Es war ein klares Verdikt: Das Basler Stimmvolk lehnte das Ozeanium am Sonntag mit knapp 55 Prozent ab. Aber war es auch ein endgültiger Entscheid? Regionale Politiker brachten gestern gegenüber der «Basler Zeitung» eine Lösung ins Spiel, wie das grosse Aquarium doch noch gerettet werden könnte. Statt an der Heuwaage solle das Ozeanium in den Binninger Schutzmatten gebaut werden, so die Idee.

Abwegig scheint dies nicht. Der Zolli hat beim Hinterausgang in Binningen das Baurecht auf einem rund 15'000 Quadratmeter grossen Stück Land. Zwischen Dorenbach-Viadukt und dem Jugendzentrum Binningen sind derzeit Tiere gehalten, die in Quarantäne sind. Der Zolli hat bis 2070 ein Baurecht auf dieser Parzelle.

Die Zolli-Verantwortlichen wollen sich derzeit nicht mit den Plänen auseinandersetzen, die an sie herangetragen werden. Sprecherin Tanja Dietrich sagt, man werde die Idee des Ozeaniums an der Heuwaage nicht 1:1 auf einen anderen Standort adaptieren können. «Zuerst war der Standort, und darauf basierend entstand die Idee des Ozeaniums. Man entwickelte also nicht die Idee für die Themenanlage und suchte dann einen Standort, sondern umgekehrt», sagt sie.

Viele Spenden noch verfügbar

Doch einiges spricht dafür, dass die Ozeanium-Idee beim Dorenbach wieder aus der Versenkung geholt wird. Zum einen gilt das Areal als nächstes grosses Entwicklungsprojekt des Zolli. Bereits vor zwei Jahren gab es einen informellen Austausch mit der Gemeinde Binningen. Dabei zeigte sich, dass der Zolli die Zukunft in zwei Etappen einteilt.

In der ersten Etappe bis 2024 sind die Ausbauten Richtung Heuwaage, wo das Ozeanium gebaut werden sollte, geplant. Danach «möchte sich der Zoo weiter Richtung Süd, d.h. auf Binninger Boden ausdehnen», ist einer Interpellationsantwort des Binninger Gemeinderats zu entnehmen.

Im Rahmen der «Testplanung Dorf» sei eine Verlängerung des Zollis bis zum Jugendhaus/Robi-Spielplatz als Entwicklungspotenzial angedacht. Gemeindepräsident Mike Keller zeigt sich der Idee, das Ozeanium zwischen den beiden Hauptverkehrsachsen Binningens zu bauen, jedenfalls offen eingestellt. «Ich fände das eine tolle Sache», sagt er. Eine, die für ihn ins Konzept der Binninger Zentrumsplanung passe.

Dafür, dass der Zolli seine Ozeaniums-Pläne nicht beerdigen muss, spricht auch die grundsätzliche Bereitschaft der Spender am Projekt. Zolli-Sprecherin Dietrich sagt, 35 Millionen Franken Spendengelder seien unter der Bedingung zugesagt, dass das Ozeanium an der Heuwaage zustande komme. Die restlichen über 20 Millionen Franken lägen unabhängig vom konkreten Projekt im zweckgebundenen Fonds Ozeanium, über die der Verwaltungsrat selbst bestimmen kann.

Widerstand ist programmiert

Sollte dereinst der Zolli zum Schluss kommen, dass er die Ozeanium-Debatte auf der anderen Seite der Kantonsgrenze führen will, stehen ihm zudem weniger demokratische Hürden im Weg als in der Stadt. Hier würde nicht die ganze Kantonsbevölkerung abstimmen wie in Basel-Stadt – grundsätzlich dürften nicht mal die Binninger zur Urne, weil es kein Projekt auf dem gemeindeeigenen Land sei. Mike Keller sagt: «Es wäre ein ganz normales Bauprojekt.»

Ganz schlank würde das Ozeanium aber wohl auch auf Baselbieter Boden nicht durchkommen. Keller verweist auf die «tiefen Hürden», die es für ein Volksbegehren brauche. Eine Gegnerin hat sich jedenfalls schon in Stellung gebracht: Die Umweltschutzorganisation «Fondation Franz Weber», die den Ozeaniums-Bau an der Heuwaage schon erfolgreich bekämpft hatte.

Geschäftsführerin Vera Weber sagt auf Anfrage: «Eine Neuauflage des Ozeaniums wäre ein Affront gegenüber dem Stimmvolk. All die Argumente von Tierethik und Artenschutz gelten ja auch, wenn man auf die andere Seite der Kantonsgrenze geht.» Weber sagt, ihre Fondation müsse einen Abstimmungskampf auch im eher konservativeren Landkanton nicht fürchten. «Ob eine Abstimmung in Baselland oder in Basel-Stadt stattfindet, ist nicht so relevant, wie ich meine. Der moralische Fortschritt und die Klimabewegung sind da, und die Menschen wollen konkrete Taten sehen.»

Bis zu einer allfälligen Abstimmung werden aber viele Jahre vergehen. Den Anfang wird ohnehin der Zolli machen müssen – und sich fragen, ob er nach der schmerzlichen Ozeanium-Niederlage bereit ist für einen neuen Kampf.