Die oberste Fläche des Operationstischs besteht aus grauem Teppich. Darauf glitzert das Alu-Skelett einer Trommel. Hans Luterbacher dreht behutsam an ihrem Dämpfer: «Sie singt nicht mehr richtig», sagt er in breitem Solothurner Dialekt. Baseldytsch sprechen an diesen Tagen in der Werkstatt der Trommelbaufirma Schlebach nur die Kunden.

Seit dem Morgestraich haben sie in den ersten beiden Fasnachtstagen rund 60 kaputte Trommeln zu Luterbacher und seinem Drummledoggter-Team ins Kleinbasel gebracht. Das wechselt zerrissene Saiten, fädelt neue Seile durch die schwarz-weissen Reifen, tauscht Felle aus. «Ist die Luftfeuchtigkeit hoch oder das Wetter unbeständig, haben wir am meisten Arbeit», sagt Luterbacher. In diesem Jahr sei der Ansturm durchschnittlich.

Ferndiagnose per Telefon

Der pensionierte Kriminaltechniker übernimmt mit einem weiteren Solothurner und einem Ostschweizer seit mehreren Jahren den Notfalldienst bei Schlebach. Denn an den drey scheenste Dääg zieht es Inhaber Stefan Freiermuth und sein Team raus auf die Gassen; alle sind aktive Fasnächtler.

Die Tage sind für sie auch der Abschluss der intensivsten Arbeitswochen des Jahres. Seit Anfang Januar hätten sie 700 Drummle instand gesetzt, sagt Freiermuth. Neben Reparaturen mussten sie die Instrumente vor allem schränken.

Eine Arbeit, die auch im Notfalldienst gefragt ist. Dafür wird die Trommel in eine Art Presse geklemmt. Seillänge um Seillänge wird nachgezogen, bis sich der Druck gleichmässig auf das Instrument verteilt. Der Einsatz des ganzen Körpergewichts, Hydraulik und Nanometer helfen, den optimalen Klang einzustellen. Hans Luterbacher greift zum Holzschlegel, prüft Ton und Hall. Helle, zarte Klänge steigern sich, münden in ein rasend schnelles Spiel. Das Instrument hat den Austrittstest bestanden; es kehrt am Bandalier seines Tambouren zurück ins Räpplimeer.

Nicht alle Drummler bringen einen neuen Patienten in die Werkstatt; einige nutzen auch die Ferndiagnose per Telefon. Wie lange hält ein Regenschutz über dem Kalbfell, will einer am Montagmittag wissen, als die ersten Tropfen niederprasseln. «Heute greifen Sie am besten zur Trommel mit Kunstfell», rät ihm der Drummledoggter.

Sein Marsch am Preistrommeln

Luterbacher kennt die Materialien, weiss, wie die Tragegurte das Gewicht des Instruments auf den Körper verteilen oder welches Fell das Handgelenk schont. Seit seinem zehnten Lebensjahr trommelt er. Leidenschaftlich und gut: In seiner 56-jährigen Tambourenkarriere gewann er alle Tambourenfeste der Schweiz, inklusive dem Eidgenössischen. Neben dem Spiel lernte er im Verein und Militär auch, das Instrument zu reparieren und pflegen.

An die Basler Fasnacht zog es ihn wiederholt. Mit der Tambourengruppe Grieni Hind ruesste er in den 80er-Jahren durch die Gassen. An den heutigen Preistrommeln spielen die Anwärter seine Komposition, den Marsch «Grizzly». Eine Ehre sei dies, sagt Luterbacher bevor er sich dem nächsten Patienten zuwendet. Eine weitere Operation am offenen Herzen steht bevor.