Das Papier hat etwas Rührendes an sich: Ein Eulenpaar guckt gescheit vom Baum, weiter oben der König der Lüfte, weiss der Geier von welcher Sorte. Da sagen sich Fuchs und Has fast buchstäblich gute Nacht. Hirsch, Luchs, Bär, Storch und ein Eichhörnchen, zwei Besucherinnen mit Kindern: Fertig ist der Zolli.

Richtig: der Zoologische Garten Basel ist eine Aktiengesellschaft, eine ausschliesslich gemeinnützige, wird in den Statuten festgehalten. Also: keine Profitmaximierung, kein Anspruch auf Dividende. Nur gerade 1700 dieser Namenaktien gibt es, verteilt auf 1250 Aktionäre, erklärt Marc Riggenbach, Leiter Administration und stellvertretender Zoodirektor, gegenüber der bz. Mehr als fünf Stück besitzt kaum jemand. Die erste Serie wurde bei der Gründung des Zoologischen Gartens herausgegeben, eine Kapitalerhöhung folgte in der 1930er-Jahren.

Die Aktie ist heute rund 10 000 bis 12 000 Franken wert, der Steuerwert gemäss Steuerverwaltung des Bundes beträgt 11 000 Franken, der Nominalwert 250 Franken.

Wie man kauft und verkauft

Wie kauft man eine solche, wie wird man eine los? Da sie nicht an der Börse kotiert ist, muss man selbst einen Käufer finden. Oder man gelangt an die Hausbank die einen Käufer organisiert. Jährlich gibt es zwischen 10 und 30 Handänderungen, sagt Riggenbach. Ein halbes Dutzend hält der Zolli selbst. «Wir verkaufen aber fast ausschliesslich an Leute, die sich für den Zoologischen Garten besonders verdient gemacht haben.» Es bestehe eine lange Warteliste. In Besitz der Aktien kommt der Zolli durch Schenkungen, Erbschaften und auch manchmal durch Käufe.

Wer sich eine Aktie via Bank erwerben will, braucht ebenfalls Geduld. Die meisten Papiere sind im Familienbesitz und wurden über Generationen vererbt. Die Handänderungen sind überdies auf der Rückseite vermerkt. Oben abgebildete Aktie wurde von A. Mieg-Becker, Lenzburg, wahrscheinlich ein Ur-Ur-Grossvater des Schreibenden, gezeichnet.

Teuer oder nicht?

12 000 Franken ist ein stolzer Preis für ein Papier. Doch ist das viel oder wenig, im Vergleich zu den ursprünglichen 250 Franken von 1872? Das ist schwierig zu sagen. Man muss sich mit nicht sehr aussagekräftigen Vergleichen behelfen.

Kaufkraft. Ökonomen haben berechnet, dass man vor 100 Jahren mit einem Franken zehnmal mehr kaufen konnte als heute. Hochgerechnet auf die 134 Jahre müsste man – milchmädchenrechnungsartig – den Faktor 13 anwenden, was 3250 Franken ergäbe.

Zinsrechnung. Würde man 250 Franken 134 Jahre lang zu drei Prozent verzinsen, käme man auf 13 125 Franken.

Aktienvergleich. Vergleicht man das Zolli-Papier mit Aktien mit vergleichbarem Wert, wie etwa der Aktie der Kabelwerke Brugg (11 500 Franken), der Alu Laufen (13 000 Franken) oder der Brauerei Falken (14 300 Franken). Diese haben Nennwerte von 500 (KW Brugg, Falken) bzw. 700 Franken (Alu Laufen). Diese Firmen haben jedoch immer wieder Dividenden bezahlt und längst nicht das Alter von 134 Jahren.

Die Zolli-Aktie hat einen emotionalen Wert, wahrscheinlich auch einen Sammlerwert. Für gut erhaltene Stücke werden höhere Preise bezahlt, heisst es beim Zoologischen Garten. Die Tatsache, dass es eine Warteliste von Käufern gibt, zeigt, dass der Preis von 12 000 Franken nicht ganz falsch ist.