». «Das zeigt, dass Bignasca einen modernen Blues spielt, der auch bei den Radio-Musikredaktoren Beachtung findet.»