Zolli
Dieser Nashornflüsterer gewöhnt Henna an die Nadel

Die Wildtiere sollen bei medizinischen Eingriffen wenn möglich nicht narkotisiert werden. Das erfordert hartes Training. Walter Stettler übt mit den Tieren für den Ernstfall.

Muriel Mercier
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Walter Stettler beruhigt Henna zuerst mit feinen Berührungen, bevor er die Spritze zur Blutentnahme ansetzt. zvg

Walter Stettler beruhigt Henna zuerst mit feinen Berührungen, bevor er die Spritze zur Blutentnahme ansetzt. zvg

«Komm Henni, mach Platz,» ruft Walter Stettler. Das junge Panzernashorn Henna ist gerade mit dem Stroh im Futtertrog beschäftigt, hält aber dennoch mit Essen inne. Es ist noch nicht überzeugt, ob es gehorchen soll. «Komm Henni, mach Platz», versucht es der Tierpfleger noch einmal. Und siehe da: Henna dreht sich um, läuft langsam auf Stettler zu, geht in die Knie und legt sich auf die linke Seite ab. Es ist nämlich Zeit fürs tägliche Training. Stettler übt mit dem einjährigen Tier seit rund zehn Monaten Situationen, die irgendwann mal zum Ernstfall werden könnten.

Henna wird an die Spritze gewöhnt

Das Spritzengeben zur Blutentnahme beim Gesundheitscheck ist eine davon. Der Zolli will nämlich wenn möglich verhindern, Henna – wie auch alle anderen Wildtiere – in Narkose zu legen. Seit bald zwei Wochen gewöhnt Stettler deswegen das junge Nashorn daran, mit einer Nadel gepikst zu werden. Gar nicht so einfach – es braucht viel Geduld und Streicheleinheiten. Am liebsten möge dies Henna in den Falten am Bauch, hat Stettler herausgefunden. Sie geniesst das Kraulen, ihre Augenlider werden schwer. Stettler hat während der ganzen Zeit eine Spritze in der Hand und stupft sie immer wieder ins Ohr. Zwar schüttelt Henna dabei den Kopf, schlägt aber nicht aus oder versucht aufzustehen.

Den Tierpflegern im Basler Zoo ist es wichtig, bei ihren Schützlingen natürliche Lebensweisen zu fördern, ohne sie zu unter- oder überfordern. Deshalb sollten Interaktionen mit Menschen auf ein nötiges Minimum beschränkt werden. Aber: «Das Leben in menschlicher Obhut heisst auch, dass es zu Interaktionen zwischen Mensch und Tier auf ganz selbstverständliche Art und Weise kommt», führt Kuratorin Friederike von Houwald aus. «Durch das regelmässige Training bekommen die Tiere Vertrauen zu ihren Pflegern. So können zum Beispiel Narkosen bei medizinischen Eingriffen umgangen werden.»

Hennas Mutter Ellora lässt Stettler allerdings nur an ihre Tochter heran, wenn er sich danach auch um sie kümmert. Deshalb erhält das Muttertier nach jedem Training mit Henna von Stettler zärtlich eine Creme an die Beine eingestrichen.

Flamingos bekommen neu Linsen

Die Flamingos absolvieren zurzeit ebenfalls ein Training. Bei den 130 Wildvögeln kann sich Tierpfleger Bruno Gardelli – im Vergleich zu den Nashörnern – nicht um jeden einzeln kümmern. Sie werden seit drei Monaten mit anderem, artgerechten Futter zu Tisch gebeten. Gardelli mischt mehrmals täglich schwimmende Pellets wie Wasserlinsen oder Wildreis in den Teich. Sobald die rosaroten Tiere ihren Pfleger am Gehege erkennen, regen sich denn auch schnell die Hälse in die Höhe.

Die grosse Truppe setzt sich langsam in Bewegung Richtung Wasser. «Die Tiere sind schreckhaft. Deswegen muss Gardelli langsam gehen», erklärt von Houwald. «Es braucht viel Geduld, damit alle Vögel gemeinsam zum Essen kommen. Bis vor kurzem haben sich die Flamingos nie zusammen zum Futterplatz aufgemacht.»

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