Leere Parkhäuser, kaum ein freier Parkplatz in der Blauen Zone und die eine, grosse Frage: Wie könnte man das ändern? Diesem Thema widmete die «Schweiz am Wochenende» vergangene Woche eine Doppelseite. Die heftigen Diskussionen von Autobefürwortern und -gegnern auf der bz-Website zeigten, dass die bisher wenig thematisierten Basler Besucherparkkarten mitverantwortlich sind für dieses Problem. Dies, weil sie eine preislich sehr attraktive Alternative zum teuren Parkhaus bieten.

Tatsächlich weisen viele Basler Institutionen auf ihrer Website Besucher darauf hin, dass die Besucherparkkarte für sechs bis zehn Franken wesentlich günstiger sei als das Parkieren im Parkhaus. Und auch die Konsumenten-Zeitschrift «K-Tipp» berichtete jüngst darüber, dass Autofahrer in Basel mit der Tageskarte für die Blaue Zone am günstigsten fahren.

Rekord-Absatz in Parkhaus-Nähe

Einen genauen und aktuellen Überblick über den Verkauf an Besucherparkkarten haben weder das zuständige kantonale Amt für Mobilität noch die Basler Verkehrsbetriebe (BVB), über deren Automaten die Karten hauptsächlich abgesetzt werden. Beide verweisen auf eine Studie aus dem Jahr 2016, die den Verkauf via BVB-Automaten während dreier Monate auswertete. Und diese Studie zeigt: Die Besucherparkkarten finden einerseits in besonders stark von Parkplatzknappheit belasteten Gebieten und andererseits auch in unmittelbarer Nähe von Parkhäusern reissenden Absatz.

Alleine der Automat an der Peter Rot-Strasse bei der Roche spuckte von Anfang Oktober bis Ende Dezember 2016 über 3500 Besucherparkkarten aus. Rekord. Ebenfalls auf dem Podest der fleissigsten Besucherparkkarten-Drucker sind seine zwei unmittelbaren Nachbarn. Insgesamt wurde fast jede dritte im genannten Zeitpunkt verkaufte Karte im Postleitzahl-Kreis 4058 verkauft – also genau dort, wo im Messeparking tagein, tagaus Hunderte freie Parkplätze zur Verfügung stehen. Und wo mit dem Quartierparking Landhof weitere Kapazitäten geschaffen werden sollen.

Die Situation entlang der Grenzacherstrasse mit grosser Parkplatzknappheit und hohen Absatzzahlen von Besucherparkkarten ist auch dem Amt für Mobilität nicht entgangen. Eine erste Massnahme wurde bereits im Sommer 2016 ergriffen, indem 90 Parkfelder der Blauen Zone so markiert wurden, dass darauf nicht mehr mit Tageskarten parkiert werden darf. Seither loben die Verantwortlichen die Effizienz dieser Massnahme in den höchsten Tönen – allerdings ohne die genauen Auswirkungen zu kennen, wie Sprecherin Nicole Stocker auf Anfrage schreibt. «Der Effekt der Ummarkierung der 90 Parkfelder im Wettstein-Quartier wurde mittels einer Stichprobe erhoben.

Die Stichprobe ergab, dass die 90 Parkfelder nach der Ummarkierung erwartungsgemäss mehrheitlich von Anwohnenden mit einer Anwohnerparkkarte genutzt wurden und die Auslastung zurückging.» Trotzdem nutzte das Amt für Mobilität diese Stichproben-Auswertung dafür, die Ummarkierung als Lösungsansatz für ein weiteres, besonders von Parkplatzmangel betroffenes Gebiet anzuwenden.

Ummarkierung im Sommer

So wird derzeit evaluiert, wie viele Parkplätze der Blauen Zone im Bereich Grossbasel West entsprechend angepasst werden sollen. Laut Stocker soll voraussichtlich im Sommer mit der Ummarkierung begonnen werden. Was nicht verändert wird – oder gemäss Absichtserklärung nur minim teurer gemacht wird –, sind die Preise.

Dabei dürfte der massive Preisunterschied zwischen Besucherparkkarte (10 Franken für einen vollen Tag, geplant sind 14 Franken) und der Tagespauschale von 50 Franken im Messe-Parking der primäre Entscheidungsgrund zuungunsten des Parkhauses sein. Das schreibt auch der «K-Tipp» und listet auf, wie viel vergleichbare Karten in anderen Städten kosten: 15 Franken in Zürich, 16 Franken in Bern und 20 Franken in Luzern.

Der massive Preisunterschied zwischen hochpreisigen Parkhäusern und vergleichsweise günstigeren Besucherparkkarten wird also bestehen bleiben. Und damit behalten auch die bereits erwähnten Institutionen recht, die auf ihren Websites den Besuchern raten, dass «es zwar ein Parkhaus direkt gegenüber» gebe, das Beziehen von Tageskarten für die Blaue Zone aber «kostengünstiger» sei.