Bei diesem herrlichen Anblick bleiben nicht nur glänzende Kinderaugen hängen. Hinter der Glasscheibe an Ursula Josts Stand leuchten Türmchen von Zuckerplättli in allen Regenbogenfarben auf. Sich für eine Farbe zu entscheiden, ist keineswegs eine einfache Sache. Magenmorsellen heisst die alte Basler Spezialität, die Jost auf dem Petersplatz verkauft.

Dort – und ausschliesslich dort – werden die Morsellen seit sage und schreibe 81 Jahren während der Herbstmesse angeboten. Das Rezept in die Stadt gebracht hatte der deutsche Apotheker A. Thon im Jahr 1899. Der Name Magenmorselle entstand durch die Funktion der Süssigkeit. Der Apotheker nämlich mischte aus sechs Gewürzen eine Essenz zusammen, um Patienten mit Magenbeschwerden zu heilen.

Gewürzmischung ist Geheimnis

Die Mischung war allerdings zu bitter und somit ungeniessbar. So fügte Thon Zucker hinzu – und schon nahmen seine Patienten die Medizin gerne zu sich. Das «Original», das heute tatsächlich unter diesem Namen verkauft wird, war geboren. Heute noch wird das «Original» aus besagten sechs Gewürzen hergestellt. Um welche es sich dabei handelt, sei aber ein Geheimnis, erzählt Ursula Jost. Geschmacklich kommt das «Original» nahe ans Magenbrot heran.

Seit 1931 ist die Rezeptur nun in Händen der Basler Familie Stern. Emil Stern – er war der Grossvater des heutigen Geschäftsführers Hanspeter Stern – kaufte dieses Thon damals ab. Im Verlaufe der vergangenen 80 Jahre kreierten die Sterns Magenmorsellen aus anderen Aromen wie Änis, Ingwer, Schokolade, Pfefferminze, Erdbeere oder auch Vanille. Diese waren natürlich nicht mehr als Medizin gedacht, sagt Jost.

Acht neue Sorten fürs 2013

Dafür, dass Magenmorsellen eine urbaslerische Spezialität sind, sind sie nicht so bekannt wie beispielsweise das Basler Läckerli. Jost betont denn auch, dass viele alte Leute, die die Morsellen von damals kennen und gezielt gekauft haben, wegsterben. Deswegen wurden in diesem Jahr noch einmal acht zusätzliche Sorten kreiert: «Wir haben die Morsellen farbiger gemacht. Man muss sich der Zeit anpassen.» Neu hinzugekommen sind unter anderem Apfel, Pistazie, Zwetschge, Kirsche oder Blutorange. Der Renner bei den Alten sei Himbeer – bei den Neuen Pistazie.

Verpackt wird die zuckersüsse Verführung noch traditionell wie anno dazumal: in Zeitungspapier und mit einem Gummiband drum. Hergestellt wird Sterns Leckerei von Hand aus Wasser und Schweizer Zucker. «Der Aufwand der Handarbeit ist riesig. Deswegen verkaufen wir nur in Basel an der ‹Mäss› oder dann auf Bestellung im Internet.»