Dreiland-Literatur
Diese acht Bücher schärfen den Blick über die Grenzen

Kaiserstuhl und Elsass liegen vor der Haustür: Drei Bücher geben Tipps fürs Wochenende und mehr. Eine Krimiserie spielt im 1. Weltkrieg, 40 Männer und Frauen aus Baden-Württemberg werden ebenso vorgestellt wie bildreich die Kandertalbahn.

Peter Schenk
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Auch im schönen, oft überlaufenen, Riquewihr gibt es mit dem Restaurant Le Sarment d’or einen guten Ort zum Einkehren. Empfohlen wird unter der Woche das «Bip Gourmand Menu».

Auch im schönen, oft überlaufenen, Riquewihr gibt es mit dem Restaurant Le Sarment d’or einen guten Ort zum Einkehren. Empfohlen wird unter der Woche das «Bip Gourmand Menu».

Zur Verfügung gestellt

16 Streifzüge im kleinen Paradies

Auf Wolfgang Abels Tipps ist Verlass. Sein Buch über den «Kaiserstuhl, Streifzüge zwischen Rebstock und Himmelburg» beginnt mit einer kleinen Hymne so, dass man Lust auf einen Ausflug bekommt. Zu seinen Büchern gehört aber auch Kritik – allermeistens ist sie berechtigt. Das hat den Vorteil, dass man selten enttäuscht wird. So heisst es: «Die Diskrepanz zwischen fruchtbarer Scholle, gewöhnlicher Küche und betagtem Betriebssystem erstaunt einen immer wieder auf's Neue. Der Aufbruch der deutschen Küche ist im Kaiserstuhl allenfalls in einer Handvoll Häuser angekommen, der grosse Rest variiert mehr oder minder gekonnt den üblichen Kanon.»

16 Streifzüge bietet uns Abel an – eine Beiz zum Einkehren oder ein Winzer zur Weinverkostung findet sich in den meisten. Häufig kann man auch Obst oder Gemüse im Hofladen kaufen. Schön sei am Kaiserstuhl, dass die Wanderwege oft bequem die Höhe halten. Im Liliental lassen sich von Mitte April bis Ende Juni nicht weniger als 20 der 60 europäischen Orchideenarten besichtigen – ungewöhnlich bequem von erschlossenen Wegen.

Auf den letzten 100 Seiten führt uns Abel in die Geschichte und Eigenarten des Kaiserstuhls ein, der lange Zeit sehr unter Armut gelitten hat. Zum Schluss gibt es eine kleine Anleitung zum Weinkauf. Beizen, Strassenwirtschaften, Geschäfte und Weingüter sind mit Seitenangaben gesondert aufgeführt – alles in allem ein sehr praktischer und informativer Führer.

Vom Vulkan zum Mini-Mittelgebirge

Rund 60 Kilometer nördlich von Basel befindet sich ein kleines Juwel: Zwischen Schwarzwald und Vogesen erhebt sich mit dem Kaiserstuhl eine Erhebung, die an ihrer höchsten Stelle 556 Meter hoch ist und sich auch durch die Terrassen für den Weinbau auszeichnet. «Ursprünglich ein Vulkan, präsentiert sich der Kaiserstuhl heute als reizvolles Mittelgebirge und beliebte Urlaubsregion mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten», heisst es im Pressetext zum Buch «111 Orte am Kaiserstuhl, die man gesehen haben muss.»

Die Autorin Barbara Krull nimmt uns mit auf eine kleine Reise, bei der wir einen Rosenhof ebenso entdecken wie ein kleines jüdisches Museum, den einen oder anderen Aussichtsturm, eine Käserei, eine Kerzenwerkstatt oder mit dem Rebenbummler einen alten Dampfzug.

