Interview
DJ Antoine unzufrieden mit Corona-Massnahmen: «Man hat mir verboten, das zu tun, was ich liebe»

Der Basler Musiker Antoine Konrad, alias DJ Antoine, ist scharfer Kritiker der Corona-Politik. Heute tritt er am Festival «Im Fluss» auf.

Julian Förnbacher
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«Das, was ich verdient habe, das habe ich»: DJ Antoine präsentiert sich gerne extravagant.

«Das, was ich verdient habe, das habe ich»: DJ Antoine präsentiert sich gerne extravagant.

Fabio Antoniali (Global Productions)

Eigentlich wären Sie derzeit auf den grossen Festivals dieser Welt anzutreffen. Nun legen Sie in viel kleinerem Rahmen in Basel auf. Spüren Sie trotzdem Vorfreude?

Antoine Konrad: Sogar eine Riesenfreude. Nach sechs Monaten Konzertpause darf ich endlich wieder auf der Bühne stehen. Das finde ich grossartig! Noch schöner ist es natürlich, weil es ein Heimspiel wird und ich so mal wieder vor Basler Publikum auftreten darf.

In einem «normalen» Jahr ohne Corona hätten Sie jedoch kaum den Weg aufs Floss gefunden, oder?

Es ist schon so, dass, wenn Corona nicht da wäre, ich vielleicht irgendwo im Ausland herumkurven würde. Momentan geht das aber nicht. Also freute ich mich enorm, als die Organisatoren an mich herangetreten sind.

Der Lockdown hat die Eventbranche hart getroffen. Wie sehr haben Sie als Unternehmer und Musiker gelitten?

Es ist etwas, unter dem die ganze Branche noch immer leidet. Weil schlicht und einfach nichts läuft. Die Rechnungen bezahlen wir Künstler mit dem Geld, das wir früher verdient haben.

Sie haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass Sie unzufrieden waren mit den Massnahmen des Bundesrats. Wie ist das heute?

Für mich war die Situation eine Katastrophe, weil man mir verboten hat, das zu tun, was ich liebe. Mir ist es bis heute unerklärlich, wieso Demonstranten in Massen auf die Strassen gehen dürfen. Sobald man aber einen geordneten Event abhalten will, wird das verboten. Ich finde, wenn man eine Linie hat, dann muss man sie durchziehen. Ich bin unzufrieden, weil uns keine Lösungen angeboten werden. Man kann nicht einfach zu Hause sitzen und den Betrieb pleitegehen lassen. Firmen machen heute reihenweise Bankrott, das ist die Realität.

Sie haben Ihrem Unmut oft stellvertretend für die Eventbranche Luft gemacht. Auf Instagram zelebrierten Sie aber weiterhin einen extravaganten Lifestyle, während andere Musiker in Existenznot gerieten. Besteht da nicht eine gewisse Diskrepanz?

Für mich ist es so: Das, was ich verdient habe, das habe ich. Es ist nicht so, dass ich jetzt alle meine Weine und meine Autos verkaufen muss. Ich werde meinen Lifestyle weiterhin leben, so lange ich mir das leisten kann. Aber ich spreche natürlich trotzdem für die ganze Eventbranche. Denn es ist einfach kein Zustand, dass man den Leuten verbietet zu arbeiten und sie dann nicht richtig unterstützt. Und das betrifft uns alle, egal wie wir vor der Krise dastanden. Aber klar: Ich habe Glück, dass ich viele Jahre gut verdient habe, über andere Business-Zweige wie Konrad Lifestyle verfüge und mir so etwas ansparen konnte.

Im Mai haben Sie Corona als Medienhype bezeichnet. Würden Sie diese Aussage heute nochmals so machen?

Corona ist ein Virus, das hier ist. Das habe ich nie bezweifelt. Aber ich denke nach wie vor, dass die Medien das Ganze zu sehr aufwirbeln. Man liest heutzutage fast nur noch negative News. Aber ganz ehrlich: Was bringt uns das? Ich finde, wir sollten uns viel stärker auf die positiven Dinge wie das Zusammensein mit Freunden und Familie besinnen.

Das Festival «Im Fluss» wird mit Zuschauerbegrenzung und Maskenpflicht stattfinden. Ist das die neue Realität der Musikszene?

Dass nächsten Sommer alles wieder normal sein soll mit Festivals voller feiernden Leute, ist leider eine Illusion. Darauf habe ich mich schon eingestellt. Unsere Gesellschaft wird momentan eingeengt, verängstigt und klein gemacht. Und ich befürchte, dass sich das noch eine Weile weiterziehen wird.

Das Floss ist eine der ersten Veranstaltungen dieser Grösse in Basel. Kann es der erste Schritt in Richtung Normalität werden?

Ich finde es sensationell, dass das Floss stattfindet und dass die Stadt das bewilligt. Vielleicht können wir so ja zeigen, dass es eben doch möglich ist, wieder grössere Events abzuhalten.

Das Floss ist bekannt für eine entspannte Atmosphäre und als Plattform für lokale, weniger bekannte Künstler: Wie gut passt ein DJ Antoine da überhaupt hinein?

Wenn man das Lokale nimmt, dann passe ich durchaus. Ich bin hier aufgewachsen und immer Basler geblieben. Meine grössten Hits, die man auch im Ausland kennt, wurden hier im Studio geboren. Ich bin mir sicher, dass der Abend ein Erfolg wird.

Hinweis

DJ Antoine spielt heute ab 20.30 Uhr live auf dem Floss am Kleinbasler Rheinufer. Die Zuschauerzahl ist auf 1000 begrenzt.

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