Sonderausstellung
Die Wirbelsäule: Wenn der Rücken nur noch schmerzt

Das Anatomische Museum in Basel erklärt im Rahmen einer Sonderausstellung mit dem Titel «Wirbelsäule: Wunderwerk oder Fehlkonstruktion? Wenn der Rücken zwickt und zwackt.» die Wirbelsäule.

Mélanie Honegger
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Der menschliche Körper ist ein Kompromiss aus Mobilität und Stabilität: Preis für die Beweglichkeit der Wirbel sind oft Schmerzen. zvg

Der menschliche Körper ist ein Kompromiss aus Mobilität und Stabilität: Preis für die Beweglichkeit der Wirbel sind oft Schmerzen. zvg

Der Hörsaal im Anatomischen Institut der Universität Basel ist gut besucht. Auffallend viele ältere Leute sitzen in den Rängen und schauen zur grossen Leinwand. «Fehlkonstruktion Mensch – Warum wir für die moderne Welt nicht geschaffen sind», prangt dort in grossen Lettern.

Es ist das Titelbild einer alten Spiegel-Ausgabe, das Professor Reinhard Putz bei seinem Vortrag aufnimmt. Gemeinsam mit Magdalena Müller-Gerbel, Professorin an der Universität Basel, eröffnete er am Donnerstag die neue Sonderausstellung im Anatomischen Museum Basel mit dem Titel «Wirbelsäule: Wunderwerk oder Fehlkonstruktion? Wenn der Rücken zwickt und zwackt.»

Der Körper ist ein Kompromiss

«Rückenschmerzen sind ein Thema, bei dem fast jeder mitreden kann», beginnt Putz seine Präsentation. Ein Raunen geht durch das Publikum. Dass 60 Prozent der Deutschen mindestens drei Wochen wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben werden, ist für den Professor der Universität München das Resultat nihilistischen Umgangs von Ärzten mit ihren Patienten. Putz hält fest, dass die Wirbelsäule ein äusserst empfindlicher Körperbereich ist. Das Problem liege in der Freiheit des menschlichen Oberkörpers: Die Rotation macht Wirbel nötig, die andere Lebewesen wie Wale oder Delfine nicht besitzen. Der Mensch sei eine Spezies, die einen Kompromiss aus Mobilität und Stabilität darstelle: «Kompromisse werden von jedem Beteiligten als negativ erachtet.»

Trotzdem: Es gibt Möglichkeiten, einen gesunden Rücken aufzubauen. Magdalena Müller-Gerbel erklärt, wie man im Alltag seine Wirbelsäule schonen kann. Die Tipps sind wenig überraschend: Sich beim Autofahren ganz zurücklehnen, im Sitzen das Bett anziehen und das Bügelbrett so einstellen, dass der Rücken beim Bügeln nicht gekrümmt ist. Interessant ist, dass sich auch Übergewicht schlecht auf die Wirbelsäule auswirkt. «Es lohnt sich, die Bauchmuskeln zu trainieren», sagt Müller-Gerbel und fügt lachend an: «Nicht nur, weil man danach ein schönes Sixpack hat, sondern auch, weil gute Bauchmuskeln die Wirbelsäule entlasten.»

Schwerpunkt liegt auf dem Alltag

Die Ausstellung selbst widmet sich auch noch weiteren Themenbereichen. Ziel der Ausstellung sei es, möglichst viele Gesichtspunkte zu beleuchten, sagt Müller-Gerbel. Auf Infotafeln werden unterschiedliche Erkrankungen erklärt oder die Geschichte der Heilmittel aufgerollt.

Doch der Schwerpunkt liegt wie auch bei den zwei Vorträgen zur Vernissage auf das Verhalten im Alltag. Besucher können verschiedene Methoden zur Stabilisierung des Rückens kennenlernen oder ihr Wissen in einem Wirbelsäule-Quiz testen. Gleich nebenan gibt es einen kleinen «Physio Parcours» mit Übungsgeräten und Ratschlägen zur körperlichen Fitness. Denn eines zeigt die Ausstellung auf jeden Fall ganz deutlich: Richtig angewendet ist Sport eines der besten Rezepte gegen Rückenschmerzen.

Ausstellung «Wirbelsäule: Wunderwerk oder Fehlkonstruktion?», Anatomisches Museum, Pestalozzistrasse 20; bis im Februar 2014. Informationen zu Führungen und Workshops: www.anatomie.unibas.ch/museum.