Bernhard Hofer ist eine grossrätliche Zweitagesfliege. Für zwei Sitzungen ersetzte er den zurückgetretenen Eric Weber. Seine Karriere im Rathaus findet am Mittwoch zusammen mit der aktuellen Legislatur ein Ende. Mit zwanzig anderen Grossräten muss er Abschied nehmen.

Für manche langjährige Mitglieder kaum ein einfacher Tag. Etwa für vier Parlamentarier und zwei Parlamentarierinnen, die wegen der Amtszeitbeschränkung nicht mehr zu den Wahlen im vergangenen Herbst antreten durften: Brigitta Gerber (Basta), Brigitte Heilbronner (SP), Martin Lüchinger (SP), Oskar Herzig (SVP), Lorenz Nägelin (SVP) und Ernst Mutschler (FDP). Nägelin als Fraktionspräsident und jüngst auch Regierungskandidat, sowie Lüchinger, einst SP-Präsident, zählen zu den prominentesten Abgängen.

«Natürlich habe ich gerne mitbestimmt. Das war spannend und wird mir wohl auch fehlen», sagt Nägelin. Und: «Ich bin zwar noch überhaupt nicht müde, trotzdem finde ich es gut, dass es eine Amtszeitbeschränkung gibt.» Als Schulrat und Parteivorstand wird er der Politik treu bleiben. Und auch Lüchinger kandiderte erfolgreich für den Parteivorstand.

Eine Lücke hinterlässt Brigitta Gerber (Basta). Die Präsidentin der Petitionskommission ist die letzte Verbliebene der «alten Garde» ihrer Partei. Ein politisches Urgestein, wie auch Mutschler. Zusammen mit Herzig prägte dieser bis zuletzt die Debatte um das Mehrweggesetz.

Dauerquassler und Hinterbänkler

Andere sind eher Leisetreter – böse Zungen würden Hinterbänkler sagen. Zu ihnen gehört Gülsen Öztürk. Die SP-Politikerin hat seit ihrem Amtsantritt 2005 nur neun Vorstösse eingereicht. In der laufenden Legislatur war es kein einziger. Brigitta Gerber beispielsweise schaffte seit 2012 das Fünffache. Zum letzten Mal in den Medien präsent war Öztürk 2013, als ihre Meinung zu einer Schweizerdeutsch-Quote in Schulen gefragt war. In Zurückhaltung übte sich auch SVP-Mitglied Bruno Jagher. Seinen letzten Vorstoss reichte er anno 2012 ein, am Rednerpult stand er genauso wenig wie der abgewählte Murat Kaya (FDP).

Ganz anders Dieter Werthemann. Der GLP-Grossrat und Vielredner wurde abgewählt. Wehmut verspürt er deswegen aber nicht: «Der Mann hat seine Pflicht getan, er kann jetzt abtreten», sagt er. «Ich bin 75 Jahre alt und nicht unbeschäftigt. Aber politisch ziehe ich mich zurück. Vielleicht bleibe ich noch im Partei-Vorstand.» Auch Michel Rusterholtz verlor seinen Sitz wegen des schlechten Wahlergebnisses seiner Partei, der BDP. Er gibt sich kämpferisch: «Ich werde es in vier Jahren wieder versuchen. Und im Mai steht noch die Bürgergemeindewahl an, bei der ich antrete.» Zwar sei das Amt zuweilen schon eine Belastung, dennoch sagt er: «Der Abschied vom Grossen Rat tut weh.» Auch die CVPler Pasqualine Gallacchi und Felix Meier schafften die Wiederwahl nicht, Helmut Hersberger (FDP), Martin Gschwind (fraktionslos) und Andrea Bollinger (SP) hingegen wollten es gar nicht erst noch einmal versuchen.

Für Schlagzeilen sorgten indes Daniel Goepfert (SP) und Nora Bertschi (Grüne), welche gewählt wurden, ihr Amt aber doch nicht antreten werden. Am leichtesten dürfte der Abgang Elisabeth Ackermann (Grüne) und Conradin Cramer (LDP) fallen: Als neue Regierungsräte verlassen sie den Saal durch die grosse Tür.