Metropolitankonferenz
Die Wirtschaft sagt «Ja, aber» zur Metropolitankonferenz

Der Traum von Regierungspräsident Guy Morin und Gewerbedirektor Peter Malama geht in Erfüllung – jedoch nicht ganz genau so, wie sich dies die beiden ausgemalt haben.Die Organisation verzichtet auf eine «Säule Wirtschaft».

Andreas Maurer
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Bei der feierlichen Gründung der Metropolitankonferenz strahlten die geistigen Väter viel Optimismus aus: Peter Malama und Guy Morin. Ken

Bei der feierlichen Gründung der Metropolitankonferenz strahlten die geistigen Väter viel Optimismus aus: Peter Malama und Guy Morin. Ken

Anfang Jahr gründeten Guy Morin und Peter Malama mit Regierungsräten aller vier Nordwestschweizer Kantone die Metropolitankonferenz Basel (MKB). Mit diesem Gefäss soll die Region Basel in Bern ihre Interessen künftig mit einer Stimme vertreten. Bei der Gründung vor vier Monaten wurde die MKB auf drei Säulen gestellt: Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Von der Säule Wirtschaft, die von Malama koordiniert wurde, wollen die Nordwestschweizer Wirtschaftsverbände jetzt jedoch definitiv nichts wissen. Sie werden nicht Teil der Konferenz. «Wir wollen nicht gezwungen werden, uns so zu äussern wie die Mehrheit», bringt Arbeitgeberverbandsdirektorin Barbara Gutzwiller die Skepsis auf den Punkt. «Wir haben die Pflicht, zu sagen, was unsere Mitglieder wollen.»

Wirtschaft macht trotzdem mit

Die Teilnehmer der MKB suchen jeweils einen Konsens und vertreten diesen dann gemeinsam gegen aussen. Die Wirtschaftsverbände wehren sich dagegen, politische Kompromisse zu vertreten, zu denen sie nicht hundertprozentig stehen. Obwohl sie in der MKB nicht direkt involviert sein wollen, sichern die Verbände ihre Unterstützung zu. Besteht bei für die Region Basel wichtigen Geschäften ein Konsens zwischen Politik und Wirtschaft, wollen die Verbände diesen gemeinsam mit der MKB in Bern vertreten.

Das ist aus Sicht von MKB-Präsident Morin das Wichtigste: «Das hilft uns, bei der Interessensvertretung effizienter zu werden.» Dass die Säule Wirtschaft nicht zustande kommt, stuft er als «eher symbolische Unterscheidung» ein: «Für die Metropolitankonferenz ist das nicht wesentlich.» Wesentlich sei die Unterstützung, welche die MKB im Gegensatz zu den vergleichbaren Organisationen in Zürich, Bern und Genf von der Wirtschaft geniesst.

«Wenn wir nur die Politik mit im Boot hätten, dann hätte meine Idee Schiffbruch erlitten», ergänzt Malama. Eine Säule Wirtschaft bezeichnet er als Maximalvariante: «Das Optimum haben wir jetzt aber herausgeholt.» Handelskammerdirektor Franz Saladin kommentiert: «Die Erwartungen waren anfangs zu hoch gesteckt.»

Zu den neun Nordwestschweizer Wirtschaftsorganisationen, die der MKB gestern ihre Unterstützung zugesichert haben, gehört Metrobasel. Diese verlässt Basel-Stadt-Vertreter Guy Morin wegen der Gründung seiner MKB (bz vom Samstag).

Metrobasel möchte Plattform sein

«Dabei haben die beiden Organisationen völlig unterschiedliche Aufgaben», betont Metrobasel-Direktorin Regula Ruetz. Ihre Denkfabrik erarbeite Grundlagenwissen für Politik und Wirtschaft. Das Lobbying in Bern sei Aufgabe der MKB. Ohne konkrete Beispiele zu nennen, schlägt sie vor, einige der vielen politischen Dreilandorganisationen aufzulösen anstelle von Metrobasel, die zu 70 Prozent von der Wirtschaft finanziert wird.

«Der MKB könnten wir eine wichtige Plattform bieten», schlägt sie vor – etwa mit dem Metrobasel-Forum und -Report (Auflage 300000). Auch dieser Traum könnte nicht ganz in Erfüllung gehen. Gutzwiller: «Die Region braucht Metrobasel nicht.»

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