Wer an griechisches Kino denkt, kommt meistens nicht weit. «Zimt und Koriander» – da war doch mal was? Der Astrophysiker, der ständig ans Essen denkt? Oder «Attenberg», das Mädchen, das Aufklärung nur von David Attenboroughs Tierdokus kennt? Und natürlich «My Big Fat Greek Wedding»! Gar nicht mal so schlecht. Aber «My Big Fat Greek Wedding» ist eine US-Produktion. Und die anderen beiden nur noch blasse Erinnerungen. Höchste Zeit für eine Auffrischung.

Wenig Geld, viel Leidenschaft

Das hat sich das Stadtkino auch gedacht – und bietet im Rahmen von Culturescapes gleich einen ganzen Monat mit jungen, griechischen Produktionen. «Die wilden Hellenen» wird diese Generation im Programmbeschrieb genannt – junge Filmschaffende, die der inexistenten staatlichen Förderung die Stirn bieten und einen eigenen Weg gehen. Minimales Budget, maximale Kreativität. 

Hummer, Hunde, Obsessionen

Das Programm ist entsprechend bunt: «Attenberg» ist mit dabei, und «Dogtooth», der zur selben Zeit entstand, während des Ausbruchs der Schuldenkrise. Wie «Attenberg» erzählt auch dieser Film vom Leben in der eigenen Welt und der Mühe, mit dem «da draussen» klar zu kommen: Ein Paar schottet seine drei Kinder von der Aussenwelt ab, was zu wahnwitzigen Konsequenzen führt. Ähnlich irre ist «The Lobster»: Die griechische Produktion mit illustrem Staraufgebot (Colin Farrell, Rachel Weisz, Ben Whishaw) handelt von einer Welt, in der man nur als Paar überleben darf. Wer keinen Partner findet, wird in ein Tier seiner Wahl verwandelt. Es entstehen skurrile Kämpfe um Zweisamkeit, die im Kern aber immer alleine ausgefochten werden.

The Lobster Trailer

«The Lobster» Trailer

Um Einsamkeit geht’s auch in «September»: Eine Frau, ihr Hund, sein Tod, ihre Kompensation in Form von obsessiven Besuchen bei den Nachbarn. Und auch in «The King»: Ein junger Mann kommt aus dem Gefängnis zurück in sein Heimatdorf und will sich wieder in die Gemeinschaft einfügen, was gehörig daneben geht.

Leidende Aussenseiter

Die Themen der wilden Hellenen zeigen alle in die gleiche Richtung: Unangepasste Stimmen wollen sich Gehör verschaffen, leiden aber an ihrem Aussenseiter-Status. Die Protagonisten suchen sich selbst und ihren Platz in der Welt – wie vielleicht auch das Land, aus dem sie kommen. Wer so nah sucht, wird den sorgfältigen, eigensinnigen Produktionen aber nicht gerecht. Es ist das jetzige, junge, verworrene Griechenland, das da spricht, und es hat sich Gehör verdient, das über die üblichen Klischees hinausgeht. Die fette, griechische Hochzeit ist vorbei.

Neues Kino aus Griechenland 1. - 30. November, Stadtkino Basel. Programm unter www.stadtkinobasel.ch