Nachhaltigkeit

Dieses Basler Kinderbuch enthält Palmöl

Die Biologin Regina Frey und die Basler Zeichnerin Petra Rappo erzählen in «Ginting und Ganteng» vom Raubbau auf Sumatra.

Jeden Abend bereitet die Mutter ihren Kindern ein Nachtlager. Aus frischen Ästen, die sie vom Pflegepersonal bekommt, baut Merah für ihre Zwillinge Ginting und Ganteng ein Nest. Es ist ein Instinkt, den das Orang-Utan-Weibchen aus dem brandgerodeten Regenwald Sumatras in die Auffangstation gerettet hat, wo ihre Zwillinge zur Welt kamen. Die Menschenaffen sollen in einem Reservat wieder ausgewildert werden, doch es ist eine Reise ins Ungewisse.

Auf 64 Seiten erzählen die Biologin Regina Frey und die vielfach ausgezeichnete Zeichnerin Petra Rappo, wie der Raubbau das Überleben der sanften «Waldmenschen» bedroht – als Kinderbuch. «Es war eine grosse Herausforderung, ‹Ginting und Ganteng› so zu gestalten, dass Kinder vom Thema nicht abgeschreckt werden», erzählt Rappo. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, die Regina Frey nacherzählt: Seit 50 Jahren engagiert sich die Biologin auf Sumatra, wo sie die erste Auffangstation für Orang-Utans mitbegründet hat.

Stundenlange Fahrt durch Plantagen

Zwar kannte die Zeichnerin Indonesien schon aus dem Urlaub. «Doch als ich mit den Vorarbeiten begann, merkte ich, dass ich selbst nach Sumatra musste, um dieser Sache gerecht zu werden.» Rappos Aufenthalt dauerte fast einen Monat lang, und ihre ­Anreise war bedrückend. «Ich wollte so schnell wie möglich in den Regenwald, doch die Fahrt dorthin führte durch Palmölplantagen und dauerte Stunden.» Keine Nutzpflanze bedrängt das Ökosystem auf Sumatra stärker als die Ölpalme, für die grossflächig abgeholzt wird.

Als sie den Wald erreichte, war Rappo von der Geräuschkulisse überwältigt. «Man spürt die Tiefe des Raumes, wenn die Tiere rufen, das war während meiner Arbeit immer präsent.» Ihre traumhaft leichten Zeichnungen schaffen einen wohltuenden Kontrast zum aufwühlenden Thema. «Ich wollte mit den Bildern nicht noch zusätzliche Reize schaffen», erklärt Rappo. «Ziel war es, die Geschichte möglichst wirklichkeitsnah und künstlerisch umzusetzen.»

Ihre Protagonisten sind ­Rappo ans Herz gewachsen, ihre langsamen und sorgfältigen Bewegungen, der zärtliche Umgang der Mütter mit den Jungtieren. «Wenn man sich mit Menschenaffen beschäftigt, wird einem klar, wie oft wir uns über die Bedürfnisse anderer Lebewesen hinwegsetzen. Es mangelt uns an Demut und Respekt.» Die Geschichte soll über die Folgen des Raubbaus aufklären, nicht nur in den Industrieländern, wo das Palmöl konsumiert wird, sonder auch vor Ort: «Wir wollen unbedingt, dass das Buch in Indonesien veröffentlicht wird.»

«Ginting und Ganteng», Atlantis 2020.
Vernissage: Do, 29.10., 17 Uhr, Projektraum M54.
Ausstellung bis 1. November.

www.petrarappo.ch

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