Die wichtigste Abstimmung in dieser Legislatur – so bezeichnete Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) das sonntägliche Ja zum Lysbüchel-Areal. Das ist kein Zufall. Volta Nord markiert nur den Auftakt einer Serie von grossen Überbauungen, welche das Stadtbild in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren erheblich verändern werden. Dem Vernehmen nach will die Regierung das deutliche Resultat sogleich nutzen und noch diese Woche über eine aktualisierte Wohnraum-Strategie entscheiden. Dort sieht sie dringlichen Bedarf.

«Das Potenzial liegt auf den schwach genutzten Industrie-, Gewerbe- und Bahnarealen», heisst es in einem Video, welches das Bau- und Verkehrsdepartement am Freitag, also kurz vor der Abstimmung, veröffentlicht hat. Von 20 000 Arbeitsplätzen ist die Rede, die in den vergangenen zehn Jahren in Basel dazugekommen seien. Im selben Zeitraum seien aber nur 10 000 Menschen zugezogen. Deshalb sei neuer Wohnraum dringend vonnöten.

Sechs Areale im Fokus

Auf dem Lysbüchel-Areal geht es nach dem Ja vom Sonntag schon bald los. In den kommenden Planungsschritten werde nach dem überzeugendsten städtebaulichen Konzept gesucht, das auch die Freiräume einschliesse, sagt SBB-Sprecher Reto Schärli auf Anfrage der bz. Konkret werde Anfang des nächsten Jahres mit dem Abriss der Gebäude auf dem Baufeld 1 begonnen. Dieses umfasst den nördlichen Teil des Areals. Dort sollen künftig Industrie- und Gewerbebetriebe Unterschlupf finden. Im Laufe von 2019 werde das Vor- und Bauprojekt ausgearbeitet. Beim Baufeld 2 werde ebenfalls Anfang 2019 gestartet: Ergebnisse dieses sogenannten Varianzverfahrens sind laut Schärli bis Ende 2019 zu erwarten. Die Neubauten werden laut Baudepartement Basel-Stadt voraussichtlich 2022/2023 realisiert.

Das Lysbüchel-Areal ist nur eines von sechs grossen Gebieten, wo in Zukunft Wohnraum entstehen soll. In fünf weiteren Gebieten will Stadtplaner Lukas Ott mehr Wohnungen schaffen, wie er zu Beginn dieses Jahres gegenüber der «Schweiz am Wochenende» ausführte: Hafenareal Klybeck, Klybeckplus, Güterbahnhof Wolf, Dreispitz Nord und der Walkeweg. Alle sind indes noch weit von einer Realisierung entfernt.

Der grösste Brocken steht im Klybeck-Quartier an. Dort läuft die Planung für das Projekt Klybeckplus, einem neuen Quartier. Teile des Areals, das sich im Besitz von Novartis und BASF befindet, werden zwischengenutzt. Diese sollen fünf Jahre laufen. Frühestens danach ist damit zu rechnen, dass auf dem Gebiet gebaut wird. Auch auf dem benachbarten Hafenareal Klybeck ist nicht ein schneller Baubeginn zu erwarten.

Auf dem Güterbahnhof Wolf soll derweil in Zusammenarbeit mit den SBB eine auf Digitalisierung ausgerichtete «Smart City» entstehen, inklusive Wohnraum, Platz für Logistik und etwa auch Büros. Wann diese fertig ist, steht in den Sternen.

Beim Areal Walkeweg muss zuerst eine Bodensanierung gemacht werden. Der Bezug von ersten Bauten ist laut Marc Keller vom Bau- und Verkehrsdepartement frühestens für 2024 vorgesehen. Der Bebauungsplan für Dreispitz Nord wird voraussichtlich 2020 an die Regierung gehen und soll, wenn alles klappt, 2020/2021 im Grossen Rat behandelt werden.

Auch wenn es auf dem Lysbüchel-Areal bald losgeht: Der von der Stadt gewünschte Wohnraum wird noch lange nicht zur Verfügung stehen. Und der neu gebaute Wohnraum, etwa auf der Erlenmatt, deckt nur einen Teil des Bedarfs.