Dreiländermuseum

Diese Ausstellung zeigt den Weg von den Webern zur Pharmaindustrie

Ein handgefertigter Webstuhl von 1855 aus Todtmoos im Schwarzwald. Er wurde mit den Händen und den Füssen angetrieben.

Ein handgefertigter Webstuhl von 1855 aus Todtmoos im Schwarzwald. Er wurde mit den Händen und den Füssen angetrieben.

Das Dreiländermuseum in Lörrach bietet einen Einblick in 250 Jahre Industriekultur – die industrielle Entwicklung des Dreilands begann ab 1750.

Noch heute wird das Dreiland touristisch über Bilder wie die Schwarzwälder Kirschtorte, den Basler Morgestraich oder Elsässer Fachwerkhäuser verkauft. «Die Industriegeschichte hingegen ist wie wegradiert. Im Gegensatz zu anderen Regionen wie dem Ruhrgebiet ist man hier und insbesondere in Basel nicht stolz auf diese Identität», betont Markus Möhring, Direktor des Lörracher Dreiländermuseums.

Derzeit läuft dort die Sonderausstellung «Reiches Erbe – Industriekultur im Dreiland». Dazu gibt es ein umfassendes Beiprogramm von 50 Veranstaltungen, das in den Prozess der trinationalen Stadt- und Raumentwicklung IBA Basel 2020 eingebracht werden soll. So hofft Möhring zu erreichen, dass Stadtplanung bewusster mit dem industriellen Erbe umgeht. «Man kann nicht alles erhalten, aber sollte auch nicht alles abreissen», lautet sein Credo.

Die Ausstellung gibt einen breiten Überblick, wie das Dreiland in einem 250 Jahre dauernden Prozess Sitz der weltweit führenden Pharmaindustrie wurde und zu seiner sonstigen wirtschaftlichen Potenz kam. Der Umfang der Thematik erklärt, weshalb die Ausstellung bei vielen wichtigen Aspekten aus Platzgründen nicht in die Tiefe gehen kann.

Begonnen hat alles um 1750. «Damals haben im Ruhrgebiet noch die Kühe gegrast. Hier aber gab es schon, anfangs in Heimarbeit, Webereien und die Basler Seidenbandindustrie.» 1753 gründete der aus Bern verbannte Johann Friedrich Küpfer in Lörrach die erste Manufaktur zum Bedrucken von Baumwollstoffen. Zu sehen ist in der Ausstellung auch ein handgefertigter Webstuhl von 1855 aus Todtmoos.

60'000 Textilarbeiter

Im 19. Jahrhundert wurde die Textilindustrie mechanisiert und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit 60'000 Arbeitern zur absoluten Leitindustrie des Dreilands. Das weiche Wasser der Flüsse erwies sich als Standortvorteil zum Färben und Bleichen von Textilien. Weil man Farben für die Seidenbänder benötigte, entstand gleichzeitig in Basel die chemische Industrie, die sich 1890 weiter zur pharmazeutischen Chemie und 1930 zur Agrochemie entwickelte.

Die Wasserkraft diente auch für den Antrieb der Maschinen – im 19. Jahrhundert war ausserdem die Maschinenbauindustrie entstanden.

Nach dem Beitritt Südbadens zum Zollverein 1835 gründeten viele Schweizer Textilproduzenten zahlreiche Spinnereien und Webereien im Wiesental, um so den Marktzugang zu den deutschen Nachbarn zu erhalten. Dazu gehörte auch der Basler Bürgermeister Felix Sarasin, der 1835 in Lörrach Haagen die noch heute erhaltene Spinnerei gründete und in Riehen seinen Sommersitz nahm.

Die Basler Chemieindustrie profitierte stark von der Einwanderung aus Frankreich und Mulhouse, weil die dortigen Chemiker die rigiden französischen Patentgesetze umgehen wollten, die die Vermarktung eines Produktes mit ähnlichen Eigenschaften untersagten. In der Schweiz gab es bis 1907 keinen Patentschutz.

Im 19. Jahrhundert war Basel für die Schweiz hoch industrialisiert, wobei Mulhouse zur gleichen Zeit als Manchester Frankreichs galt und mehr Einwohner als die Schweizer Nachbarstadt hatte. In Südbaden entwickelten sich das Wiesental, Lörrach und Weil zu der am stärksten industrialisierten Region Südbadens. Der Bevölkerungszuwachs sorgte auch für die Entwicklung der Nahrungsmittelindustrie und die vielen Arbeiter für die Entstehung von Brauereien wie Lasser oder Feldschlösschen.

Firmeninhaber enteignet

Die Ausstellung thematisiert auch kurz den Einfluss der Grenzen. Revolutionen, Kriege und Grenzschliessungen führten zu Firmenpleiten, Enteignungen ausländischer Firmeninhaber und der Ausweisung von Arbeitspendlern.

Zu sehen ist auch der Film «Die Geburt der Farbe», den Ciba, Durand & Huguenin, Geigy und Sandoz für die Schweizerische Landesausstellung von 1939 in Zürich produzieren haben lassen. Er wurde vom Firmenarchiv von Novartis zur Verfügung gestellt.

Eine Vitrine mit einer «Zeitreise» der deutschen Hoffmann-La-Roche aus Grenzach hingegen ist derart lieblos und unprofessionell gestaltet, dass das Museum besser auf die Leihgabe verzichtet hätte. Die Sonderausstellung endet mit einem Blick auf die Produkte von heute und Informationen zu den sogenannten Transformationsgebieten wie dem Polyfeld Muttenz, dem Campus Dreispitz, DMC in Mulhouse oder Innocel in Lörrach.

In der Dauerausstellung gibt es im letzten Raum des dritten Stocks neben ausgestellten Produkten aus dem Dreiland eine grosse Karte mit Leuchtpunkten, bei der man mit dem Drücken von Knöpfen sehen kann, wo im Dreiland welche Wirtschaftsform beheimatet ist.

Im Erdgeschoss im Hebelsaal findet sich eine kleine Ausstellung zur «Industriekultur Basel», die hier vor allem aus Texten besteht und auch schon in Basel und Liestal zu sehen war. Unter dem Titel «Industriekultur beider Basel» ist bereits 2014 von Hans-Peter Bärtschi im Rotpunktverlag ein Buch zur Thematik erschienen.

Dreiländermuseum Sonderausstellung Industriekultur im Dreiland, bis 27.11.16. Basler Strasse 143, Lörrach; Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.

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