Localholic verspricht mit einer neuen und alternativen Stadttour ein anderes Basel: ein Basel mit «industriellem Zauber und lokalen Leckerbissen». Eine Stadt, die man so noch nicht kennt. Die «Erlebnistour» richte sich vorwiegend an Expats, Touristen und Basler, wie Carla Frauenfelder, Inhaberin von Localholic, sagt. Bisher seien die meisten Anfragen von Baslern eingegangen. Die Stadttour kostet 95 Franken.

Die Suche nach den «Perlen der Stadt» beginnt beim Gundeldingerfeld. Es geht gleich auf das Dach eines Bio-Bistros. Dort oben – ein wirklich bezaubernder Ausblick – sieht man nach langer Suche drei kleine Kästen. Bienen produzieren darin den Stadthonig, den das Bio-Bistro verwendet. Unten wieder angekommen, darf man den Honig mit einem Stück Brot probieren.

Als Nächstes führt die Tour zum Dreispitz-Areal. Mit dem Tram. Das 70 Fussballfelder grosse Dreispitz-Areal hat dafür einiges zu bieten. Das Projekt «Rakete» stellt Carla Frauenfelder höchst persönlich vor. Das Projekt unterstützt Start-up-Unternehmen, indem es Container für Firmensitze kostengünstig vermietet. Ein Start-up wird aber nicht vorgestellt.

Die fahrenden Gärten gleich daneben auf den alten Geleisen sind sowieso viel spannender. Alte Wagen sind mit Erde überschüttet worden und jetzt blühen Blumen darauf. Vorbei an bunten Containern, dem fahrenden Haufen Blumen und der Trainings-Bude von «Crossfit Basel», führt Frauenfelder die Gruppe zum «Offcut». Das ist ein eleganter Schuppen, der Abfall verkauft. Wirklich. In den Regalen lassen sich etliche Materialien finden. Etwa für Künstler, die eine kreative Idee verfolgen. Vollendete Projekte werden nicht vorgestellt.

Der Höhepunkt des Rundgangs dürfte die Führung bei den Urban Farmers sein. Diese Farmer züchten Fische und Pflanzen in einem zusammenhängenden Wasserzyklus. Die Ausscheidungen der Fische werden als Nährstoffe für die Pflanzen verwendet. Effektiv gehen 10 von 300 gebrauchten Litern verloren. Die ganze Farm befindet sich zudem auf einem Dach, nach dem Motto «für so viele Menschen gibt es zu wenig Ackerfläche auf der Erde». Das Gemüse der Farm, etwa andalusische Morgenstern-Gurken oder Tomaten in allen Farben, schmeckt wie Gemüse. Urban Farmers züchten ganz ohne chemische Zusatzstoffe. Jährlich produziert die Dachfarm fünf Tonnen Gemüse und 850 Kilogramm Fisch.

Der öV und die Beine bringen die Gruppe zur Pfalz und von dort aus nimmt sie das «Rhyschiffli» mit ins Hafenareal. Diese Fahrt wird zum Essen genutzt. Sandwiches, selbst gemachte Limonade und Voltabräu-Bier kommt auf den Tisch. Die Rundfahrt, die der Fährimaa mit seinen Fakten füllt, kann als Pause angesehen werden. Die Tour endet mit einer Führung im Hafenareal und dauert fünf Stunden.

Die Teilnehmer waren mit der alternativen Stadtführung zufrieden. Ein Ehepaar ist extra aus Baden angereist. Sie hat ihn mit einem Wochenende in Basel überrascht. «Bei so vielen schlechten Nachrichten in der Welt brauche ich positive Energie. Aufkommende Ideen und Projekte helfen da sicher», sagt sie.

Tour ist verbesserungswürdig

Die Idee, einen alternativen Stadtrundgang anzubieten, hat Potenzial. Es tut Basel gut, wenn seine jungen Projekte und Innovationen vorgestellt werden. Tatsächlich können sich davon viele sehen lassen, wie das Bio-Bistro, die Urban Farmers, das Offcut oder das umstrittene Hafenareal. Die Stadttour selber hat aber noch Luft nach oben.

Zu teuer. Zu lange. Zu viele Stationen. Diese Worte reichen, um die Tour zu kritisieren. Die 95 Franken sind bei einem Rucola-Mozzarella-Sandwich mit Hummus, einer Rheinschifffahrt und drei Führungen schwer nachzuvollziehen. Auch unter den Teilnehmenden sorgte der Preis für tiefes Einatmen.

Fünf Stunden. Auch wenn man zirka 50 Minuten auf der Rheinschifffahrt mit Essen und Bier verschnaufen kann, ist das eine zu lange Stadttour. Ein Plus, dass man mit den Künstlern des Hafenareals sprechen kann. Wenn dann aber einzelne Teilnehmer etliche Minuten lang ihre Fragen stellen – und nicht von der Tour-Führerin unterbrochen werden – wird das zum Minus.

Was auch mit der Länge zusammenhängt: Die Tour klappert zu viele Stationen ab. Das Gundeldingerfeld, das Dreispitz, die Rheinschifffahrt, den Hafen. Man merkt, Basel hat viel zu bieten. Alles Wissenswerte an einem Tag aufzunehmen, ist aber schlicht nicht möglich.