Referat in Basel

Dieser ehemalige Einbrecher gibt Ratschläge gegen Einbruch

(Symbolbild)

«Ein Einbruch bei mir zu Hause hat mein Leben verändert.» Hammed Khamis war Einbrecher und Schläger.

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Hammed Khamis war jahrelang als Einbrecher unterwegs. Nach einem Schicksalsschlag hat er die Seite gewechselt. Heute gibt er Tipps, wie man sich vor Einbrechern schützt.

«Ein Einbruch bei mir zu Hause hat mein Leben verändert.» So geht es vielen Opfern. Doch sagt es Hammed Khamis, bekommt die Aussage eine ganz andere Bedeutung. Denn bis zu diesem Erlebnis war er es, der in Häuser einstieg. Er war Krimineller, Gangster und Schläger. «Ich habe gemerkt, welche psychischen Schäden bei den Opfern entstehen können.» Heute, im Alter von 39 Jahren, spricht Khamis offen über seine Vergangenheit in der «parallelen Welt». Eine Welt, in der nichts mit dem realen Leben zu tun habe, in der alles gestellt sei. Er versucht, Jugendliche vom falschen Weg abzubringen, gibt Sicherheitsfirmen Tipps, wie man sich gegen Einbrecher schützen kann. So auch heute Abend in Basel (siehe Box).

Der Ausstieg aus der Kriminalität fiel Khamis nicht leicht. Er zog von Osnabrück nach Berlin. «Ich brauchte dringend einen Job, denn ohne Geld wäre es nicht gegangen», sagt er. Niemand habe an ihn geglaubt. Der Ex-Einbrecher fand eine Stelle im Aussendienst, verdiente sein eigenes, ehrliches Geld. Dann holte ihn aber seine dunkle Vergangenheit ein. Jedoch im positiven Sinn, wie er sagt. Khamis schrieb ein Buch: «Ansichten eines Banditen», seine Autobiografie. Bald trat er im Fernsehen auf, war beliebter Gast in Talkshows und Gesprächspartner von Journalisten. Khamis, der Gauner, der die Seiten gewechselt hat; der aus erster Hand aus der Unterwelt berichten kann.

Schnelles Geld für teure Autos

Direkt und ohne Umschweife spricht er von Opfern, Betrügern und Gewalt. Und er wird politisch, kritisiert den Umgang mit Delinquenten. «Es kommen irgendwelche Männer in Anzügen und sprechen mit den Jugendlichen», sagt Khamis. Doch viel wichtiger wäre Prävention. Man müsse die Jungen vorher abholen, ihnen eine Zukunft aufzeigen. «Unsere Jungs sind eigentlich stark», sagt er. So beschreibt er den klassischen Einstieg in die Kriminalität in Deutschland.

Hammed Khamis kritisiert jedoch nicht nur, er handelt auch. So ist er Jugendarbeiter geworden und versucht, Vorbild zu sein. «Im Moment gebe ich 13 Jungs Selbstverteidigungstraining», sagt er. Mit einer Bedingung: Sie müssen mit ihm Themen wie Homophobie, Antisemitismus und Gewalt besprechen. Für ihn ist klar: Bis ins Alter von 14 bis 15 Jahren sei Kriminalität für die meisten kein Thema. «Dann werden Frauen interessant, mit 18 Jahren muss ein Auto her», sagt Khamis. Das alles kostet aber Geld. Geld, das viele nicht haben. Einbrüche und Diebstähle werden verlockend, und mit dem schnellen Geld vor Augen rutschen viele Jugendliche in die Kriminalität ab.

So wie Khamis den Einstieg vieler in die Kriminalität beschreibt, so liest sich sein eigener Lebenslauf. Er ist im Bauch seiner Mutter nach Deutschland gekommen: Seine Eltern hatten während des Südlibanon-Konflikts das Heimatland verlassen. Via Beirut landeten sie im Auffanglager in Berlin und wurden später nach Osnabrück zugeteilt. Drei Tage nach der Ankunft wird Hammed Khamis im Dezember 1978 als elftes von insgesamt 14 Kindern geboren.

35'000 Euro für letzten Auftrag

Khamis wuchs in einem Gastarbeiterviertel auf. Er entdeckte den Kampfsport und stählte seinen Körper. Nach dem Tod seiner Mutter haut er von zu Hause ab, lebt mit seinem kleinen Bruder auf der Strasse und bricht Autos auf, gegen den Hunger. Bald folgen erste Aufträge. Am Anfang bekam er 200 Mark, für seinen letzten Auftrag gab es 35000 Euro. Dazwischen muss er im Alter von 23 Jahren ins Gefängnis. Ende 20 habe er alles gehabt, was sich ein Mann wünsche: Geld, Autos, Anzüge und eine schöne Frau. Dann folgt der Schicksalsschlag. Bei ihm zu Hause wird eingebrochen. Khamis beendet seine kriminelle Karriere.

Heute arbeitet Khamis bei einem renommierten deutschen Fernsehsender. «Das war schon immer mein Traumberuf.» Auch dort komme ihm Wissen aus seiner Vergangenheit zugute. Doch diese habe Spuren hinterlassen, sagt Khamis. So leere er seinen Briefkasten nicht selbst. «Ich habe immer noch ein mulmiges Gefühl, ob womöglich ein Strafzettel oder so dabei ist.» Und er habe immer genug Bargeld dabei. «Damit ich genug dabei habe, falls ich einmal verhaftet werde, um das Nötigste kaufen zu können.»

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