Innenstadt
Diese Mauer steht dem Glück an der Rheingasse im Wege

Geht es nach Robert Schroeder und Tino Krattiger von der Kleinbasler IG Rheingasse, trennt diese Mauer das Arbeitsamt und die Rheingasse bald nicht mehr voneinander. Sie soll zugunsten eines neuen Freiraumes angerissen werden.

Martina Rutschmann
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links: Gastronom Robert Schroeder und IG-Rheingasse-Kopf Tino Krattiger würden hier lieber auf Stühlen sitzen.

links: Gastronom Robert Schroeder und IG-Rheingasse-Kopf Tino Krattiger würden hier lieber auf Stühlen sitzen.

mto / zvg

Er wurde jahrzehntelang ignoriert, der Antonierhofbrunnen im hinteren Teil der Rheingasse. Warum hätte man ihm Beachtung schenken sollen? Die Kleinbasler Strasse war bis vor kurzem ein unattraktiver Ort, an dem es einem nicht nur bei Dunkelheit «gschmuch» werden konnte. Autos flitzten vorbei, von Flanieren konnte keine Rede sein.

Die Beizen dachten nicht ans Herausstuhlen – und wenn, nur gering. Warum auch? Die Rheingasse war die hässliche Schwester des Rheinufers. Und damit uninteressant fürs Volk. Mit dem Autoverbot soll aber alles anders werden. Und das Rheinufer muss vielleicht bald aufpassen, dass ihm die hässliche Schwester nicht die Gäste streitig macht. Eine 50-Meter-Mauer zwischen Arbeitsamt und Brunnen könnte die Wandlung von der hässlichen zur schönen Schwester jedoch behindern. Ausser, sie wird abgerissen und der Brunnen zum Zentrum des Platzes, den es noch gar nicht gibt – wegen der Mauer.

Wessels findet Idee bestechend

Genau das müsste passieren, ginge es nach Robert Schroeder vom Restaurant «zum Schmale Wurf», der «8 Bar» und seinem Mitkämpfer Tino Krattiger von der IG Rheingasse: Mauer weg, Platz entstehen lassen, Luft für die Gasse. Für die beiden ist klar: «Die Qualität, die der Ort bietet, ist bahnbrechend.» Einerseits würde die am betreffenden Punkt extrem schmale Rheingasse breit, anderseits käme ein weiterer Zu- und Abfluss dazu.

Noch ist die Strasse von der parallel verlaufenden Utengasse abends nur durch das Schaf- und Referenzgässlein erreichbar. Das führt dazu, dass die Gastrobetriebe im hinteren Teil oft nicht zum Zug kommen, wenn im vorderen Teil der Bär steppt. Apropos Bär: Das bis vor kurzem heruntergekommene und von dubiosen Gestalten besuchte Restaurant «zum Schwarzen Bären» erhält im Juni neue Pächter. Die Bar «Grenzwert» zügelt vom jetzigen Lokal am Eingang der Rheingasse in den ehemaligen «Bären», der derzeit renoviert wird. Die bisherigen Vermieter haben den Vertrag nach zwanzig Jahren nicht verlängert; warum nicht, wissen die Götter.

Der Wechsel wird von der IG Rheingasse als Aufwertung betrachtet, da es sich beim «Grenzwert» um ein etabliertes Lokal handle. Doch ob dieses seine Gäste mit der Eröffnung auch draussen bedienen kann, ist noch offen. Die Sammeleingabe für Boulevardbetriebe aller Beizen in der Strasse reichen die IG-Vertreter erst Ende dieser Woche ein. Damit sind die Bewilligungen aber noch nicht erteilt: Was folgt, ist eine Einsprachefrist und ein Behördenentscheid. Dieser dürfte, sofern kein Widerstand von anderswo kommt, positiv ausfallen: «Wir werden nach jetzigem Stand der Dinge mehr Boulevardfläche als erhofft zur Verfügung haben», sagt Krattiger. Überall, wo einst Parkfelder den Boden zierten, soll herausgestuhlt werden dürfen. Ausserdem spielt die Verwaltung mit dem Gedanken, die Trottoirs abzuschaffen und die Strasse so zur breiten Flaniermeile zu machen.

Wenn da bloss diese Mauer nicht wäre. Das Arbeitsamt, das von ihr umzingelt wird, lässt verlauten, allfälligen Abrissplänen nicht im Weg stehen zu wollen. Und auch Baudirektor Hans-Peter Wessels reagiert begeistert: «Die Idee, die Mauer zugunsten eines neuen Freiraumes in der dicht bebauten Altstadt abzureissen, klingt auf den ersten Blick bestechend», sagt er zur bz – um dann, wieder ganz Politiker, zu sagen: «Noch ist aber nichts vertieft. Wir müssen die Idee erst prüfen.» Was man nun tue.

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