Strafgericht Basel
Diebischer Federn-Sammler muss ein Jahr hinter Gitter

Der Solothurner Greifvogel-Federn-Sammler, der jahrelang in Museen europaweit Federn und Flügel aus Museen gestohlen hat, muss hinter Gitter: Das Strafgericht Basel-Stadt brummte ihm eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren auf.

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Musste Federn lassen: Auch im Naturhistorischen Museum Basel liess S.G. Exponate mitlaufen.

Musste Federn lassen: Auch im Naturhistorischen Museum Basel liess S.G. Exponate mitlaufen.

KEYSTONE

Greifvogel-Federn-Sammler S.G. aus Lostorf SO, der jahrelang in Museen europaweit Federn und Flügel aus Magazinen gestohlen und Millionen-Schaden hinterlassen hat, muss hinter Gitter: Das Strafgericht Basel-Stadt brummte ihm am Mittwoch drei Jahre auf.

Der heute knapp 45-jährige Schweizer, zuvor unbescholtener Gemeindeangestellter, hatte ab 2005 in Naturhistorischen Museen in Basel, Neuenburg, Wien, München, Stuttgart, Frankfurt und Berlin Sammlungsmagazine besucht und dort Stücke für seine Privatsammlung mitlaufen lassen. Neben Federn riss er Präparaten ganze Flügel aus.

Weil der Bauingenieur mit seiner langjährigen Leidenschaft für Greifvögel-Federn einiges Expertenwissen erworben hatte, hatten ihm die Museen vertraut. Er stellte auch eine Fachpublikation in Aussicht. Erst als 2012 in Berlin Beschädigungen auffielen, flog er auf. Die Polizei beschlagnahmte seine über 10'000 Federn grosse Sammlung in seiner Wohnung.

Den Wert seines Diebesgutes bezifferte die Anklage aufgrund von Museumsinformationen auf fast 430'000 Franken. Den Sachschaden bezifferte sie derweil auf gegen sechs Millionen Franken, auch weil manche irreparabel beschädigten Objekte von ausgestorbenen Arten stammen oder über hundert Jahre alt sind.

Schuldspruch

Das Dreiergericht sprach S.G. des gewerbsmässigen Diebstahls und der mehrfachen qualifizierten Sachbeschädigung mit grossem Schaden schuldig. Von den drei Jahren Freiheitsstrafe - ohne Familienrabatt wären es dreieinhalb geworden - muss er ein Jahr verbüssen; zwei werden auf Bewährung ausgestellt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf vier Jahre plädiert, der Verteidiger auf eine bedingte Strafe von maximal zwei Jahren.

Zum Strafmass sagte die Gerichtspräsidentin, Museen erfüllten mit ihren Archiven einen gesellschaftlichen Auftrag, die Sammlungen mit Kulturgütern auch Interessierten zugänglich zu machen. Dies hätten sie unkompliziert getan und nicht mit Beschädigungen und Diebstählen rechnen müssen. Das habe er ausgenutzt und der Allgemeinheit geschadet.

Gewerbsmässig seien seine Diebstähle wegen der Dauer, der Häufigkeit und des klaren Musters der Delikte. All die Raritäten hätte er sich mit eigenen Mitteln kaum kaufen können, und seine Sammlung habe erheblich an Wert gewonnen. Darum hätten die egoistischen Diebstähle auch ohne Verkaufsabsicht den "Charakter eines Nebenerwerbs".

Ruiniert

Die Schadenersatzforderungen der betroffenen Museen bestritt er wegen eines teils schlechten Zustandes der Objekte mit Frassspuren oder Schusslöchern. Das Gericht hiess sie im Grundsatz zwar gut, verwies sie aber wegen der Komplexität der Bewertung, die wohl zusätzliche Expertisen erfordere, zumeist auf den Zivilweg.

Die Gerichtspräsidentin anerkannte, dass der Angeschuldigte den Schaden wiedergutmachen wolle. Angesichts der enormen Summe und seines normalen Einkommens werde er dies jedoch finanziell kaum je stemmen können.

Im Prozess hatte er rückblickend Reue gezeigt - damals habe er aber den Schaden seines Tuns nicht wahrnehmen wollen. Auf der Suche nach dem Grund dafür sei er bis heute in einer Psychotherapie.

Anstifter

Auf die Idee, Museen heimzusuchen, um seine Sammlergelüste zu befriedigen, hatte den Angeklagten ein Kollege gebracht: Dieser heute 44-Jährige Schweizer, ebenfalls davor unbescholtener Gemeindeangestellter im Mittelland, hatte seit 1996 aus Magazinen Federn gestohlen.

2005 hörte er auf, nachdem er in Basel auf Schäden angesprochen wurde - vorerst folgenlos. Delikte vor 2005 sind indes verjährt. 2012 flog er zusammen mit dem Hauptangeklagten auf. Auch seine private Federsammlung mit über 17'000 Federn diversester Vögel wurde beschlagnahmt.

Das Basler Strafgericht sprach ihn nun der mehrfachen Hehlerei schuldig, weil er um die deliktische Herkunft hätte wissen müssen. Als gewerbsmässig sei das knapp nicht zu bewerten. Mangels Beweisen wurde er von den Vorwürfen des Diebstahls und der Sachbeschädigung freigesprochen.

Der Mitangeklagte bekam dafür 15 Monate bedingt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf 20 Monate bedingt plädiert, sein Verteidiger auf Freispruch.

Die bestohlenen Museen wollen die beschlagnahmten Stücke ihren Magazinen zuordnen und zurückführen, wie Vertreter vor Gericht ankündigten. (sda/nch)