Innenstadt
Die Zukunft des Marktplatzes macht die Parteien ratlos

Abends und am Wochenende ist der Marktplatz kein Ort, der zum Verweilen einlädt. Dies will die Regierung mit dem Entwicklungsrichtplan Innenstadt ändern und den Platz als Veranstaltungsort etablieren. Doch die Umsetzung ist noch ein Fragezeichen.

Hans-Martin Jermann
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Die vielen Trams behindern die Belebung des Marktplatzes als Veranstaltungsort. Kenneth Nars

Die vielen Trams behindern die Belebung des Marktplatzes als Veranstaltungsort. Kenneth Nars

Die Basler Regierung will die rund 30 Plätze und Strassenzüge in der Innenstadt gezielt bespielen. Dazu hat sie den 150-seitigen Entwicklungsrichtplan Innenstadt in die Vernehmlassung geschickt.

Nun liegen die Rückmeldungen der Parteien und Verbände vor. Diese begrüssen im Grundsatz die für die nächsten 15 Jahre postulierte Entwicklung. Zu den einzelnen Objektblättern sparen die Parteien allerdings nicht mit Verbesserungsvorschlägen und Kritik.

Abends und an Wochenenden tot

Ein wichtiger Puzzlestein in der Entwicklung der Innenstadt ist der Marktplatz. «Abends und an Wochenenden ist der Marktplatz kein Ort, an dem man sich willkommen fühlt», bringt Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) die heutige Situation auf den Punkt.

Entsprechend klar ist der Wille, den Marktplatz zu beleben. Dies soll auf zwei Ebenen geschehen: Einerseits will die Regierung den Platz als Marktstandort stärken. Dazu soll das Angebot des Wochenmarktes verbessert werden; zudem sollen Marktangebote, die heute teilweise auf anderen Zentrumsplätzen stattfinden, hierher geholt werden. Zweitens will die Regierung den Marktplatz als Veranstaltungsort etablieren. Heute finden hier – im Gegensatz zum Barfüsserplatz – bloss vereinzelt Konzerte, öffentliche Aktionen oder Feste statt.

Sicherheit macht den Politikern zu schaffen

Bei den Parteien stossen die Pläne für den Marktplatz allerdings auf Skepsis. Und zwar nicht, weil die Belebung des zentralen und repräsentativen Platzes bestritten wäre. Die Parteien fragen sich vielmehr, wie die Regierung die unterschiedlichen Bedürfnisse unter einen Hut kriegen will. «Auf dem Marktplatz künftig mehr Veranstaltungen zu haben, wäre schön, ist aber kaum realistisch», sagt Elias Schäfer, Mitglied des Komitees «Kulturstadt Jetzt» und FDP-Grossrat.

Dies vor allem wegen eines Sicherheitsproblems, erläutert SP-Grossrat Daniel Jansen, der über langjährige Erfahrungen als Veranstalter verfügt: «Ich frage mich, wie auf dem Marktplatz eine grosse Bühne aufgebaut werden soll, wenn im Minutentakt Trams über den Platz rattern.» Grünen-Grossrätin Mirjam Ballmer ist derselben Meinung: Eingeschränkt seien die Veranstalter durch den Tramverkehr und durch die regelmässige Nutzung des Platzes. Veranstaltungen mit grossem Publikumsaufmarsch seien auf dem Platz somit kaum finanzierbar, sagt Ballmer und fügt an. «Das, was dort heute stattfindet, und das, was man dort will, ist nicht miteinander vereinbar.»

CVP stellt Marktmonopol infrage

Für SVP-Grossrat Joël Thüring ist klar: «Die vielen Trams hemmen die Entwicklung des Marktplatzes». Dasselbe gelte für den Barfüsserplatz. Die SVP fordert denn auch Massnahmen gegen die «grüne Wand» in der Innenstadt. Die Regierung weiss um die Probleme mit den Trams. Im Entwicklungsrichtplan ist festgehalten, dass mit einer Reduktion der Linien die Überquerbarkeit der Tramachsen verbessert werden soll. Allerdings: In der entsprechenden öV-Planung des Kantons, dem aktuellen öV-Programm, ist keine substanzielle Reduktion der Tramlinien durch die Innenstadt vorgesehen. Abhilfe schaffen wird das Herzstück der Regio-S-Bahn, die unterirdische Haltestellen in der Innenstadt vorsieht. Allerdings wird das Generationenprojekt nicht vor 2030 realisiert.

Widersprüche bestehen zudem zwischen der Nutzung des Platzes als Markt- und als Veranstaltungsort. So behindert der Markt am Samstag die Nutzung des Platzes für Wochenendveranstaltungen. Die CVP fordert, das Marktmonopol zu hinterfragen. Man wolle die Marktfahrer nicht verärgern, sagt CVP-Präsident Markus Lehmann. Angesichts der Widersprüche müssten die Diskussionen nun aber unvoreingenommen geführt werden. Lehmann könnte sich vorstellen, den etwas leblosen Rümelinsplatz stärker als Marktort zu nutzen. Dem kleinen, schmucken Platz würden bereits wenige Marktstände Leben einhauchen.