Für Velofahrer gehört die Elisabethenstrasse zu den unangenehmsten Strassen in Basel. Zwar ist der Verkehr überschaubar. Aber die hohen Trottoirs und die enge Schienenführung haben wohl schon jedem Zweiradfahrer den Angstschweiss auf die Stirn getrieben. «Schuld» an der Situation ist das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG). Es schreibt vor, dass der öffentliche Verkehr möglichst barrierefrei zu gestalten sei. Auch ältere Personen oder Eltern mit Kinderwagen profitieren von der Umgestaltung.

Entsprechend wird nun jede Haltestelle in der Stadt überprüft. Bei rund zwei Dritteln der Haltestellen kann die Vorgabe des Gesetztes angewendet werden, ohne dass sich die Situation für die Velofahrer verschlechtert, etwa bei den Inselhaltestellen. Unangenehm wird es bei den sogenannten Kap-Haltestellen, also wenn sich Trams, Autos und Velos aus Platzgründen eine Spur teilen müssen. «Auch hier müssen wir die Haltekante erhöhen, was für die Velofahrenden, die hier unmittelbar am Trottoir vorbeifahren, subjektiv gefährlicher wirkt», sagt Martina Münch, Abteilungsleiterin Gestaltung Stadtraum Verkehr beim Bau- und Verkehrsdepartement.

Wenn man sich für diese Lösung entscheide, dann weil es keine Alternativen gibt. «Der Haltestellentyp Kap ist diejenige Variante, welche deutlich am wenigsten Platz im Strassenquerschnitt benötigt», sagt Münch. Sieben Meter für die zweispurige Strasse, plus nochmals zwei Trottoirs von 3,60 Metern ergeben insgesamt 14,20 Meter. Mehr Platz ist in der Stadt vielerorts nicht vorhanden. Zum Vergleich: Die Luxusvariante mit separatem Trottoir, Velostreifen, Fahrbahn für Autos und einer Haltestelleinsel benötigt fast doppelt so viel Platz.

Nicht gefährlicher als bisher

Im Falle einer Kap-Haltestelle wird das Trottoir von seiner bisherigen Höhe von 18 auf 27 Zentimeter erhöht, um so das problemlose Ein- und Aussteigen zu ermöglichen. Diese neun Zentimeter machen für Velofahrer einen massiven Unterschied. «Es bleibt nur ein sehr enger Raum zwischen Schienen und Trottoir», sagt Anina Ineichen, Co-Präsidentin von Pro Velo beider Basel. «Das macht Angst, auch wenn ich weiss, dass diese zu einem grossen Teil nur in meinem Kopf ist.» Denn rein faktisch besteht schon bei der bisherigen Höhe die Gefahr, mit dem Pedal am Trottoir hängen zu bleiben. «Es ist ähnlich, wie wenn ein Weg statt an einer Wiese einen steil abfallenden Hang entlang führt – auch wenn er gleich breit ist, macht es einen gewaltigen Unterschied, wie sicher man sich fühlt», sagt Münch.

Dieses Unsicherheitsgefühl werde auch ernst genommen, sagt Projektleiterin Adrienne Hungerbühler. So prüfe man bei jedem Umbau, welche Möglichkeiten es gebe, zum Beispiel einen velofreundlicheren Haltestellentyp zu realisieren. Eine weitere Idee: Schienen mit Gummifüllung könnten das Queren für Velofahrer sicherer machen. Die Füllung müsste so sein, dass sie nachgibt, wenn ein Tram darüberfährt aber hart genug für Velos ist. Diese Variante fordert nun auch SP-Grossrat Kaspar Sutter mit einem Vorstoss im Basler Parlament. Er rennt damit offene Türen ein: «Wir sind sehr interessiert an einer solchen Lösung», sagt Hungerbühler. Ein Pilotversuch in Zürich sei aber nur bedingt erfolgreich gewesen.

Weitere hohe Trottoirs geplant

Denn das Problem mit den hohen Kanten wird nochmals deutlich zunehmen. Stand Ende 2017 waren erst 12 Prozent der Haltestellen umgebaut. Neben der Elisabethenstrasse wurden auch bei der Greifengasse die Haltekanten aufgestockt, ebenso entlang der 8er-Strecke in Kleinhüningen und der 6er-Strecke in Riehen.

Der Grossteil der Umbauten befindet sich zur Zeit noch in Planung und wird in den kommenden Jahren umgesetzt. Bis 2023 läuft die Frist zur Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes. Dabei zeichnet sich bereits jetzt ab, dass auf mehreren Achsen Kap-Haltestellen unumgänglich sein dürfen. Von insgesamt 267 Tramhaltestellen (in beide Fahrtrichtungen) dürften letztlich rund deren 70 Kaphaltestellen mit hoher Kante sein.

Bereits bekannt ist dies im Fall der Hardstrasse. Unter anderem auch in der Güterstrasse, Klybeckstrasse, Austrasse und teilweise in der Elsässerstrasse wird es Kap-Halte
stellen mit «BehiG»-konformen hohen Haltekanten geben. «Der zu Verfügung stehende Platz lässt wohl keine anderen Lösungen zu», sagt Münch.