Tausende Baslerinnen und Basler gehen Woche für Woche joggen. Wie viele es genau sind, weiss niemand – denn im Gegensatz zu Vereinssportarten wie Fussball, bei denen jedes Mitglied lizenziert und registriert wird, sind die meisten Läufer nicht organisiert. Das Statistische Amt Basel-Stadt geht davon aus, dass etwas über 20 Prozent der Bevölkerung regelmässig Jogging betreiben.

Klar also, dass das Basler Sportamt etwas für all diese Sportlerinnen und Sportler tun möchte. So wurde vergangene Woche verkündet, dass in einem Pilotprojekt drei öffentliche Sport-Garderoben Individualsportlern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Standorte seien «bewusst ausgewählt» und lägen an «wunderbaren Joggingstrecken», liess das Sportamt verlauten. Und schickte gleichzeitig medienwirksam Regierungsrat Conradin Cramer vor, um gemeinsam mit einigen Journalisten eine Runde zu drehen.

Dass die Duschen wirklich an den beliebtesten Jogging-Strecken liegen, muss bezweifelt werden, wenn man sich an Diensten wie Strava bemüht, die Daten von Sport-Uhren und Lauf-Apps zu sogenannten «Heat-Maps» zusammenfassen. Je röter und dicker eine Linie, desto mehr Läufer nutzen die Strecke. Die Karten werden monatlich aktualisiert und basieren im Fall von Basel auf mehreren 10 000 Läufern, wie der Website zu entnehmen ist. Und all diese Punkte zeigen vor allem eines: Der Kanton testet sein Dusch-Angebot am realen Verhalten der Jogger vorbei, denn diese bevorzugen vor allem die beiden Rheinufer sowie die Langen Erlen. Weder die Schützenmatte noch das Joggeli oder der Rankhof sind besonders beliebt – also jene Orte, an denen der Kanton seine Garderoben öffnet (siehe Karte).

Map: Hier sind die drei Sport-Garderoben in Basel

Florian Mathys, der das Projekt beim Sportamt verantwortet, sagt denn auch: «Primär haben wir die Orte auch aus praktischen Gründen ausgewählt, nämlich weil es dort bereits viele Joggerinen und Jogger sowie bestehende sanitäre Anlagen hat.» Dass die Karte nun zeige, dass es noch beliebtere Strecken gebe, sei zu erwarten gewesen. «Doch wir nehmen jeden Hinweis entgegen, weil es für uns eine Herausforderung ist, den Individualsport zu fördern. Denn dort fehlen uns, im Gegensatz zum organisierten Vereinssport, die Ansprechpersonen.»

Vorbilder aus Skandinavien

Tatsächlich ist eines der Ziele des Garderoben-Pilotversuchs, Genaueres über die Bedürfnisse von Individualsportlern herauszufinden. Mathys sagt: «Mir schwebt vor, dass wir nicht nur die Nutzerzahlen messen, sondern nach einer gewissen Anlaufzeit auch damit beginnen, bei den Sportlern nachzufragen, wie wir sie sonst noch beim individuellen Sporttreiben unterstützen könnten.» Allerdings sei das Problem bei solchen Umfragen, dass man nur diejenigen erreiche, die das Angebot bereits nutzten. Umso wichtiger sei deshalb, dass intensiv auf nationale und internationale Vernetzung gesetzt werde. Das Angebot mit den gratis Garderoben beispielsweise gebe es bereits in Zürich, in Bern hingegen seien die öffentlichen Laufstrecken vorbildlich. Über die Landesgrenzen hinaus seien die skandinavischen Länder führend bei der Förderung von Individualsportlern, beispielsweise Kopenhagen, wo es Schwimmbecken in Flüssen und eine Sportanlage auf einem Parkhaus-Dach gebe.

So weit müsste Basel gar nicht gehen. Die Firma Strava, die hinter der Jogging-«Heat-Map» steckt, sagt von sich selbst, dass sie weltweit über 150 Städte in der Verkehrs- und Infrastrukturplanung unterstütze. Ein genauer Blick auf die Basler Jogger-Karte zeigt denn auch zwei deutliche Schwachpunkte: Die Verbindung Kraftwerkinsel - Lange Erlen und der abrupte Unterbruch auf der Grossbasler Rheinseite. Doch an Letzterem sind bestimmt nicht fehlende Duschen, sondern die Basler Stimmberechtigten schuld, die den Rheinuferweg 2014 abgelehnt haben.