Uni-Finanzierung
Dieser Professor hat klare Vorgaben von der Pharma-Industrie

Der Lobby-Verband der Pharma-Industrie «Interpharma» hat offenbar wesentlich mehr Einfluss auf die Besetzung des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomie an der Uni Basel genommen, als bisher bekannt. Dies schreibt die «Tageswoche» unter Berufung auf ein ihr vorliegendes Dokument. Demnach hatte der Lobbyverband die Finanzierung des Lehrstuhls davon abhängig gemacht, dass der Lehrstuhl mit Stefan Felder besetzen müsse.

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Im Zuge der Recherchen des SRF kommen die Sponsoren der Schweizer Universitäten ans Licht. (Symbolbild)

Im Zuge der Recherchen des SRF kommen die Sponsoren der Schweizer Universitäten ans Licht. (Symbolbild)

Keystone

Am Mittwoch hatte der Sprecher der Uni Basel, Matthias Geering noch zur bz gesagt, bei der Besetzung der Professur habe der Lobbyverband lediglich Einsitz in der Berufungskommission gehabt. Nun, von der «Tageswoche» mit dem Dokument konfrontiert klingt das bereits etwas anders. Offenbar bezahlt der Verband auch nur, solange Felder den Stuhl innehat, ob es diese Professur auch danach noch gibt, ist fraglich. Die «Tageswoche« zitiert aus dem Vertrag: «Interpharma erklärt sich bereit, die Professur Health Economics für die ganze Laufzeit der Anstellung von Prof. Dr. Stefan Felder, längstens bis zu seinem Austritt respektive seiner Emeritierung mit 450'000 Franken jährlich zu unterstützen.»

Anweisungen für Forschung

Zudem soll der Lobby-Verband auch klare Vorgaben gemacht haben, in welche Richtung die Forschungen von Felder gehen sollen. Er kann sich die Themen innerhalb des Fachbereichs nicht frei aussuchen, sondern soll vor allem den Gesundheits- und den Medikamentenmarkt analysieren. Und dabei sein besonderes Augenmerk auf «den Einfluss der Regulierung auf die Innovation» richten. Die Geschichte kommt im Zuge der Recherchen des Schweizer Fernsehens SRF ans Licht.

Die Nachforschungen rund um die Finanzierung der Schweizer Universitäten und insbesondere den Einfluss von Sponsoren aus der Wirtschaft auf die Forschung beinhalteten auch die ursprünglichen Angaben zu Felder Berufung. Die Interpharma hat neben der Finanzierung des Lehrstuhls auch den Einkauf des neuen Professors in die Pensionskasse der Universität beinhaltet. Dafür liess der Verband den Betrag von 300'000 Franken springen. Dies kommentiert Geering gegenüber der «Tageswoche» mit: «Man war sich damals einig, dass der Kandidat am besten geeignet ist, diese Position anzutreten.» (dre)