Staatsanwaltschaft

Die wilde Geschichte eines Hanfhandels: Verschwörung, Propaganda und ein Basler Regierungskandidat

Der damalige Vorwurf der Ermittler lautete auf banden- und gewerbsmässigen Betäubungsmittelhandel. (Archivbild)

Der damalige Vorwurf der Ermittler lautete auf banden- und gewerbsmässigen Betäubungsmittelhandel. (Archivbild)

Nach fünfjähriger Untersuchung erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen serbischen Propagandisten.

Boris Krljic ist schweizerisch-serbischer Doppelbürger. Vor fünf Jahren nahm ihn die basel-städtische Staatsanwaltschaft für vier Monate in Untersuchungshaft. Akribisch und über Monate hatten die Ermittler zuvor vom Haus gegenüber überwacht und fotografiert und protokolliert, wer regelmässig bei ihm im Gundeldingerquartier ein- und ausging. Der Vorwurf der Ermittler lautete auf banden- und gewerbsmässigen Betäubungsmittelhandel. Die Rede ist von einem regen Hanfhandel. In den nächsten Wochen soll gemäss Auskunft der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben werden.

Bereits die Verhaftung hatte zu wilden Spekulationen geführt. Der serbische Autor Alexander Dorin, so das Pseudonym von Krljic, sei spurlos verschwunden. Dies verbreitete sein deutscher Verlag Ahriman. Bei Ahriman publizierte Krljic seine geschichtsrevisionistischen Schriften, in denen er das Massaker von Srebrenica bestreitet. Genau vor 25 Jahren, im Juli 1995, hatten serbische Truppen 8000 bosnische Männer und Knaben umgebracht.

An Dorin werde ein Exempel statuiert, weil er die «Propagandalüge zu Srebrenica» störe, versuchte der Verlag die Verhaftung zu erklären. In Onlineforen mutmassten Gleichgesinnte, Geheimdienste stünden hinter der Aktion. Der «Tages-Anzeiger» hatte bei der Basler Staatsanwaltschaft nachgefragt und diese Verschwörungstheorien ins Reich der Märchen verwiesen: Es handle sich um ein simples Drogenverfahren.

Die Rede ist von einer Basler «Justizkorruption»

Mit dem angekündigten Abschluss der Ermittlungen ist Krljic nun wieder verstärkt propagandistisch unterwegs. Nun in eigener Sache. Auf einem deutschen Onlineportal verbreitet er in langen Interviews Vorwürfe über eine angebliche Basler «Justizkorruption». Mitgefangene seien beispielsweise unter Druck gesetzt worden, um gegen ihn auszusagen. Krljic veröffentlicht selektiv Dokumente aus den umfangreichen Ermittlungsakten, auf die er im Rahmen der Akteneinsicht Zugriff erhalten hatte.

Eingeschossen hat er sich nicht nur gegen die Staatsanwälte, die seinen Fall untersuchten und die er wegen «Amtsmissbrauch» anzeigte, sondern auch auf den Anwalt Stefan Suter, der ihn zeitweise verteidigte. Der Basler Strafverteidiger und Kandidat der SVP für die anstehenden Basler Regierungsratswahlen habe ihn nicht richtig verteidigt, da er bei den Vernehmungen meist nicht anwesend gewesen sei.

Krljic will die 15 000 Franken zurück, die der Ahriman-Verlag für seine Verteidigung aufgeworfen hat. Gleichzeitig hat er Suter bei der Anwaltskammer angeschwärzt. Suter nimmt die Vorwürfe gelassen, das Mandat sei längst abgeschlossen.

Der Anwalt, der die Zulassung verloren hat

Deutlich besser versteht sich Krljic dafür mit dem Anwalt Oliver Lücke. Der gebürtige Deutsche, der in Bern eine Kanzlei führt, hat sich jedoch nicht nur Krljics Sache angenommen, sondern auch gleich dessen Sicht auf das Justizsystem übernommen. Wie Krljic sieht er sich einer umfassenden Verschwörung gegen seine Person konfrontiert, in seinem Fall durch die Berner Justiz.

Mit seinen massiven Ausfällen gegen Funktionsträger («an Niedertracht wohl nur schwerlich zu übertreffen») müssen sich die Berner allerdings nicht mehr auseinandersetzen, da sie ihm die Anwaltszulassung entzogen haben. Damit stand nun allerdings auch Krljic wieder ohne Anwalt da. Den amtlichen Verteidiger, der ihm die Staatsanwaltschaft daraufhin zuordnete, lehnt Krljic wiederum als «Systemanwalt» ab.

Krljic droht eine mehrsprachige Dokumentation und einen Dokumentarfilm bei Russia Today über «die Basler Justizkorruption» an. Eine Onlinepetition sollte zudem öffentlichen Druck aufbauen. Doch damit wird wohl nichts. Die Petitionsplattform Change.org hat diese Woche ohne Kommentar alle entsprechenden Seiten gelöscht.

Autor

Christian Mensch

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