Lörrach/Weil am Rhein

Die Zollfreistrasse wird mit viel Tamtam eröffnet, obwohl sie noch nicht fertig ist

Bahn frei: Die Zollfreistrasse zwischen Lörrach und Weil am Rhein wurde am Freitag feierlich in Betrieb genommen. Doch die Strasse ist noch nicht fertig gebaut. Es fehlt der letzte Teil in Lörrach.

Lautes Sirenengeheul und Blinklichter aus der Dunkelheit des Tunnels symbolisierten am Freitag die offizielle Eröffnung der Zollfreistrasse. Der Veteranenclub der Feuerwehr Riehen-Bettingen chauffierte in einem alten Mowag die Ehrengäste durch den Tunnel von Weil am Rhein nach Lörrach. Der basel-städtische Regierungsrat Baschi Dürr, Riehens Gemeindepräsident Willi Fischer und der Leiter der Verwaltung Riehen, Andreas Schuppli, stiegen aus der Kabine.

Am Ende des Tunnels wartete die Regierungspräsidentin des Bezirks Freiburg, Bärbel Schäfer. Ein Zusammentreffen mit Symbolcharakter, wie diese später in ihrer Ansprache meinte. «In den Jahren der Zusammenarbeit sind wir zu einer Familie zusammengewachsen», fand Schäfer. «Wir fühlen uns so, als wären wir auf der anderen Seite des Tunnels eingetroffen – auf der hellen Seite.»

Anwohner vom Verkehr entlasten

Zwar fehlten, vor allem zum Bedauern der deutschen Amtsträger, Vertreter des Bundeslandes Baden-Württemberg oder sogar des Bundes, doch die anwesenden Politiker fühlten sich dadurch noch mehr vereint. «Wir sind uns alle der Bedeutung dieses Tages und dieser Sache bewusst», formulierte es Bärbel Schäfer. Sie stellte aber nochmals klar, dass die Eröffnung des Tunnels nur eine «provisorische Inbetriebnahme» der Zollfreistrasse sei. «Zur endgültigen Fertigstellung fehlt noch der komplette Teil mit dem Kreisel in Lörrach.» Alle waren sich einig, dass dem dritten und letzten Abschnitt eine grosse Bedeutung zukommt.

Um eine Entlastung der Anwohner vom Verkehr bereits jetzt zu erreichen, verteilen die Riehener Behörden auf den Hauptverkehrsachsen Merkzettel, die auf die neu eröffnete Zollfreistrasse hinweisen.

Immer wieder blickten die Redner zurück auf den beschwerlichen Weg bis zur Eröffnung. Riehens Gemeindepräsident Willi Fischer ist der festen Überzeugung, dass es die damalige Opposition brauchte.

«Wenn bauen, dann richtig»

«Schauen Sie sich um, es ist überall grün», schwärmte er von der Umgebung. Er wolle die damalige Gegenbewegung keinesfalls schlecht reden. «Die Gedanken gingen damals hin und her: soll man oder soll man nicht? Mir war schon damals klar, wenn schon die Zollfreistrasse bauen, dann richtig.»

Zufrieden blickte Fischer auf die Naturausgleichsflächen, die im Gegenzug zur Strasse angelegt wurden. «Die Zollfreistrasse ist so jetzt positiv im Ganzen gesehen», resümierte Riehens Gemeindepräsident in der Hoffnung, dass die Strasse halte, was sie verspricht. Fischer liess die Möglichkeit der feierlichen Eröffnung der Strasse nicht ungenutzt, auch noch auf die anderen in der Region gut ausgebauten Verkehrsmittel hinzuweisen.

Dürr mahnt zur Nüchternheit

Von deutscher Seite kamen fast schon euphorische Töne. Ob von Lörrachs Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm oder ihrem Amtskollegen Wolfgang Dietz aus Weil am Rhein, sie waren alle voll des Lobes für das Stück Strassengeschichte. Dietz schmiss sich sogar in eine Uniform, die wohl den jahrzehntelangen Weg der Entwicklung der Zollfreistrasse unterstreichen sollte.

Regierungsrat Baschi Dürr wählte in seiner Grussbotschaft nachdenklichere Worte. Er mahnte zu einer nüchternen Sichtweise. «Früher verband man mit einer Strasse nur Glücksgefühle, heute oft nur Negatives. Wir müssen aufpassen, dass wir dahingehend nicht zu weit kippen.» Man solle in einer Strasse nicht nur das Böse sehen. «Strassen sind weder gut noch böse. Strassen haben ihren Zweck.» Freude zeigte Dürr an der geglückten regionalen Zusammenarbeit.

Um die Barriere zu öffnen legten die Politiker noch einmal gemeinsam Hand an. Das kleine Hindernis wich deutlich leichter als andere, die es bis zu dieser Eröffnung zu überwinden galt.

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