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Dieses Jahr wohl keine Durchführung: Die Art Basel hängt am seidenen Faden

Die Kunstwelt steht kopf: Für Veranstaltende ist die Planung momentan ein Hoffen, Bangen und Pokern.

Die Kunstwelt steht kopf: Für Veranstaltende ist die Planung momentan ein Hoffen, Bangen und Pokern.

Dass die Kunstmesse im September stattfindet, ist unwahrscheinlich. Die Kunstwelt spekuliert über Alternativen.

Die Art Basel hat vor Monatsfrist optimistisch die Kunstmesse vom Juni in den September verschoben. Die Galerien wurden gebeten, ihr bis zum 1. Mai mitzuteilen, ob und in welcher Form sie an der verschobenen Messe teilnehmen werden. Doch dieser Termin ist nicht mehr fix. «Vermutlich werden wir die Frist verlängern», sagt Sprecherin Dorothee Dines.

Prognosen gibt es keine mehr, denn alles ist offen. Dines sagt: «So, wie wir nicht mit Sicherheit wissen, ob eine Messe im September überhaupt stattfinden kann, wissen wir im Moment auch nicht, wie eine Messe im September aussehen würde.» Es ist eine Spekulation mit vielen Unbekannten: «Unsere Planung hängt von den Entscheidungen des Bundesrates und des Kantons ab.» Dazu müssten die Grenzen international geöffnet sein, und es gelte, die Versandtermine und die finanziellen Auswirkungen für die Galerien im Blick zu behalten.

«In diesem Jahr wird wohl keine Messe stattfinden»

Die Galeristin Dominique Lévy geht nicht davon aus, dass die Art Basel wird stattfinden können. In einem stark beachteten Interview auf «CNN Money» sagt die gebürtige Schweizerin vor einigen Tagen: «Der Kunstmarkt muss realistisch sein. In diesem Jahr wird wohl gar keine Kunstmesse stattfinden.» Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Kunstsammler Messen besuchen wollten, bevor es nicht eine Impfung gebe.

Zahlreiche Galeristen äussern sich in internationalen Kunstpublikationen ähnlich skeptisch. Betroffen wäre jedoch nicht nur die Art in Basel und ihre die Schwestermesse in Miami, die im Dezember stattfinden soll. Auch weitere grosse Veranstaltungen wie die Frieze (London), die Tefaf (New York) oder die Fiac (Paris) stehen damit auf der Kippe.

Für die Veranstalter ist es ein Hoffen, Bangen und Pokern: Sollten die wider Erwarten Messen stattfinden, wären die Galeristen finanziell wie logistisch überfordert; sie hätten sich auf zwei bis maximal drei zu beschränken. Kein Veranstalter will jedoch mit einer Absage als Erster das Feld räumen. Es geht um viel Geld und mitunter um die Existenz. Ein Londoner Händler sagt gegenüber «The Art Newspaper»: «Es kommt wohl zu einem darwinistischen Kampf, in dem nur die fitteste Messe gewinnen wird.»

Die Art Basel hält in diesem Spiel einen Trumpf, aber auch schwache Karten in den Händen: Die Muttergesellschaft MCH Group ist mit dem Zerfall der Baselworld finanziell angezählt, sie musste in diesem Jahr bereits die Art in Hongkong auf ein Online-Taschenformat reduzieren und die Londoner Masterpiece ganz fallenlassen. Doch anders als bei der Baselworld, dessen Aussteller sich einen Deut um ihre Messe scheren, steht die Art Basel bei den Galerien in hohem Ansehen, was ihr Trumpf ist.
Galeristin Lévy betont im TV-Interview, sie werde der Art treu bleiben. Mit Sorge verfolge die Szene die Entwicklung der MCH Group. Gerade der jüngste Kurszerfall sei Gesprächsthema unter den Galeristen.

Szenarien für eine Art Basel ohne MCH Group

Sollte die Notwendigkeit bestehen, eine Auffanggesellschaft für die Art Basel zu bilden, ständen die Galerien in einer Form wohl bereit. Für ein solches Szenario hatte sich bereits im vergangenen November der russische Kunstunternehmer Sergey Skaterschikov bei der MCH Group eingekauft. Doch mittlerweile stehen die Firmen des ­Investors selbst unter Druck. Die Kunstauktionsplattform Paddle 8 ist in den USA kürzlich ebenso in Konkurs gesetzt worden wie in Basel die Holding The Native. Skaterschikovs Anwalt erklärt, der Mandant wolle sich dazu derzeit nicht äussern.

Die Hängepartie der Art Basel betrifft auch die Begleitmessen. Joanna Kamm, Direktorin der Liste, meint, der unsicheren Situation sei am besten mit Flexibilität zu begegnen. Eine Entscheidung werde wahrscheinlich erst im Juni fallen. Sie sagt: «Vor vier Wochen sah man überhaupt keinen Silberstreifen am Horizont, vier Wochen davor konnte man sich kaum vorstellen, dass das Virus uns massgeblich betrifft. Es macht also Sinn, weitere vier Wochen zu warten, um dann zu sehen, ob wir noch weiter warten oder eine Entscheidung treffen können.» So lange werden die Galeristen der Art Basel allerdings nicht zu warten bereit sein.

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Autor

Christian Mensch

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