Muba
Diese Aussteller kämpfen dafür, dass Essen nicht mehr im Müll landet

2'310'000'000 Kilogramm Brot, Gemüse, Früchte, Fleisch und Käse werden in der Schweiz jedes Jahr weggeworfen. Mehr als 2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel landen einfach im Müll. Das entspricht 140'000 Lastwagenladungen. Der Verein Foodwaste.ch und das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain kämpfen an der Muba gegen die Wegwerfgesellschaft.

Andreas Fahrländer
Drucken
Teilen
Perfektes Portionieren will gelernt sein.

Perfektes Portionieren will gelernt sein.

Kenneth Nars

Das Baselbieter Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain (LZE) veranschaulicht an seinem Stand, wie sich die Landwirtschaft und die Ernährung in den letzten 100 Jahren entwickelt haben. «Zum Jubiläum der Muba wollten wir auch etwas Besonderes machen», sagt Johanna Gysin, die den Stand des LZE koordiniert. «Wir wollen zeigen, wie stark sich die Ernährungsgewohnheiten gewandelt haben.»

Nachhaltiges oder billiges Essen?

Im Kanton Baselland gab es vor 100 Jahren noch 5300 Bauernhöfe, heute sind es noch 900. Auf einem Hof gab es damals im Durchschnitt fünf Rindviecher und zwei Schweine. Die Felder wurden im ganzen Baselbiet mit Pferden bestellt. Heute gibt es auf einem durchschnittlichen Betrieb 50 Rinder oder 170 Schweine und im Kanton sind 3200 Traktoren im Einsatz.

«Das wirkt sich auch auf unsere Ernährung aus», sagt Gysin. «Die Frage ist letztendlich, wollen wir wieder vermehrt auf einheimische, nachhaltige Produktion setzen – oder nur noch auf den Preis schauen und möglichst billiges Essen aus dem Ausland einkaufen?»

Immer teurer, immer ungesünder

Beeindruckend ist auch der Vergleich, wie viel die Ausgaben für Esswaren im Haushaltsbudget ausmachen. 1916 waren es noch 60, heute nur noch sieben Prozent. Trotzdem wird das Essen immer teurer, vor allem weil alles fixfertig verpackt und verarbeitet eingekauft wird.

Das bringt auch immer weniger Zeit für die Zubereitung und den Genuss des Essens mit sich. Und entsprechend gross ist der Abfallberg, der dabei entsteht. Zwischen der Appenzeller Stube, dem Stand der Nordwestschweizer Eierproduzenten und dem Schweizer Käseverband regt die Ausstellung des Vereins Foodwaste.ch an der Muba zum Umdenken an.

Dominique Senn, die Geschäftsleiterin des gemeinnützigen Vereins, sagt: «In der Schweiz gibt es schon ein recht gutes Wissen, wie man bewusst mit Lebensmitteln umgehen soll.» Trotzdem möchte sie auf die Auswirkungen der Lebensmittelverschwendung hinweisen – und vor allem Lösungen aufzeigen, wie sie verhindert werden kann. «Wir möchten den Leuten sagen: Schmeissen sie nicht so viel weg, essen Sie bewusster!» Auf spielerische Weise lernen die Besucher an fünf Stationen, das Essen wieder zu geniessen und dabei die Umwelt zu schonen.

Zahlreiche Schulklassen haben die Ausstellung während der Muba besucht und gelernt, wie man Einkaufen und Kochen besser plant, wie man richtig portioniert und Reste verwertet.

Brotknödel oder Blumenkohl?

Besonders Brot landet heute oft gedankenlos im Müll. «Wenn man mit älteren Leuten spricht, hört man etwas ganz anderes. Früher hat man Brot nicht einfach weggeworfen», sagt Senn. Von Brotknödeln mit Kräutern über die Brotlasagne bis zum Blumenkohl polnischer Art gibt die Ausstellung Rezeptideen für altes Brot. Wer mag, kann sich das Paniermehl dazu direkt an der Muba mahlen und mit nach Hause nehmen.

Foodwaste.ch möchte unverkrampft zeigen, wo es im Alltag hapert, wenn es ums Essen geht. Das fängt beim Bauern an. Die Erzeugung von Fleischprodukten etwa verbraucht nicht nur mehr Energie, sondern auch acht Mal so viel Wasser wie die Produktion von Getreide und Gemüse. Allein ein Kilogramm Rindfleisch benötigt zum Beispiel 15'000 Liter Wasser. Wer das weiss, schmeisst unwillkürlich weniger weg, kauft anders ein und isst bewusster.

Aktuelle Nachrichten