Das Basler Herzstück blutet. Am Mittwoch stellte der Bund zwar die Gelder für die Planung in Aussicht. Doch die Projektierungskosten von weiteren rund 120 Millionen bleiben vorerst in weiter Ferne. Ein harter Rückschlag für die Planer, die Regierungen zeigen sich enttäuscht. Das Ziel, mit dem Herzstück in den Ausbauschritt Step 2035 der Bahninfrastruktur des Bundes zu kommen, wurde erneut verfehlt.

Doch das Herzstück wäre, und das ist nicht zu hoch gegriffen, der Schlag durch den gordischen Knoten der Bahnplanung der gesamten Region. Kommt das Herzstück zustande, bildet es die Durchmesserlinie der Regio-S-Bahn Basel. Diese führt dann unterirdisch durch die Stadt, verbindet die Bahnhöfe und soll unter dem Marktplatz sowie im Klybeck weitere Haltestellen schaffen. Der Bahnhof SBB wäre für die meisten Züge kein Sackbahnhof mehr. Die Verbindungen ins Ausland würden gebündelt. Und das gesamte Streckennetz würde eine massive Aufwertung erfahren. Das Herzstück steht für die gesamte S-Bahn Basel, die bisher zu bauen verpasst wurde.

Als Zielzustand immerhin anerkannt

Hat die Region versagt? «Nein», sagt Rudolf Dieterle. «Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen.» Dieterle ist der Koordinator des Bahnknotens Basel. Der ehemalige Direktor des Bundesamts für Strassen hat in einem immensen Kraftakt das damals bereits oft genannte, aber noch viel zu vage Projekt innert zwei Jahren so weit gebracht, dass der Bund nun immerhin die Planungskosten übernehmen will. Dieterle ist damit auch der Vater des Herzstück-Projekts, so wie es heute vorliegt. Aber natürlich, und das sagt auch Dieterle: «Die Bundesvorlage entspricht nicht unseren Erwartungen.»

Dabei drängt die Zeit. Der nächste Ausbauschritt wird voraussichtlich erst Ende der 2020er-Jahre spruchreif. Und das ist zu spät. «Wir wollen schnell vorankommen», sagt Dieterle. «Die Zeit ist ein absolut kritischer Faktor. Es sind noch gewisse planerische Arbeiten nötig; wir wollen aber danach lückenlos mit der Projektierung weiterfahren. Deshalb benötigen wir schon mit dem Ausbauschritt 2035 die geforderten Bundesmittel.» Die Chancen stünden nicht schlecht, dass die Region nun im parlamentarischen Prozess in Bern Gehör finde.

Keine Bahnhofsentwicklung ohne Herzstück

Schliesslich habe der Bund mittlerweile zumindest eines anerkannt: Dass das Herzstück zum Zielzustand des Bahnknotens Basel gehört. «Für das S-Bahn-Netz der Region Basel ist das Projekt unabdingbar. Darüber hinaus öffnet es Perspektiven für Innovationen im Fernverkehr», sagt Dieterle. Das Bundesamt für Verkehr und die SBB hätten zugesichert, der weiteren Planung des Bahnknotens Basel höchste Priorität einzuräumen und auch die Übernahme der Planungskosten zugesichert: «Priorität haben jetzt ganz klar die Bahnhofsplanungen, und für die ist das Herzstück von enormer Bedeutung.»

Jede Entwicklung an einem der Basler Bahnhöfe bedinge den Miteinbezug des Herzstücks in die Planung und die anschliessende Projektierung. Denn ohne das Herzstück, das alle Zulaufstrecken miteinander verbindet und überhaupt die nötigen Kapazitäten schafft, sei eine sinnvolle Entwicklung der Basler Bahn-Infrastruktur nicht möglich. Und die ist nötig. Allem voran bei der komplexen Anlage des Bahnhofs SBB.

Entschiedener Rückhalt – und Kritik

Zu den entscheidenden Antreibern des Projekts gehört auch der Architekt Pierre de Meuron. «Wir müssen endlich aus dem Planen herauskommen und in die Projektierung gehen, und zwar jetzt, sonst verlieren wir zehn Jahre», sagt er. Denn: «Obschon er grundsätzlich die Notwendigkeit des Bahnknotens mit dem Herzstück bejaht, war der Bundesrat nicht willens, unserer Region die erforderlichen 120 Millionen Franken Projektierungsmittel zu sprechen. Die Rede ist nur von Planungsmitteln. Aber Baselland und Basel-Stadt haben bereits 30 Millionen in die Planung gesteckt.»

Zur von de Meuron gegenüber der bz bereits angetönten Petition äussert er sich insofern: «Eine breite Allianz aus Politik und Privatwirtschaft ist nicht gewillt hinzunehmen, dass die zweitgrösste Wirtschaftsregion der Schweiz sozusagen auf dem Abstellgleis landet, was die Verteilung der Mittel im Ausbauschritt 2035 angeht.» Dazu gehöre sicher auch, dass die betroffene Bevölkerung der ganzen Region mobilisiert werde, «die ja weit über die Kantonsgrenzen von Basel-Stadt und Baselland hinausgeht.»

Weniger euphorisch ist dahingehend der Basler SVP-Grossrat Joel Thüring. Auch er positioniert sich als Befürworter des Herzstücks, geht aber davon aus, dass am Rückhalt in der Bevölkerung noch gearbeitet werden müsse. «Es handelt sich um ein Megaprojekt, und Basel steht solchen Projekten erfahrungsgemäss kritisch gegenüber.» Ansonsten könne das Herzstück wohl die Lösung für die Bahn der Region sein – allerdings eine weitere, die nie realisiert wird.