Kulturaustausch

Dieser nigerianische Lehrer macht ein Austauschjahr in Basel

Onosigho Arighwrode absolviert seinen Sozialeinsatz an der Futura-Montessori-Tagesschule in Basel. Zum ersten Mal feiert er Weihnachten ausserhalb seiner Heimat.

Onosigho Arighwrode absolviert seinen Sozialeinsatz an der Futura-Montessori-Tagesschule in Basel. Zum ersten Mal feiert er Weihnachten ausserhalb seiner Heimat.

Der 30-jähriger Englischlehrer Onosigho aus Nigeria absolviert einen freiwilligen Sozialeinsatz in Basel. Hier arbeitet er an der Futura-Montessori-Tagesschule. Manches ist in der Schweiz anders als in Nigeria: Einiges vermisst er, vieles schätzt er.

«Ich achte sehr auf mein Aussehen. Ich möchte immer gut gekleidet sein.» Onosigho kann sich sein Grinsen nicht verkneifen und präsentiert stolz seine Brille, die er nur trägt, weil es gut aussieht. Er trägt ein rot und schwarz kariertes Hemd – am Hals eine goldene Kette.

In seiner Heimat Nigeria kommt der 30-jährige Englischlehrer aus einem tendenziell reicheren Gebiet. Dort arbeitet er an einer Schule und unterrichtet Kinder: «Ich liebe es, Zeit mit Kindern zu verbringen. Es macht mir grossen Spass.» Bei der Arbeit hier in Basel hat Onosigho auch viel mit Kindern zu tun. Seit einem Monat absolviert er im Rahmen des Jugendaustauschprogramms von ICYE einen freiwilligen Sozialeinsatz an der Futura-Montessori-Tagesschule in Basel. An der Schule wird gemalt, gebastelt und gespielt.

«Ich unterstütze die Kinder beim Lernen und versuche sie zu fördern», sagt er. An der Montessori-Tagesschule werden Kinder nach der Pädagogik von Maria Montessori unterrichtet. «Sie haben die Möglichkeit, ihre individuellen Fähigkeiten in einem selbstbestimmten Zeitraum zu entwickeln.» Die Erfahrung möchte der junge Mann gerne mit nach Nigeria nehmen. Als sich ihm die Möglichkeit bot, mit ICYE in die Schweiz zu reisen, packte er die Chance sofort.

«Ich bin nicht gern allein»

Deutsch sprach der Nigerianer nicht, als er zum ersten Mal in die Schweiz kam. «Mir ist es wichtig, die Sprache zu lernen.» In den vergangenen Wochen hat er gelernt, dass Schweizer zu Beginn eher reserviert und distanziert sein können, dafür umso herzlicher seien, wenn sie einen richtig kennen lernten. Der junge Mann verbrachte nach einem zweiwöchigen Einführungslager seinen ersten Monat in Luzern, wo er zum ersten Mal auf die schweizerische Mentalität und Kultur prallte.

«Die meisten Schweizer, die ich traf, waren verunsichert und wollten nichts mit mir zu tun haben», sagt er traurig. In Afrika sei es einfacher, Freunde zu finden. «In meiner Heimat ist man offen gegenüber anderen, und man schliesst schneller Freundschaften. Hier würde nie einfach jemand mit mir etwas trinken gehen, ohne misstrauisch zu werden.» In Basel seien die Menschen ein bisschen anders als in der Innerschweiz. «Hier sind die Menschen offener gegenüber anderen Kulturen.»

In seiner Freizeit liest er viel, hört Musik und ruht sich gerne aus. Am Abend ist er meistens unterwegs und dort anzutreffen, wo viel los ist. «Meine Leidenschaft ist das Tanzen. Ich bin gerne mit meinen Freunden unterwegs und begebe mich auf die Tanzfläche. So lernt man auch neue Leute kennen.»

«Noch nie Käse gegessen»

Auf die Frage, was er denn über die Schweiz gehört habe, zählte er einige der bekannten Klischees auf. Weihnachten wird Onosigho in Basel feiern. «Es ist das erste Mal, dass ich dieses Fest ohne meine Familie oder Freunde verbringe.» In Afrika wird auch gekocht und zusammen Zeit verbracht. Neu für ihn wird der Schnee sein. «In meiner Heimat haben wir keinen Winter. Die kälteste gemessene Temperatur in Nigeria, wo er seit seiner Geburt wohnt, liegt bei 25 Grad. Schnee hat er noch nie zuvor gesehen. «Es fühlte sich gut an, das erleben zu dürfen», sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. An die Kälte muss sich der kommunikative Mann erst noch gewöhnen.

«Was ich hier vermisse? Meine Freunde, Familie und die Wärme», resümiert er. Aber er ist froh darüber, so eine Chance bekommen zu haben. Onosigho freut sich auf alle Erfahrungen, die er in den kommenden Monaten noch machen darf. Das Projekt dauert insgesamt ein Jahr. Zurück in Nigeria möchte er auf eigenen Füssen stehen. «Ich würde gerne eine eigene Organisation gründen», um das, was er hier gelernt hat, zu Hause weiterzugeben. Weitere Zukunftspläne hat er noch nicht, «aber die werden noch kommen».

Auf weitere Unterschiede zwischen Nigeria und seinem Gastland angesprochen, antwortet Onosigho: «Wenn ich hier zur Arbeit möchte, kann ich einfach mit dem Tram fahren oder den Bus nehmen. Wenn es heisst, mein Tram kommt in 2 Minuten, dann kommt es auch in 2 Minuten. In Afrika kommt der Bus um 13 Uhr und fährt erst ab, wenn alle Sitze besetzt sind.»

ICYE (International Cultural Youth Exchange) bietet als Non-Profit-Austauschorganisation weltweite Sozialeinsätze an. So kann die Verständigung und die Solidarität zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen gefördert werden.

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