Sie zieht es wirklich durch. Die Fasnachtsgesellschaft Olympia geht dieses Jahr neue Wege. Cortège? Pah! Wir schaffen es auch ohne – und prägen gleich noch eine eigene Plakette. Laut war es im Vorfeld des Drummelis, der Leistungsschau des Comités, und die Olymper enttäuschen nicht.

Statt mit Trommeln und Piccolos warten deren Männer mit der ebenfalls nur männlichen Märtplatz-Clique auf. San Carlo, ein Schunkel-Marsch mit Fasching-Touch, gibt es A cappella zu hören – und das in einer gesanglichen Qualität, die man von Goldtambouren nicht erwarten würde. Singen geht ja noch, das gab es auch schon am Drummeli, doch am Ende die Larve ausziehen – das tun sonst nur renitente Guggen. Wobei, an einem Fasching-Auftritt sollte dies ja erlaubt sein. 

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Das sagt das Premiere-Publikum zum Drummeli 2018:

«Kreativ, hochstehend! Aber: zu wenig scharf»: Das sagt das Premieren-Publikum zum Drummeli 2018

«Kreativ, hochstehend! Aber: zu wenig scharf»: Das sagt das Premieren-Publikum zum Drummeli 2018

Qualitativ top, inhaltlich etwas brav. So lässt sich das Drummeli 2018, das am Samstag Premiere feierte, zusammenfassen. Ein paar Auftritte werden einem lange in Erinnerung bleiben, während andere bald verblassen. Das sagen die prominenten Premieren-Zuschauer.

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Unschuld und Rock ’n’ Roll

Qualitativ top, inhaltlich etwas brav – so lässt sich das Drummeli 2018, das am Samstag im Basler Musical Theater Premiere feierte, zusammenfassen. Ein paar Auftritte werden einem lange in Erinnerung bleiben, während andere bald verblassen werden. So etwa der als Formation durchdachte und melodisch eingängige Schnitzelbank  D Gryysel. Trotz dieses Namens – konsequent oberhalb der Gürtellinie wäre besser.

Musikalisch hingegen bietet der Abend einige überzeugende Leckerbissen: Die Fasnachtsgesellschaft Seibi etwa, deren junge Garde mit dem Stamm und den Mysli auftritt, brilliert musikalisch und bietet eine perfekte Show in Schwarzweiss. Da trifft Düsteres auf Unschuldiges und verschmilzt zu fasnächtlichem Hochgenuss.

Auch die Naarebaschi halten, was man von einer der ganz grossen Cliquen erwarten darf: «The Rock’n Roll Tour of Naarebaschi 2018» huldigt der Band Kiss, die vor 45 Jahren gegründet wurde und mit «I Was Made for Lovin’ You» in die Geschichte einging. Kein Wunder, beginnt die fulminante Darbietung von «L’Unique» mit diesem Song.

Schauspielerische Glanzleistung

Die Negro-Rhygass beweist mit «Unsere Wääg im Glaibasel» einmal mehr, dass auch Guggen qualitativ top sein können und eine Fasnacht ohne sie längst keine vollständige Fasnacht mehr wäre. Ihre Hommage ans Kleinbasel ruft in Erinnerung, dass Fasnacht auch im minderen Basel stattfinden muss und sich nicht nur auf die Grossbasler Altstadt begrenzen darf, wie dies immer mehr der Fall ist. Und wenn wir schon bei unserer schönen Stadt sind: Die Raamestiggli sind hervorragend gespielt, die Qualität der Schauspieler auf hohem Niveau. Rula Badeen und Susanne Hueber sind als Raamestiggli-Ladys nicht mehr wegzudenken und mit der Rap-Nummer von Skelt! sorgt Regisseur Laurent Gröflin für das nötige Mass an Jugendlichkeit auch in den Stücken zwischen den Märschen.

Was fehlt, ist der Biss: Die Stücke sind zwar meist witzig und stimmen manchmal gar nachdenklich, das Lachen bleibt einem aber nie im Hals stecken. Dasselbe gilt auch für den zweiten Schnitzelbangg, den Schwoobekäfer – souverän, aber kein Vers für die Ewigkeit. Uns geht es wohl zu gut in jener Stadt, der die Fasnacht den Spiegel vorhalten sollte. Darum gelingt es nicht, die üblichen Verdächtigen wie Regierungsrat Hans-Peter Wessels und Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann mit mehr als ein paar glatten Witzen einzudecken. 

Das Drummeli 2018 ist keine Skandal-Ausgabe wie 2016 und kein «Aha, es geht ja!»-Erlebnis wie letztes Jahr, sondern schlicht eine solide Ausgabe mit überraschenden Elementen und reichhaltigen Shows. Hingehen lohnt sich.