In vielen Supermärkten trifft man sie an, die automatisierten Kassen, bei denen man die Ware selber scannen kann. Für Kunden, die den Dreh raus haben, ist das ein schnelles Prozedere, für den Grossverteiler effizient: Der letzte Arbeitsschritt in der Logistikkette wird an den Kunden ausgelagert.

Das ist nur eines der Beispiele, wo die Digitalisierung in unserer Konsum- und Arbeitswelt Einzug gehalten hat. Das Thema hat in den vergangenen Tagen in Basel gleich fünf (!) Veranstaltungen dominiert, wie etwa den «Innovation Day» der Uni Basel, das Podium der Handelskammer und die Basel-Area-Tagung zur «personalisierten Medizin», das «Swiss Innovation Forum» am Donnerstag und gestern schliesslich das Basel Economic Forum.

Letzteres befasste sich auch mit den Auswirkungen auf die Beschäftigung. Coop-Personalchefin Nadine Gembler sagt zwar, dass es deswegen nicht zu einem Stellenabbau gekommen sei. Dies, weil es immer noch Personal braucht, die den Kunden bei der Scannerbedienung hilft. Ausserdem seien Kassierinnen nicht nur an der Kasse, sondern sie würden auch Ware einfüllen. «Eine Tätigkeit, die nicht so rasch verschwinden wird.» Wie das auf lange Sicht aussehen wird, weiss sie natürlich auch nicht genau. In einer Diskussionsrunde wurde aber klar: Wenn überall und in grossem Stil sogenannte «einfache» Arbeit wegrationalisiert wird, bekommt die Gesellschaft ein Problem. Schon jetzt würden bei der SBB mehr als die Hälfte der Billette über die App bezogen. Und nicht nur das: Auch in den Banken werden drastisch Stellen abgebaut. UBS-Chef Sergio Ermotti sagte unlängst, dass ein Drittel der Stellen wegfallen würde. Davon geht auch Martin Raske von der CS-Personalabteilung aus. Der Treiber für die Digitalisierung sind hauptsächlich Kosten und Effizienz.

Weiterbildung reicht nicht

Ob es gelingt, diese Menschen anderweitig zu beschäftigen, ist eher fraglich. Denn nur ein Teil von ihnen kann so weitergeschult werden, dass sie den geänderten Erfordernissen der Wirtschaft entsprechen. Coop investiere schon heute 45 Millionen Franken in Weiterbildung. Aber man könne nicht einfach aus einer Kassierin eine Programmiererin machen. Auf der anderen Seite, so Gembler, fänden sie kaum IT-Spezialisten für ihre Handelsplattform «Siroop». Für den Arbeitsmarkt heisst das konkret: Angebot und Nachfrage decken sich nicht.

Spannungen in der Gesellschaft sind, falls der Arbeitsmarkt nicht aufnahmefähig ist, fast unvermeidlich. Der Zukunftsforscher Andreas Walker sagte provokativ: «Firmen müssen die Eigenverantwortung wahrnehmen. Sondern sonst landen wir mit der Industrie 4.0 beim Kommunismus 4.0.» Tatsächlich gibt es Firmen, die in dieser Frage Vorbild sein könnten, so etwa der Taschenmesser-Hersteller Victorinox. Als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 keine Messer mehr in Flugzeugen erlaubt waren, brach der Umsatz bei Victorinox um 30 Prozent ein. Die Chefs und die Belegschaft setzten sich zusammen und organisierten sich so, dass niemand entlassen werden musste. Im Prinzip ist da Coop gut positioniert, denn als Genossenschaft ist sie nicht einem blinden Aktionärs-Denken verpflichtet.