Basel

Direktor der Handelskammer: «Wir müssen schlau agieren»

HKBB-Direktor Franz Saladin: «Wir brauchen ein positives Verständnis von Wachstum und Wohlstand als Gewinn für die Gesellschaft.»

HKBB-Direktor Franz Saladin: «Wir brauchen ein positives Verständnis von Wachstum und Wohlstand als Gewinn für die Gesellschaft.»

Am Neujahrsempfang der Handelskammer beider Basel fehlte es nicht an witzigen und politischen Seitenhieben. Wirtschaftspolitisch würde die Region in diesem Jahr vor grossen Herausforderungen stehen.

Um es vorwegzunehmen: Ein Ort wie die Premium Lounge im «Joggeli» ist für solche Grossanlässe wie ein Neujahrsempfang der Handelskammer beider Basel nicht wirklich geeignet. Der lange «Schluuch» ist fast immer eng, ausser man bewegt sich bewusst an den äussersten Enden.

Doch die grosszügige Eingangshalle der UBS am Bankenplatz, wo diese Veranstaltung normalerweise abgehalten wird, ist im Umbau. UBS-Regionalchef Samuel Holzach entschuldigte sich in launigen Worten für diese Wahl, die nicht leicht gefallen sei. Denn heute müsse auf alle und jene Befindlichkeiten Rücksicht genommen werden. Und vor allem: Es dürften unter keinen Umständen irgendwelche Regularien verletzt werden.

«Und wir hüten uns, für diesen Anlass Sitzungsgelder zu verlangen», sagte er. So wurde seine Ansprache zu einem kurzweiligen, fasnächtlich-humoristischen Potpourri der vergangenen 12 Monate. Es endete ernst: «Pro Tag erfinden wir 60 neue Regulierungen. Pro Tag.» Die Stimmung war deswegen nicht im Eimer, aber zu denken gab das schon.

«Fragwürdige Initiativen»

«Wirtschaftspolitisch stehen in diesem Jahr einige grosse Herausforderungen an», so der Präsident Thomas Staehelin in seiner Ansprache. Er sprach sich klar gegen die Masseneinwanderungsinitiative aus, über die am 9. Februar abgestimmt wird. Die Begrenzung der Zuwanderung würde Asylbewerber, EU-Bürger, Drittstaatsangehörige und Grenzgänger gleichermassen betreffen.

Die bevorstehende Mindestlohn-Initiative, die Arbeitgeber unter Druck setze, einfachere Arbeiten ins Ausland zu verlagern, sowie die Erbschaftssteuerinitiative, die Tausende KMU in ihrer Existenz gefährde, weil durch sie die familieninterne Nachfolge enorm erschwert würde, müssten entschieden abgelehnt werden.

«Schlau agieren»

Franz Saladin, Direktor der Handelskammer, plädierte für ein positives Verständnis von Wachstum und Wohlstand als Gewinn für die Gesellschaft, die von einer gut funktionierenden Infrastruktur, Sicherheit und Gesundheit profitiere. Damit die Schweiz im internationalen Umfeld ihr Wohlstandsniveau halten könne, müsse sie aussenpolitisch schlau sein und sich die richtigen Verbündeten ins Boot holen. Saladin erwähnte dabei das Freihandelsabkommen mit China als wirtschaftliches wie auch politisches Signal.

Bedauern über Contis Abgang

Am Rande der Veranstaltung war auch der Abgang von Regierungsrat Conti ein Thema. Alle von der bz befragten Teilnehmer waren sehr überrascht und bedauerten seinen Rücktritt. Andreas Burckhardt, Ex-HKBB-Chef: «Das war überstürzt.» Daniel Wiener, Geschäftsleiter der Firma Ecos, findet, dass es eine «Fehlerkultur» geben muss, die auch Fehler zulässt. «Schade, dass er geht.»

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