Rauschmittel

Die «Zombie-Droge» Crystal Meth verbreitet sich im Basler Rotlichtmilieu

Die «Zombie«-Droge wird in Basel bislang nur in kleinen Mengen konsumiert.

Die «Zombie«-Droge wird in Basel bislang nur in kleinen Mengen konsumiert.

Die billige Droge wird in Basel noch nicht gross konsumiert. Dennoch erscheint sie bei Sexarbeiterinnen, die in äusserst prekären Verhältnissen leben.

Die Basler Polizei hat 2018 zweimal Methamphetamine, auch «Crystal Meth» genannt, beschlagnahmt. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um eine Gesamtmenge von rund 1,5 Kilogramm. Thomas Homberger, Chef des Betäubungsmittel-Dezernats, sagt: «Es ist ein Zeichen dafür, dass die gefährliche Droge in Basel angekommen ist».

Wo die Substanz herkommt, weiss er nicht genau. Er spricht von Osteuropa und erklärt, dass die Polizei für die beiden Funde türkischstämmige Händler verdächtigt, die im Sexgewerbe mit Thailändern verkehren.

«Keine Welle angetroffen»

Daniel Flückiger, Geschäftsleiter der Aidshilfe beider Basel, bestätigt: «Crystal Meth wird im Rotlichtmilieu konsumiert». Die Droge ist billig, deshalb würden Prostituierte darauf zugreifen. Meth hat ein sehr hohes Suchtpotenzial und richtet verheerende Schäden an. Wegen den Bildern von abgemagerten und zahnlosen Junkies, die man aus der USA und der Serie «Breaking Bad» kennt, spricht man auch von «Zombie-Droge».

Auch Elfie Walter von der Frauen-Oase ist im Rahmen ihrer Arbeit mit abhängigen Frauen der Droge begegnet. Sie relativiert: Als in den vergangenen Jahren das Thema in Deutschland oder der Westschweiz aufkam, hätten viele Beteiligte eine Welle befürchtet. Diese ist nach Walters Einschätzung nicht angekommen. Meth sei zu billig, um in der Schweiz Fuss fassen zu können. Als Einfachverdienender könne man sich auch Kokain leisten.

Neuenburg, die Meth-Hochburg

Crystal Meth hat vor allem in Neuenburg Schlagzeilen gemacht. Laut einer Studie der Lausanner ETH aus dem Jahr 2017 soll Neuenburg die Meth-Hauptstadt der Schweiz sein. Die Droge erreichte Neuenburg in den Neunzigerjahren über das thailändische Milieu.
Trotz dem Fund der Basler Polizei scheint Crystal Meth eine Randerscheinung zu bleiben. Bei der Suchthilfe Basel hat man keine Zunahme von Beratungen zu Methamphetaminen festgestellt. Zum Vergleich: Gemäss Kriminalstatistik 2018, welche die Staatsanwaltschaft eben erst veröffentlicht hat, wurden im vergangenen Jahr fast 50 Kilogramm Marihuana und Haschisch und sechs Kilogramm Kokain sichergestellt. Also ein Vielfaches von Meth.

Dass sich das Phänomen noch in Grenzen hält, scheint auch die neuste Studie des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction zu bestätigen. Laut Abwasserproben steht Basel im europaweiten Vergleich auf Platz 18: Die Basler haben 2017 37 Milligramm pro tausend Personen am Tag konsumiert. Bei Kokain sind es 562 Milligramm, was Basel in die Top Ten befördert, mit vier weiteren Schweizer Städten: Bern, Zürich, Genf und St. Gallen.

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