Hope Maine konnte seinen Namen als Kind nicht leiden. «Ich wurde gemobbt», sagt der Mann, dessen Vorname auf Deutsch «Hoffnung» bedeutet. Heute aber sagt er, es sei ein Segen. «Ich bin in den Namen hinein gewachsen.» Mittlerweile sieht er ihn fast als Schicksal an. «Ich bin die Hoffnung der Familie.» Und genau dieser Punkt sei es auch, den ihn mit seinem Beruf verbinde.

Maine steht zurzeit sechs Tage die Woche im Musical Theater Basel auf der Bühne und spielt die Rolle des Simba in der Musical-Adaption von «The Lion King», also jene des jungen Löwen, der sein Königreich retten und die Hoffnung zurückbringen soll.

Dass er einst diese Rolle verkörpern würde, davon habe er aber nie geträumt. «Oh mein Gott nein», sagt er und lacht. Die Leute aus seiner Heimat, der südafrikanische Stadt Matlosana, drei Stunden entfernt von Johannesburg, hätten ihm immer prophezeit, dass er es einmal auf eine grosse Bühne schaffen würde. «Ich habe viel in der Kirche gesungen, und alle haben gesagt, ich werde gross rauskommen.» Tatsächlich schlug Maine mit dem Musical-Studium dann auch diesen Weg ein. «Aber ich hätte trotzdem nie gedacht, dass ich irgendwann einmal den Simba spielen werde.»

Dies lag vor allem daran, dass er die Geschichte vom König der Löwen gar nicht kannte. «Ich habe früher lieber draussen gespielt, als zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen.» Er habe gewusst, dass ein junger Löwe namens Simba die Hauptrolle spiele, die Handlung kannte er aber nicht. «Erst als ich für die Show in Singapur im Jahre 2011 gebucht wurde, habe ich die Story kennen gelernt.»

Und es war auch damals, als er realisierte, dass er nur den Simba spielen wollte. «Simbas und mein Leben sind sehr ähnlich», sagt er nachdenklich. «Wir beide kommen aus einer unbalancierten Familie, sind diejenigen, auf die die Familie zählt, und beide hatten wir früh keine Beziehung zu unseren Vätern mehr.» Während es beim Löwen Simba der Tod des Vaters ist, hatten Maine und sein «Dad» einfach nie eine wirkliche Beziehung. «Er war nie da, deshalb hatte ich auch so viel Verantwortung und musste das Geld nach Hause bringen. Das war meine Bürde, die ich zu tragen hatte. Simba hingegen muss in jungen Jahren ein Königreich führen.»

Es seien diese Parallelen, die ihn zu einem guten Simba machen, so Maine. «Ich kann Simba verstehen, seine Gefühle. Ich werde jedes Mal emotional, wenn ich auf der Bühne stehe.» Mittlerweile hat er sich mit seinem Vater versöhnt und hat die Rolle des Versorgers akzeptiert. «Ich schicke noch immer Dinge und Geld nach Hause.»

Vom Nashorn zum König

Trotz seiner grossen Bedeutung für seine Familie, oft trifft er seine Mutter, seinen Vater und seinen Bruder nicht. «Ich sehe sie alle sechs Monate für zwei Wochen.» Aber auch daran habe er sich gewöhnt. Und er nehme es gerne in Kauf, weil er dafür seinen Traum leben könne. Doch bis er die Simba-Rolle auf den grossen Bühnen spielen durfte, musste er sich lange gedulden: «Als ich 2011 zu «The Lion King» ging, musste ich drei Jahre lang das Nashorn im Hintergrund spielen und war das Simba-Cover.»

Doch in Basel spielt er die Hauptrolle. Dass er dabei acht Mal die Woche, in acht Shows, immer genau das Gleiche mache, sei ihm bewusst. «Viele Leute sprechen mich darauf an. Aber am Ende ist es doch genau dasselbe wie bei einem Büro-Angestellten», so Maine. Auch diese würden tagein, tagaus dieselbe Arbeit verrichten. «Für mich ist es mehr Leidenschaft als Job, und das treibt mich an.» Um diese Leidenschaft nicht zu verlieren, schaue er sich bei jeder Show die erste Nummer, «Circle of Life», an. «Wenn man sieht, wie die Leute reagieren und vor allem, wie glücklich die Kinder sind, dann weiss ich, wieso ich das alles mache.»

«The Lion King» ist das erste Musical, in dem Maine mitspielt. «Ich habe mir mal ‹Les Misérables› angeschaut, dort würde ich gerne die Rolle des Marius spielen.» Es wäre eine spezielle Herausforderung für ihn, weil «wohl noch nicht viele Afrikaner eine Rolle bei ‹Les Misérables› spielen konnten.» Abgesehen davon gäbe es für ihn nur eine Rolle: «Simba! Was sonst?» Sowohl die Rolle als auch die Story von «The Lion King» haben es Maine angetan. Er schwärmt von der Botschaft des Musicals, den Worten, den Liedern.

Die Alternativ-Karriere

Wäre Maine nicht auf der grossen Musical-Bühne gelandet, wäre er wohl Profi-Fussballer geworden. «Ich glaube, ich hätte es geschafft», so der FC Barcelona-Fan. Eintauschen würde er seine jetzige Karriere aber nicht gegen das Leben eines Profi-Fussballers. «‹The Lion King› hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin, hat meinem Leben Bedeutung gegeben.»

Diese Chance will Maine auch den Menschen in seiner Heimat geben. Bis zum 11. Oktober steht er noch in Basel auf der Bühne, danach will er nach Hause gehen. «Und dieses Mal etwas länger als nur für zwei Wochen.» Er wolle etwas aufbauen. «Nachdem ich im Februar zu Hause war und in unser Haus eingebrochen und fast alles mitgenommen wurde, habe ich realisiert, wie viel Glück ich hatte. Ich hätte einer von diesen Einbrechern sein können.» Er habe realisiert, wie glücklich er sich schätzen könne, der Gangster-Karriere entkommen zu sein.

«Ich will den jungen Leuten zeigen, dass sie das auch können, dass es nicht nur diesen Weg gibt, wenn man in unserer Stadt aufwächst.» Deshalb wolle er eine Art Lebens-Training-Projekt aufbauen, in welchem er Jugendlichen Alternativen aufzeigt. «Ich will ihnen Hoffnung geben», sagt Hope und lacht, als er merkt, was er da gerade gesagt hat.