Zollfreie
Die Zollfreistrasse bedroht das Trinkwasser in Riehen und Weil am Rhein

Bei einem Unfall auf der Zollfreistrasse könnte verschmutztes Grundwasser in die Brunnen fliessen. Dies räumt eine Studie ein. Nach Riehener Politikern macht sich nun auch Weil am Rhein Sorgen um sein Trinkwasser, das es neben der Zollfreien entnimmt.

Peter Schenk
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Blick auf das Teilstück der Zollfreistrasse, das bereits 1998 eingeweiht wurde. Hier stellt sich die Grundwasserproblematik.

Blick auf das Teilstück der Zollfreistrasse, das bereits 1998 eingeweiht wurde. Hier stellt sich die Grundwasserproblematik.

Hannes Lauber

In zwei Interpellationen sorgen sich die Riehener EVP-Politiker Annemarie Pfeifer und Jürg Sollberger um den ungenügenden Grundwasserschutz an der Zollfreistrasse. Ihre Bedenken scheinen berechtigt, wie aus den Antworten der Basler Regierung und des Riehener Gemeinderats hervorgeht.

Pfeifer weist auf eine mögliche Gefährdungszone hin, die im Gebiet Weilmatten auf einer Länge von 600 Metern unmittelbar an der Landesgrenze verläuft. «Die Strasse verfügt im fraglichen Abschnitt weder über einen Fahrbahnabschluss noch über eine entwässerte Strassenschale», schreibt sie und verweist darauf, dass sich unmittelbar an der Strasse auf Schweizer Seite eine Grundwasserschutzzone anschliesse. «Die Strasse steht auch Tanklastzügen offen. Ein Unfall hätte verheerende Folgen», warnt die Politikerin.

Keine Schutzmassnahmen

Die deutschen Behörden verwiesen gegenüber der Basler Regierung darauf, dass laut eines Planfeststellungsbeschlusses von 1985 im angesprochenen Strassenbereich «keine Schutzmassnahmen gegenüber Trinkwasserschutzgebieten» vorgesehen seien. Zweites Argument: «Das deutsche Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau hat in einer hydrologischen Stellungnahme vom 15.07.2011 festgestellt, dass eine Beeinflussung der IWB-Grundwassererfassungen direkt nicht gegeben ist.»

Die Schweizer Behörden liessen diese Aussagen mit einem Grundwassermodell überprüfen. Dafür beauftragten das Amt für Umwelt und Energie (AUE) und die Industriellen Werke Basel (IWB) die Angewandte und Umweltgeologie der Universität Basel (AUG). Diese kamen zu anderen Ergebnissen als die deutsche Stellungnahmen.

«Die Berechnungen der AUG haben gezeigt, dass infolge eines Ereignisses im Bereich Weilmatten verschmutztes Grundwasser in den Zustrombereich der Brunnen der IWB gelangen kann», zitiert der Regierungsrat aus dem Bericht. Allerdings sei die Grundwasserfahne sehr schmal und betreffe lediglich eine kleine Strecke von zirka 50 bis 100 Metern.

Noch ein Trinkwasserschutzgebiet

Da sich rechts des Flusses Wiese auf dem Gelände von Weil am Rhein auch ein Trinkwasserschutzgebiet befindet, wurden die deutschen Nachbarn über die Ergebnisse informiert. «Ob für dieses Trinkwasserschutzgebiet eine Gefährdung durch die Zollfreistrasse ausgeht, ist dem Gemeinderat nicht bekannt», hiess es in der Antwort des Riehener Gemeinderats.

Zuständig ist auf deutscher Seite der Wasserverband Südliches Markgräflerland mit Sitz im Weiler Rathaus. Wie die «Badische Zeitung» berichtete, wandte sich der Wasserverband mit einem Brief an das zuständige Freiburger Regierungspräsidium. Darin fragte er, ob die Aussagen der Schweizer oder der deutschen Experten richtig seien, bestätigte die Weiler Hauptamtsleiterin Annette Huber gegenüber der bz. Während in Riehen schon vor 15 Jahren erste Bedenken wegen der Grundwasserproblematik formuliert wurden, sind die Riehener nun nicht mehr allein.

Laut Joachim Müller-Bremberger, Mediensprecher im Regierungspräsidium, wird die Möglichkeit, dass Grundwasser «entsprechend fliessen könnte» in der deutschen Stellungnahme nicht abgestritten. So heisse es dort: «Das Szenario kann nicht ausgeschlossen werden.»

Alarmplan erstellt

Dafür spricht, dass das Regierungspräsidium vorgeschlagen hat, einen Alarmplan zu erstellen. Bei einem Unfall könnten die IWB Schutzmassnahmen bei der Wassererfassung treffen. Möglich würde dies, da allfällig verschmutztes Grundwasser erst nach mehreren Tagen die Trinkwasserfassungen erreicht. So sei sichergestellt, dass bei einem Unfallverschmutztes Erdreich rasch ausgehoben werden könne.