Zu jedem Ort, den sie uns vorschlägt, gibt es eine Doppelseite mit einem ganzseitigen Text und einem grossen Foto, in das die Informationen über Anfahrt, Adresse und besondere Tipps gedruckt sind. Die Orte sind alphabethisch geordnet. Breisach, Ihringen und Gottenheim sind von Freiburg im Breisgau gut durch eine S-Bahn erschlossen. Ausserdem gibt es die 40 Kilometer lange Kaiserstuhlbahn, die die Region im Kreis umfährt. Mit dem öV ist viel zu erreichen, wer aber alle im Buch vorgeschlagenen Orte anfahren möchte, ist mit einem PW wohl doch besser bedient. Eine Alternative wäre sicher die Anfahrt mit Zug und Velo.

Staatsanwalt Oberlin ermittelt

Staatsanwalt Oberlin wird uns schnell ans Herz wachsen. Zwei handliche Krimis zu seinen Ermittlungen im Südschwarzwald, dem Elsass und teils auch in Basel sind bereits erschienen. Insgesamt fünf sind geplant: für jedes Jahr des Ersten Weltkriegs eines.

Der erste heisst «Der dritte Tote» und spielt ab Ende Juni 1914 im Wiesentalort Atzenbach in den letzten Wochen bis Ausbruch des Krieges. Der Autor J.J. Caesing, ein Pseudonym für Heinz Käsinger, stammt selber aus dem Dorf, ist von Beruf aus Journalist und hat für seine Krimis zusammen mit seiner Frau einen eigenen Kleinverlag gegründet.

Die Idee, sich literarisch mit dem Ersten Weltkrieg auseinanderzusetzen, hatte er schon vor vielen Jahren – mit der Umsetzung hat es dann gedauert, aber sie hat noch rechtzeitig geklappt. Derzeit arbeitet er am dritten Band, der «Kuss des Menschenfressers» heissen wird, und in dem auch das schreckliche Schlachtfeld des Hartmannsweilerkopfs in den Südvogesen eine Rolle spielen wird.

Im ersten Krimi geht es um eine grausam zugerichtete Leiche, die in der Nähe des Bahnhofs von Atzenbach gefunden wurde. Staatsanwalt Oberlin überlegt kurz, sie nach Basel in die Gerichtsmedizin bringen zu lassen, entschliesst sich aber aus Zeitgründen die erste Leichenbeschau von einem befreundete Arzt in Zell im Wiesental machen zu lassen. Bei dem Toten handelt es sich um einen Journalisten des Oberbadischen Anzeigers aus Lörrach.

Oberlin kommt gut voran bei seinen Ermittlungen, manchmal erscheint einem das Glück dabei etwas arg strapaziert zu werden. Auch die Aussage, ein Verbrecher müsste wenige Stunden nach seiner Tat gefasst werden, ist übertrieben. Und ob man Leichen damals über die Grenze zur Obduktion befördern durfte, ist mir ebenso wenig bekannt wie dass das Passwesen schon derart gut ausgebaut war, dass man bei dem Toten ein derartiges Dokument gefunden hat.

Nichtsdestotrotz lesen sich die historischen Krimis angenehm und bieten gute Unterhaltung. Im zweiten Buch «Tod eines Ehrenmannes» ist Oberlin zum deutschen Militär eingezogen – das Elsass gehörte ja zwischen 1871 bis 1918 zum Deutschen Reich und er hatte die deutsche Staatsangehörigkeit. Als in der Garnisonsstadt Neu Breisach ein Versorgungsoffizier ermordet wird, kann sich Oberlin dem Drill der Ausbildung entziehen und wird zum Chefermittler ernannt.

Im Laufe der Untersuchung stellt sich schnell heraus, dass der Offizier von seiner Position ausgesprochen gut zu profitieren wusste. So wurden Kontounterlagen gefunden. «Das Privatbankhaus Julian Beer aus Basel bescheinigte dem Toten 58'000 Goldmark an Guthaben.» Auch vom Basler Bankhaus Sarah Zinn Cie & Co ist die Rede – selbstredend hat der Autor sich hier nicht verschrieben, sondern hat die Banknamen bewusst geändert. Die Recherchen, bei denen auch ein, allerdings erfundener, Schweizer Bundesrat eine Rolle spielt, führen dann bis zum Kilometer Null bei Bonfol im Jura, wenige Kilometer von der deutsch-französischen Front entfernt.

