Sie geht. Carena Schlewitt, Direktorin der Kaserne Basel, wird das Haus per Mitte 2018 verlassen, um quasi zurück in Richtung alter Heimat aufzubrechen: In Dresden hat eine durch den Stadtrat eingesetzte Findungskommission sie zur Intendantin des «Europäischen Zentrum der Künste Hellerau» berufen. Dieses Festspielhaus zählt zu den wichtigsten interdisziplinären Zentren zeitgenössischer Künste Europas. Ursprünglich entstand das Haus in den 20er Jahren als «Utopie für ein anderes Leben, Arbeiten und künstlerische Bildung; parallel zum Monte Verità», wie Carena Schlewitt erzählt. Wie die Kaserne ist «Hellerau» ein Ort für die freie Szene.

Auf Tiefpunkt Ruder rumgerissen

Bis Mitte 2018 wird Carena Schlewitt das hiesige Dreispartenhaus für die lokale, nationale und internationale Theater-, Tanz-, und Musikszene insgesamt 10 Jahre lang geleitet haben. «Kontinuität war mir wichtig», sagt sie. Die Situation der Kaserne sei nun äusserst stabil, was das Team, die Künstler, das Publikum und auch die Presse betreffe. Aber es war ebenso klar, dass sie nicht «ein Leben lang» bleiben würde. Natürlich werde sie Basel mit einem weinenden Auge verlassen. Aber: «Ein Wechsel tut dem Haus auch gut.»

2008 hat Carena Schlewitt die Kaserne auf ihrem Tiefstpunkt übernommen: Es fehlte dem Haus an Geld und Publikum. So manche Politiker forderten deren Schliessung. Dann kam sie und es ging rasch aufwärts: mit den Eintritten, den Finanzen, der Strategie, der Qualität.

«Sie hat Grossartiges geleistet», sagt Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt. Schlewitt sei von Anfang an auf die Stadt zugegangen, auf ihre Künstler und das Publikum. Sie habe ein klares, künstlerisch hochstehendes inhaltliches Profil geschaffen. Sie habe «auf eindrückliche Weise ein Team und einen offenen Ort entwickelt»; habe Künstler beharrlich begleitet und unterstützt. Und, «vielleicht das Wichtigste», betont Bischof: «Sie hat eine regionale Theaterszene aufgebaut, die mittlerweile national herausragt.» Die Kaserne Basel agiere heute auf Augenhöhe mit dem Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin oder Kampnagel Hamburg. «Und das in einer relativ kleinen Stadt mit begrenzten Mitteln.»

Nicht nur das Haus hat Schlewitt reanimiert. Auch das finanziell gestrandete internationale Theaterfestival «Welt in Basel». Unter dem neuen Namen «Theaterfestival Basel» ist es unter ihrer künstlerischen Leitung diesen Spätsommer zum dritten Mal durchgeführt worden. Mit Erfolg. Die nächste Ausgabe des biennalen Festivals sollte 2018, kurz nach Schlewitts Weggang stattfinden. Ob und wie das unter den neuen Umständen möglich sein wird, ist zur Zeit noch offen. Ebenso, wie Chefdramaturg Tobias Brenk, zuständig für Kaserne und Festival, reagiert.

Es bleibt jedenfalls genug Zeit, für die Kaserne eine neue Leitung zu suchen. Eine vom Kasernen-Vorstand eingesetzte Findungskommission will gemäss Philippe Bischof bis Sommer 2017 eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger präsentieren. Bischof selber hat qua Amt Einsitz in dieser Kommission.

Vorfreude in Hellerau

Die oder der Neue darf sich freuen. Ab 2021 dürfte die Kaserne dank des nun politisch abgesegneten Umbaus neue Möglichkeiten haben. Allen voran Proberäume, die hier bisher gefehlt haben. In Halllerau wird Carena Schlewitt das alles und mehr antreffen: Probe- und Residenzräume, etwas grössere Säle am Rande eines etwa doppelt so grossen Einzugsgebiets.

1961 wurde Carena Schlewitt in Leipzig geboren, 1996 entwickelte sie das Freie-Szene-Festival «reich & berühmt» mit, von 2003 bis 2008 war sie leitende Kuratorin am Berliner HAU. Und nun geht es also zurück in die Nähe Leipzigs, zu den Pforten Dresdens. Die Lage Helleraus interessiere sie nicht nur wegen den Verbindungen zu Leipzig und Weimar, sondern auch zu den angrenzenden Ländern Tschechien und Polen. Das biete «neue thematische Herausforderungen» und neue Kooperationen. Neu für sie wird auch der Musikschwerpunkt sein: verschiedene Formen von Zeitgenössischer Musik.