Es wird viel über die Digitalisierung und deren Konsequenzen gesprochen. Die Rede ist von neuzeitlicher Sklavenarbeit oder von Schmarotzertum. Veränderungen führen immer zu Ängsten, aber versuchen wir doch die Digitalisierung auch als Chance zu sehen.

Airbnb, Uber oder «Collaborative Economy»-Plattformen wie Kaloka oder Mila haben eines gemeinsam: Sie bringen auf einem digitalen Marktplatz Anbieter und Kunden auf einfachste Art und Weise – mit einem Mausklick – zusammen. Der Unterschied zu unserem ehrwürdigen verkehrsberuhigten Basler Marktplatz ist, dass der Zugang jederzeit für alle Marktteilnehmer uneingeschränkt und einfach möglich ist.

Also eigentlich ein idealer Marktplatz. Und was machen wir? Wir bezeichnen Uber als Schmarotzer und wollen Uber und ähnliche Plattformen verbieten oder regulieren und dazu zwingen, dass sie für ihre Partner Sozialversicherungsbeiträge zahlen und diese als Angestellte betrachten. Ob die Partner dieser Collaborative Economy das dann wirklich auch wollen, ist eine andere Frage.

Wenn man das Ganze konsequent umsetzen würde, dann müsste man wohl einen grossen Verwaltungs- und Kontrollapparat aufbauen, denn dann müsste man ja sämtliche Onlinemarktplätze regulieren und auch «Shared Food»-Partys oder die private Zimmervergabe an der Fasnacht entsprechend kontrollieren und wohl unter das Gastgewerbegesetz stellen.

All die Plattformen verschaffen ihren Partnern einen Zusatzverdienst, welcher gemäss Gesetz ab einer gewissen Schwelle als Einkommen zu versteuern ist. Bei Uber kommen die Regeln bezüglich berufsmässigem Personentransport dazu.

Diese sind relativ eng und lassen wenig Spielraum. Bezüglich Kontrolle sollten die gleichen Regeln gelten wie bei allen Steuerpflichtigen: Unser Steuersystem setzt auf Selbstdeklaration und damit auch auf Selbstverantwortung.

Warum sehen wir die digitalen Marktplätze nicht als Chance und die Partner der Plattformen als (teil-) selbstständige Unternehmer, welche ihren Lebensunterhalt selber verdienen und natürlich wie alle selbstständig Erwerbenden Steuern zahlen und sich um ihre Sozialversicherungen kümmern.

Das macht ja ein Grafiker auch, der sich dazu entschliesst, selbstständig und selbstbestimmt zu arbeiten, statt sich durch eine Werbeagentur anstellen zu lassen. Statt zu reglementieren, sollten wir unsere Kräfte in liberale Bedingungen für alle Marktteilnehmer und vor allem in zukunftsgerichtete Innovationen investieren.

Stellen wir den US-Giganten unsere eigenen digitalen Marktplätze entgegen und entwickeln wir zum Beispiel – ganz im Sinne der Collaborative Community – «Open Source»-Anwendungen, die uns unabhängig machen und in die digitale Zukunft führen.

Nachsatz: Natürlich negieren wir die Auswirkungen dieser Plattformen auf das klassische Gewerbe und die Erwerbsarbeit nicht, daher findet auch das nächste Freiheitspodium zum Thema Digitalisierung statt.