Umweltbewusst

Dieser Riehener rüttelt am System: Er säubert Basel von Aludosen

Der Riehener Paul Spring sammelt seit 30 Jahren Aludosen in Basel und bringt sie zu Sammelstellen.

Der Riehener Paul Spring sammelt seit 30 Jahren Aludosen in Basel und bringt sie zu Sammelstellen.

Unterwegs mit dem Riehener Einwohnerrat Paul Spring. Seit 30 Jahren sammelt er Aludosen und bringt sie zur Sammelstelle.

Montagmorgen, Treffpunkt Badischer Bahnhof. Bereits bevor er losfährt, erblickt Paul Spring in einem fremden Velokörbchen die erste Dose. Er greift zu, leert das restliche Bier aus und legt sie in eines seiner zwei eigenen Velokörbchen. Berührungsängste kennt er keine. Auch wenn die Getränkeüberreste seine Schuhe verspritzen. «Das gehört dazu», sagt er achselzuckend.

«Natürlich nicht schön, aber was soll’s.» Längst hat er sich daran gewohnt. Seit über 30 Jahren sammelt der Riehener Getränkedosen. Sie sind überall: In Strassengraben, in Rabatten, im Gebüsch und auf Wiesen. Spring stellte in Riehen eine Alu-Sammelstelle auf, bevor das Recycling in der Schweiz so richtig in Mode kam.

Dank gemächlichem Tempo den besseren Blick

Vorbei am Bahnhof geht es in die Quartierstrassen des Kleinbasels. Paul Spring ist fast immer mit dem Velo unterwegs. Stets in gemächlichem Tempo, weil dies einerseits die Fahrqualität erhöhe, anderseits, weil der 2018 gewählte SP-Einwohnerrat so einen besseren Blick für die Dosen hat. Und dieser ist bestens geschult. Spring erblickt Dosen, die man vom Velo aus eigentlich gar nicht sehen kann. «Ich habe eine Art Dosen-Scannerblick entwickelt», meint er schmunzelnd. Gleich fünf Dosen sind es im Strassengraben in der Maulbeerstrasse unter einem Auto. «Da haben wohl ein paar ihr Bier genossen und dann einfach alles liegengelassen.» Ärgern tut dies ihn im Gegensatz zu früher nicht mehr, obwohl das Littering-Problem bei Dosen immer grösser wird, weil unter anderem immer mehr Getränkehersteller auf die leichte und lichtgeschützte Verpackung setzen.

Mit dem Veloanhänger ins Zwischenlager

Schon auf der kleinen Runde durchs Kleinbasel füllen sich Paul Springs Velokörbchen. Und dies nicht nur, weil Montag ist, stellt er klar. «So sieht es leider immer aus.» Extra-Sammeltouren macht Paul Spring eigentlich nie. Das Sammeln ist Teil seines Alltags. Erblickt er eine Dose, liest er sie auf und nimmt sie mit. Ist er im Stress, fährt er auch mal an einer Büchse vorbei. Egal ist ihm dies keinesfalls. «Das wurmt mich dann schon, wenn ich eine Dose nicht mitnehmen kann.» Dann komme es oft vor, dass er sie auf dem Nachhauseweg aufliest oder am nächsten Tag halt doch nochmals vorbeifährt.

Via Sperrstrasse und Schönaustrasse geht es zurück zum Badischen Bahnhof und von dort via Bäumlihof zum Andreashaus im Niederholzquartier in Riehen. Als Sigrist war dies während Jahren Paul Springs zweites Zuhause. Hinter dem Haus lagert er die Säcke mit den gestanzten Dosen zwischen. Der Gestank ist für ihn als gelernter Sanitär kein Problem. «Auch die Toiletten, die ich auseinandergenommen habe, haben gestunken. Na und?» In regelmässigen Abständen bringt er die Säcke mit dem Veloanhänger nach Birsfelden ins nächste Zwischenlager, einem grösseren Keller bei einem Kollegen. Ist das Lager voll, bestellt er einen Lastwagen und fährt damit zum Entsorgungsunternehmen. Gegen 80 Säcke, rund eine halbe Tonne Aluminium, kommt so jährlich zusammen.

Hoher Recyclingerfolg bei Aluminium

Die Recyclingquote bei Aludosen liegt in der Schweiz heute bei 91 Prozent. Doch Paul Spring reicht dies nicht. Mit einem Pfand möchte er sie auf mindestens 95 Prozent erhöhen. Denn der Recyclingerfolg von Aluminium ist im Vergleich zu anderen Verpackungsmaterialien hoch. Beim Recycling von Aluminium werden, im Vergleich zur Ersterstellung, pro Kilogramm Aluminium neun Kilogramm CO2 und bis zu 95 Prozent der ursprünglich aufgewendeten Energie eingespart. Zudem lässt es sich ohne Qualitätseinbussen unendlich oft rezyklieren.

In der Kehrichtverbrennungsanlage lässt sich Alu auch nicht vollends verbrennen. Die Gewinnung des für die Produktion von Aluminium nötigen Bauxitgesteins ist aufwendig, das chemische Verfahren zur Weiterverarbeitung braucht viel Energie und der Rotschlamm als Abfallprodukt daraus ist giftig. Für Paul Spring sind Aludosen deshalb kein Abfall, sondern Rohstoff. Mit einem Pfand könnte auch das Littering bei Dosen reduziert werden, ist Spring überzeugt.

Als Christ für die Bewahrung der Schöpfung

Darin spiegelt sich auch seine christliche Grundhaltung wider, die Bewahrung der Schöpfung, in dem man Sorge trägt zur Umwelt. Zur Einführung eines Pfands hat Paul Spring auf nationaler Ebene eine Petition lanciert. Ihm ist bewusst, dass er mit seinem schweizweit kleinen Netzwerk selber nicht viel bewirken kann. Doch er hofft, dass er mit der Petition in Bern etwas auslösen kann. Denn für den Riehener ist klar: «Ich selber kann die Welt nicht retten, aber am System rütteln.»

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