Fotoband über eine Nebenbahn

Nach seinem Buch über die Wiesentalbahn hat sich der Basler Eisenbahnspezialist Rudolf Schulter nun der 12,9 Kilometer langen Kandertalbahn gewidmet – einer Nebenbahn im Südschwarzwald, die in Haltingen beziehungsweise im Badischen Bahnhof beginnt und in Kandern endet.

Das Buch zeichnet sich durch 160 Fotos aus, die zwischen 1966 und 2015 entstanden und vor allem Loks und Triebwagen, Wagen und Dienstfahrzeuge zeigt, die regelmässig auf der Strecke gefahren sind. Zu jedem Foto gibt es ausführliche Informationen. Zu sehen sind ferner Gastfahrzeuge, die nur kurz auf der Strecke verkehrten, sowie Kohlezeichnungen, Streckenpläne, Fahrpläne und Bahnhofsgleispläne.

Das Buch lebt vor allem von den Illustrationen. So beschränkt sich der Autor auf eine zweiseitige Einleitung, aus der man erfährt, dass die Strecke 1895 in Betrieb genommen wurde, sich die fehlende Direktverbindung nach Lörrach aber als Nachteil erwies. So wurde 1929 unter anderem eine Buslinie Kandern–Binzen–Lörrach eingerichtet. Auch der aufkommende Autoverkehr habe der Bahn mehr und mehr zu schaffen gemacht.

Ab 1970 verkehrten am Sonntag Museumszüge mit Dampfloks, organisiert vom Verein Eurovapor, der eine alte Dampflok erworben hatte. Wochentags gab es regulären Bahnbetrieb. 1983 wurde Letzterer nach einem Erdrutsch, der das Gleis verschüttete, eingestellt. Nach Ausbesserung der Gleise wurde der Museumsbetrieb 1986 wieder aufgenommen.

Aussergewöhnliche Menschen

Die Idee ist interessant. In zwei Büchern hat der Konstanzer Südverlag aussergewöhnliche Menschen porträtiert: 20 Männer und 20 Frauen, die Baden-Württemberg vom 16. bis zum 20. Jahrhundert geprägt haben.

Friederike Luise Löffler arbeitete als erste Köchin am herzoglich-württembergischen Hof und publizierte 1791 ein schnörkellos, griffig und kompetent geschriebenes Kochbuch, das 18-mal neu verlegt wird. Margarete Steiff, die nach der Kinderlähmung an den Rollstuhl gebunden war, erfand die erfolgreichen Steif-Stofftiere, Sophie Scholl wurde als Studentin im Widerstand gegen die Nazis hingerichtet, Bertha Benz gilt als erste Autofahrerin der Welt und Alleliese Rothenberger war eine Sopranistin mit Millionenpublikum.

Bekannter als viele der porträtierten Frauen sind die Männer: Da wird der geniale Astronom Johannes Kepler ebenso porträtiert wie der Bändiger des Rheins Johann Gottfried Tulla. Gottfried Daimler, Ferdinand Graf von Zeppelin und Carl Benz kommen ebenso vor wie der Unternehmer Robert Bosch, der Schriftsteller Hermann Hesse und der ehemalige deutsche Bundespräsident Theodor Heuss oder der Maler Otto Dix. Es ist beeindruckend, wie viele bedeutende Menschen Baden-Württemberg hervorgebracht hat.

