Comeback
Diese Grossräte wollen es nochmals wissen

Sie haben den Grossen Rat verlassen oder wurden vom Volk abgewählt. Nun aber nehmen sie einen neuen Anlauf. Zahlreiche ehemalige Parlamentarier treten erneut zu den Wahlen an.

Daniel Ballmer
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Comeback-Politiker
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Balz Herter.
Hans Rudolf Bachmann.

Comeback-Politiker

Juri Junkov

Elias Schäfer ist kein Einzelfall. 2014 ist der FDP-Politiker aus dem Grossen Rat zurückgetreten – aus beruflichen und privaten Gründen. Nun aber will er es nochmals wissen und tritt erneut zu den Grossratswahlen vom 23. Oktober an. Die Lust an der Politik hat ihn nie losgelassen. So wie Schäfer geht es auch anderen. Auch sie kandidieren nach einer Pause wieder neu für einen Parlamentssitz – die Beweggründe sind allerdings nicht immer dieselben.

Beispiel Emmanuel Ullmann: Der Grünliberale ist erst Ende Mai 2015 nach rund zehn Jahren aus dem Grossen Rat zurückgetreten. Als Geschäftsführer der UBS-Vorsorgestiftung hatte er hauptsächlich berufliche und zeitliche Gründe angegeben. Daran hat sich im Grunde nichts geändert, dennoch nimmt Ullmann jetzt einen neuen Anlauf: «Ich möchte im Sinn und Geist der Partei mithelfen, möglichst viele Stimmen zu sammeln.» Vordringlichstes Ziel sei es nicht, selber gewählt zu werden, daher habe er sich auch auf den letzten Listenplatz setzen lassen. Er hoffe aber, für zusätzliche Stimmen zu sorgen – allenfalls sogar für einen weiteren Sitzgewinn.

Mehr oder weniger ambitioniert

Auch Stephan Maurer nimmt einen neuen Anlauf. Er sass bereits zwischen 2004 und 2009 als Fraktionspräsident der damaligen DSP im Grossen Rat. Heute kandidiert der 58-Jährige auf der FDP-Liste. Oder Bülent Pekerman: Der Grünliberale gibt nicht auf und kandidiert erneut, nachdem er vor vier Jahren abgewählt worden ist. Oder Brigitte Hollinger: Die SP-Präsidentin war bereits zwischen 2005 und 2010 im Parlament. Eine erneute Wahl hätte für sie gerade auch den Vorteil, näher an der Fraktion zu sein.

Auch Balz Herter will wieder in den Grossen Rat zurück: «Ich wollte eigentlich gar nie raus», sagt der Christdemokrat. Dennoch trat er 2011 nach nur zwei Jahren zurück. Neben Beruf und Studium fand die Politik schlicht keinen Platz mehr. Das ist heute wieder anders. Das Studium ist abgeschlossen, eine Kandidatur wieder möglich: «Ich bin sehr ambitioniert», sagt Herter. «Ich hoffe und glaube an eine Wahl.» Immerhin habe er sich im Grossen Rat keinen schlechten Ruf eingehandelt und sei auch ansonsten sehr aktiv. Er habe also durchaus den nötigen Bekanntheitsgrad.

Andere mögliche Rückkehrer sind etwa Martin Oberholzer und Marie-Thérèse Jeker von der CVP, Marcel und Doris Bouverat sowie Ursula Kissling von der SVP oder Beatrice Alder vom Grünen Bündnis.

Schwierig, Wahllisten zu füllen

Bei Hans Rudolf Bachmann ist es bereits über 20 Jahre her, seit er den Grossen Rat verlassen hat. Von 1985 bis 1995 sass er für die LDP im Parlament. Nun tritt er wieder an: «Als ehemaliger Parteisekretär und Wahlkampfleiter weiss ich, wie schwer es manchmal ist, die Wahllisten zu füllen», sagt er. Daher habe er sich vor allem aus Verantwortung der Partei gegenüber als Kandidat aufstellen lassen. «Ich gehe nicht davon aus, dass ich gewählt werde.» Politik interessiere ihn aber nach wie vor. Im Grossen Rat würde er sich etwa für die Spitalfusion oder die regionale Zusammenarbeit einsetzen. «Ich fühle mich fit», sagt der bald 70-Jährige und ergänzt schmunzelnd: «Andere in meinem Alter könnten noch amerikanischer Präsident werden.»