Nicht alle Besucher harren bis zum Ende des achtminütigen Videos «Sound of Silence» aus. Doch das Ausharren gehört dazu – und wird belohnt. Mit einem einzigen Farbbild. Ein Schicksalsbild. Eine Pulitzer-Preis-Fotografie von 1995. Sie wird für eine Sekunde aufblitzen und sich für immer im Gedächtnis einprägen, genauso wie die aufwühlende Lebensgeschichte ihres Machers, schlicht und eindringlich erzählt.

Trotz der vielen Möglichkeiten des Mediums projiziert dieses Video zunächst nur Satz um Satz, weiss auf schwarz. Es geht um «Kevin», «Kevin Carter», wird immer wieder wiederholt.

Geboren in Afrika, Armut, Einzug in die Armee, Gewalt, Traumatisierung, Arbeitslosigkeit, Neuanfang als Kriegsfotograf. Kurze, prägnante Sätze – wie «he tried to kill himself swallowing rat poison» gefolgt von «he survived» – sind das Stilmittel.

Kevin Carter, es gab ihn tatsächlich, verschlägt es in den 90ern in den Sudan. Dort beobachtet er ein hungerndes Kleinkind, das zu einer Essensausgabe kriechen will. Ein Geier landet neben dem Mädchen. Das Bild wird von der New York Times veröffentlicht und geht um die Welt.

Es erntet harsche Kritik: Der Photograph sei «ein weiterer Geier» auf dem Set, schreibt ein Leser. Zwei Monate später begeht Carter Selbstmord. In seinem Abschiedsbrief steht: «I’m very, very sorry.»