Begleiter für kleine Fluchten

Ich gebe zu: Ich bin ein Fan der Reiseführer vom Oase-Verlag, aber mit Recht. Das beweist auch die neunte Auflage des Führers «Winstub & Kougelhopf – gut einkehren und einkaufen im Elsass», die gerade erschienen ist. Zehn Touren vom Sundgau bis nach Strassburg schlagen die Autoren Cornelia Stauch und Wolfgang Abel auf 285 reich mit Fotos illustrierten Seiten vor.

Im Text finden sich regelmässig mit Sonnen markierte Oasen, in denen sich das Einkehren besonders lohnt. 18 sind es an der Zahl; sie werden allerdings nicht mehr gesondert im Inhaltsverzeichnis aufgeführt. Im Sundgau schicken Stauch und Abel uns zum Beispiel in Carspach in «La Couronne». Die «Couronne d’Or» in Leymen, in Basel allerdings wohl bekannt, erhält auch eine Auszeichnung. Lust auf einen Ausflug macht auch das «Felseneck» in Ferrette. Es ist zwar nicht als Oase gekennzeichnet, aber nachdem das Restaurant eine Weile geschlossen war, ist es jetzt ein Bed and Breakfast mit «selten grosszügigem Ambiente».
Abschnittsweise verlottert

Als «gewöhnungsbedürftig und abschnittsweise verlottert» wird die Arbeiter- und Industriestadt Mulhouse dargestellt, leider stimmt die Beschreibung zumindest zum Teil. Aber auch hier gibt es Tipps wie die «Chocolaterie Jacques« oder die Fromagerie «Au Bouton d’Or». Etwas ausserhalb der Stadt haben sich am Fuss des Rebbergs, der Villengegend von Mulhouse, in der geschäftigen Avenue d’Altkirch fünf lohnende kulinarische Adressen etabliert.

Dazu gehört unter anderem das hoch gelobte Fischrestaurant «Le Bistrot à Huîtres», das ein tagesfrisches Angebot an Meeresfrüchten bietet, die wie eine Visitenkarte vor dem Eingang präsentiert werden. Die Spezialitäten der «Boucherie David» sind Charolais-Rind, Limousin-Lammfleisch, Bresse-Geflügel, sowie eine Andouilette de Troyes. Täglich wird ausserdem eine Plat du Jour zum Mitnehmen für 6.50 Euro/12.50 Euro angeboten, «darunter bekannte Elsässer Spezialitäten wie Tourtes, Quiches, Bouchées à la Reine, Couscous Royal» – interessant das der Führer das Couscous mittlerweile schon regionalisiert hat.

In einem Führer zum Elsass darf natürlich auch der reichhaltige und teils exotische Markt von Mulhouse nicht fehlen. Gut 20 Seiten widmen die Autoren zudem den ausserordentlichen technischen Museen der Stadt.

Weiter nördlich lockt in Turckheim «Staub» zum Kauf von wunderschönen Cocottes, das sind schwere Brat- und Schmortöpfe. Als Unterkunft dringend empfohlen wird die «Villa Féga» im gleichen Ort. Es folgen weitere kulinarische Oasen wie in Ammerschwihr bei Colmar das «Aux Armes de France», das 2005 auf seinen Michelin-Stern verzichtet hat, um wieder näher bei der Kundschaft zu sein.

Selbst im überlaufenen Touristenort Riquewihr wissen die Autoren Rat und schicken uns zum Essen ins klassische «Le Sarment d’Or». Wir können hier unmöglich alle empfohlenen Oasen aufführen, als besonderer Tipp sei noch eine Leinenweberei im elsässischen Ried erwähnt.

Eher kurz wird die elsässische Hauptstadt unter dem Titel «Strassburg ohne Stress» abgehandelt. Aber auch hier finden sich mit «La Table de Christophe», «L’Alsace à table» und «Le Bistrot du Boulanger» immerhin drei Oasen.

Das Buch schliesst mit einem kleinen Elsässer Bilderbogen mit Informationen zu Bier, Charcuterie, Foie Gras, Riesling und Winstub ab.