Die Region Basel hat unter der Erde Grosses vor, das zeigte sich dieser Tage kurioserweise am Himmel. Dort flog in der Nacht auf Mittwoch und Donnerstag eine Cessna 402B exakte, gitterförmig angelegte Linien. Der Grund: Topographie und Gebäude am Rheinknie wurden mittels Laser gescannt, um ein dreidimensionales Computermodel mit Daten füttern zu können. Dieses soll helfen, die Megaprojekte "Herzstück" und "Rheintunnel" zu planen. Das erste Multimillionen-Projekt optimiert den öffentlichen Verkehr, das zweite den motorisierten.

Die Firma aus dem Ruhrpott

Mit der Vermessung aus der Luft und der Erstellung des 3D-Modells ist die 1966 gegründete Firma Geocart GmbH beauftragt, wie Daniel Hofer, Sprecher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements am Donnerstag auf Anfrage erklärt. Sie ist sowohl auf Datenerfassung wie Datenverarbeitung spezialisiert. Die Firma aus der Stadt Herten im deutschen Ruhrgebiet wurde ausgewählt, weil sie "mit solchen Vermessungen viel Erfahrung hat und qualitativ hochstehende Arbeit leistet", so Hofer. 

Deren zweimotorige Cessna 402B startete von Freiburg im Breisgau und nicht von Basel-Mulhouse zu ihren Messflügen.

Die Flüge zwischen 22 Uhr abends und 3 Uhr morgens in einer Höhe von 1500 Metern hatten in der Nacht auf Mittwoch viele Baslerinnen und Basler aufgeschreckt. Christine Ruckstuhl Hauenstein schrieb sarkastisch auf Facebook: "Das Flugzeug hat uns Allschwilern (...) den Schlaf geraubt." Sie war nicht die einzige, die sich aufregte. 

Es gab aber auch besonnenere Stimmen aus Basel. Daniel Serembe: «Immer dieses Gejammere! Mich und viele andere Leute in der Stadt stört das nicht.»

Warum in der Nacht geflogen wurde

Kritik gab es auch dafür, dass die Stadt erst nach den ersten Flügen informierte, aufgrund vieler Reklamationen wegen Nachtruhestörung. Gemäss Hofer erhielten die Piloten trotz grundsätzliche Flug-Bewilligung die definitive Freigabe erst kurzfristig, weshalb eine Information der Bevölkerung schwierig sei.

Und dennoch: "Die Wetterbedingungen und die Situation im Luftraum geben die Rahmenbedingungen vor. Dass der Fluglärm in der Nacht einige Leute aufgeschreckt hat, verstehen wir. Künftig werden wir im Voraus besser kommunizieren", erklärt Hofer. Weitere Vermessungsflüge seien derzeit aber nicht mehr geplant, nachdem in der Nach auf Donnerstag über Riehen und Bettingen sowie entlang des Rheins gemessen worden war.

Und warum wurde in de Nacht geflogen? Der Grund sind gemäss Hofer die Franzosen. Während das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt und dessen Pendant in Deutschland keine zeitlichen Auflagen gemacht hatten, erteilten die Franzosen eine Bewilligung nur für die Nacht.  

Spionage-Gefahr?

Facebook-User Peter Stoffel kommentierte die Flüge ganz anders: "Interessant, dass ein Fremdes Land unsere Stadt ausmessen darf, ohne bei uns zu Landen. Spionen Tür und Tor geöffnet."

Darauf angesprochen, reagiert Daniel Hofer am Telefon überrascht: "Das ist völlig absurd." Es bestünden in keiner Weise Bedenken, dass die Daten in die Hände "fremder Mächte" oder derlei geraten könnten.

Doch warum braucht es ein 3D-Model, wenn "Herzstück" und "Rheintunnel" vor allem im Boden verlaufen? Gemäss Hofer aus zwei Gründen: Erstens, beide Bauwerke verlaufen nicht vollständig im Untergrund. Zweitens müsse man wissen, was über den Tunneln liege, um die Bohrtiefe planen zu können.

Stadt-Model: Hier können Sie Basel in 3D erleben.

3D-Modell

3D-Modell

3D-Blick auf Basel. Im Zentrum das Münster.

3D-Blick auf Basel. Im Zentrum das Münster.