FC Basel
Dieser Mann sorgt dafür, dass sich die FCB-Spieler nicht verletzen

Seit zwei Monaten ist der neue Leiter Fitness, Werner Leuthard, nun beim FC Basel. Sein Ziel ist klar: Er soll das Lazarett des Meisters möglicht leer halten. Bislang ist ihm das gelungen. Und er verspricht, dass es auch so bleiben wird.

Céline Feller
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Immer beobachtend am Seitenrand des Trainingsplatzes: Werner Leuthard, Leiter Fitness beim FC Basel.

Immer beobachtend am Seitenrand des Trainingsplatzes: Werner Leuthard, Leiter Fitness beim FC Basel.

KEYSTONE

Urs Fischer klopft bedeutungsvoll auf den Holztisch. Man habe Glück gehabt, dass sich bislang noch niemand verletzt hat. Aber man wolle es auch nicht verschreien. Schliesslich ist das Thema Verletzungen in Basel seit der letzten Saison ein heikles. Das Wort «Muskelverletzung» wurde zum Unwort des Jahres. Insgesamt elf Mal musste der Verein verkünden, dass einer seiner Spieler aufgrund muskulärer Probleme pausieren muss.

Urs Fischer gestand bereits vor der Winterpause der letzten Saison ein, dass man sich dieses Problem anschauen müsse, um die Situation zu bessern. Und das tat man auch. Die Häufung der Verletzungen nahm ab – jedoch nur für eine kurze Zeit. Ab April begannen die Muskeln wieder zu reissen. Und zwar in solch hoher Frequenz, dass sich der FCB auf die aktuelle Saison hin zu einer Neuverpflichtung gezwungen sah. Einer, die nicht direkt auf dem Platz in Erscheinung treten, dort aber ihre Spuren hinterlassen soll. Denn Werner Leuthard soll als neuer «Leiter Fitness» dafür sorgen, dass die Muskeln nicht mehr so oft reissen.

An der Seite von «Quälix»

Mittlerweile ist Leuthard seit acht Wochen im Amt und sagt: «Ich konnte mir einen Überblick verschaffen. Mein Eindruck ist, dass der FC Basel nicht nur in der Schweiz, sondern auch international eine sehr grosse Reputation geniesst.» Sein neuer Arbeitgeber habe jenen Status, den der FC Bayern München in Deutschland geniesse. Und Leuthard kann das abschätzen. Zwischen 2004 und 2007 war er bei den Bayern angestellt und arbeitete dort an der Seite von Felix Magath.

Unter dem «Quälix» war er Konditionstrainer, seine Aufgabe beim FCB bezeichnet er als «Koordinator, der die Kommunikation zwischen der medizinischen Abteilung, dem Trainerteam und der Vereinsführung optimieren soll.» Urs Fischer bezeichnet ihn gar als Schaltzentrale, auch wenn Leuthard dies nicht gerne höre. Letzterer ist sich aber bewusst, dass «die Verantwortung selbstverständlich sehr gross ist. Aber wenn man für eine Aufgabe geholt wird, dann muss man sich dieser auch stellen.»

Und diese Aufgabe lautet, wie Leuthard selber sagt: «das Ganze so zu optimieren, dass die Ausfallzeiten beziehungsweise die Ausfälle gering gehalten werden können.»

Unabhängig von grossen Namen

Was er aber nicht sagt, ist, dass es indirekt auch seine Aufgabe ist, einen Spieler freizugeben. Und zwar so, dass er von Fischer erst dann wieder eingesetzt wird, wenn er vollkommen genesen ist, und nicht an jenem Tag, auf den die Prognose der Rückkehr gestellt wurde. Diese Daten wurden vom FCB im letzten Jahr noch öffentlich kommuniziert. Heute sagt Fischer, dass er sich «hüten werde bei klaren Aussagen über die Rückkehr von Verletzen.»

Wohl auch, weil er schlechte Erfahrungen gemacht hat. Im Zusammenhang mit den Verletzten betonte der FCB-Coach auch unlängst, wie dankbar er dem Verein sei, dass man ihm durch Leuthard das Leben noch einmal vereinfacht habe. Denn so muss er weder einen angeblichen Sündenbock vor der Presse beschützen noch muss er selber die Verantwortung für die Häufung der Verletzungen übernehmen.

Diese übernimmt Leuthard. Gerne sogar, «wenn die Informationen so wie gewünscht bei mir zusammenlaufen, ich diese an die jeweiligen Stellen weiterleiten kann und die Abläufe so stattfinden, wie ich es vorgebe.» Er, der in seiner Karriere nicht nur bei Bayern, sondern auch beispielsweise beim VfL Wolfsburg, Schalke 04, dem FC Fulham oder vor seiner Karriere im Fussball auch schon mit Tennisgrössen wie Steffi Graf zusammenarbeitete, betont aber auch, dass das Auftreten von Verletzungen trotzdem nie ganz ausgeschlossen werden könne.

Felsenfeste Überzeugung

Dass er nach diesen namhaften Stationen überhaupt zum FCB gekommen ist, habe einen einfachen Grund: «Mich reizt immer die Aufgabe. Unabhängig von der Grössenordnung. Und es ist auch nicht so, dass ich versuche, meinen Beruf nur an gewissen Wirkungsstätten auszuüben, denen besondere Aufmerksamkeit in der grossen Öffentlichkeit zukommt. Sondern ich versuche, immer so auszuwählen, dass ich eine Aufgabe annehme, die mich besonders reizt und wo ich meinen persönlichen Wirkungskreis voll ausüben kann.»

Und das kann er beim FCB. Bereits in den Trainingslagern im Sommer wurde sein Einfluss deutlich. So begann beispielsweise der Tag immer mit der sogenannten «Prevention» – der Prävention also – bevor man aufs Feld ging. Alles umzukrempeln sei aber nicht nötig: «.Es gibt nicht ‹falsch› oder ‹richtig›, es gibt nur auf die jeweilige Situation projiziert ‹günstig› oder ‹ungünstig›. Ausserdem denke ich, dass bei günstig oder ungünstig immer kleine Nuancen, die man dazu fügt, eine viel grössere Rolle spielen, als das Weglassen gewisser Dinge.»

So würden auch kleine Eingriffe, wie etwa eine nach hinten verschobene Rückkehr eines verletzten Spielers, entscheidende Effekte auf die Rückfallquote haben. Auf die Frage, ob mit ihm denn nun wirklich alles besser werde, will Leuthard nichts versprechen.

Das könne man nie im Leben, weil dieses aus Unwägbarkeiten bestehe. «Aber, und davon bin ich felsenfest überzeugt, nachdem was ich bisher erkannt habe, dass wir diese Situation mit den vielen Verletzten zum Besseren hin wenden.» Und wenn diese eine Nuance zum besseren hin wirke, dann werde sich die Gesamtsituation für die mittelfristige Zukunft sogar erheblich bessern. Auch in einer Saison mit Champions-League-Fussball. Leuthard ist Verfechter der Meinung, dass «die Terminfülle oder die vermeintliche oder tatsächliche Zunahme der Spiele keine grosse Rolle spielen dürfen.»

Der Körper müsse das aushalten. Bislang hat er das. Es hat noch keine Muskelverletzungen gegeben. «Das ist unsere Aufgabe», sagt er. Wird diese erfüllt, kann Fischer auch nach Saisonende wieder auf den Tisch klopfen und sagen: «Ich hab euch ja gesagt, dass es besser wird.»