Unispital Basel

Dieser Mann sorgt für die Hygiene im Universitäts-Spital

Der «Isolation Boy» mit Hygienematerial ist aus Heinz Schuhmachers Alltag nicht wegzudenken.

Der «Isolation Boy» mit Hygienematerial ist aus Heinz Schuhmachers Alltag nicht wegzudenken.

Spitalhygieniker Heinz Schuhmacher überwacht und bekämpft am Universitätsspital gefährliche Viren und Bakterien. Sein Team ist dafür zuständig, dass richtig geputzt wird und das die Spitalhygiene umgesetzt wird.

Der Geruch von Desinfektionsmittel für die Hände begleitet Heinz Schuhmacher durch die Gänge des Basler Universitätsspitals. Mindestens 80 Mal im Laufe des Tages wird der Spitalhygieniker Sterilium in seinen Händen zerreiben. Sein Kerngeschäft sind Viren und Bakterien im Spital. Im Fachvokabular heisst das: die Überwachung der Erreger und die Verhütung von Übertragungen.

«Einmal wurde ich gefragt, ob der Spitalhygieniker putzt», sagt Schuhmacher. Doch das Team der Spitalhygiene ist dafür zuständig, dass richtig geputzt wird, zum Schutz der Patienten die Spitalhygiene richtig umgesetzt wird: «Wir sind keine Polizisten.»

Schutzkleider sind sein Alltag

Der Tag beginnt mit einem Rundgang zu den isolierten Patienten. Als Erstes besucht Schuhmacher einen an Tuberkulose erkrankten Mann. Der Patient ist – wie die meisten mit Tuberkulose – kein Schweizer. «Viele der Patienten mit Tuberkulose kommen aus den Durchgangsheimen zu uns. Es sind häufig sehr arme, sehr kranke Menschen, die sehr dankbar sind für die Behandlung.»

In der Schleuse zum Isolierzimmer kontrolliert er mit routiniertem Blick das Material, desinfiziert die Hände, tauscht den weissen Kittel gegen gelbe Schutzkleidung, zieht Handschuhe und Maske an, bevor er die Tür zum Zimmer öffnet. «Im Raum herrscht Unterdruck, es kann keine Luft nach draussen», sagt er und beruhigt damit die Begleiterin. Tuberkulose wird über die Atemluft übertragen. Der Fachmann selber fürchtet sich nicht vor Viren und Bakterien: «Wir sind eigentlich am sichersten, weil wir die Risiken kennen, und wissen, wie wir uns korrekt schützen. Und wir geben dieses Wissen an das Personal weiter.»

Zwei Minuten später ist die Schutzkleidung entsorgt, sind die Hände erneut desinfiziert und die Checkliste ausgefüllt. In flottem Schritttempo gehts zum nächsten Patienten, der mit resistenten Bakterien infiziert ist.

Im Winter gibts oft mehr Arbeit

Immer wieder beantwortet Schuhmacher auf den Abteilungen Fragen des Pflegefachpersonals: Wie viele Abstriche soll ich machen? Welches Formular braucht es? Wie lange darf die Tür offen bleiben? Das ist der Grund, warum ihm die korrekte Bezeichnung seines Berufes – Fachexperte für Infektionsprävention – nur bedingt sympathisch ist: «Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist die Beratung, das fehlt in der Bezeichnung.»

Manchmal unterhält er sich auch mit verunsicherten Angehörigen. «Manche verstehen den Grund nicht, warum der Patient isoliert ist.» Und manchen Patienten setze es zu, dass sie isoliert sind. «Vor allem, wenn es lange dauert.» Drei Tage dauert es alleine, bis gewisse Erreger im Labor erkannt sind.

Eigentlich ist der 57-Jährige gelernter Pflegefachmann. Nach Jahren als Stationsleiter in der Intensivpflege, unter anderem in Neuseeland, entschied er sich vor zehn Jahren für die Ausbildung zum Fachexperten für Infektionsprävention. «Oft haben wir im Winter mehr Isolationen», sagt Schuhmacher. Noroviren und die saisonale Grippe halten ihn und die zehn anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung dann auf Trab – ausser der Winter ist so milde wie dieser. Doch das könnte sich bald ändern: Laut dem Bundesamt für Gesundheit wurde eben der Epidemie-Schwellenwert für die saisonale Grippe erstmals überschritten – Tendenz steigend.

Desinfektionsmittel auf der Hütte

Für heute stehen noch drei weitere Besuche auf der Liste. «Das kann sich jeweils rasch ändern.» Schuhmacher und seine Kolleginnen und Kollegen dokumentieren alle relevanten Erreger, die diagnostiziert werden. Das Team führt auch Studien durch, zum Beispiel zur Übertragung antibiotika-resistenter Bakterien. Deren Zahl hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. «Das beschäftigt uns sehr. Aber ich sehe die Zukunft nicht so schwarz, dass künftig alle resistent sein werden.»

Regelmässig misst Schuhmacher, wie rein die Luft in heiklen Bereichen ist, zum Beispiel auf der Intensivstation. «Wir testen auch Geräte, die zum Beispiel beim Desinfizieren der Zimmer eingesetzt werden.» Und er organisiert Kampagnen und Schulungen zu Themen wie Infektprävention und die Entwicklungen bei den resistenten Bakterien. «Das ist das Wichtigste», sagt Schuhmacher dezidiert.

Vor einem herzhaften Händedruck zum Abschied scheut er sich aber nicht, weder im Beruf noch privat. «Ich habe kein Sterilium zu Hause», sagt er, lacht einmal mehr herzlich, gibt dann aber zu: «Wenn ich auf einer Klettertour in einer SAC-Hütte übernachte und es nur eine Toilette für 100 Leute hat, dann habe ich ein Fläschchen dabei.»

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