Das baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MVI) und das Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) wollen bis zum Oktober 2013 prüfen, wie und zu welchen Kosten das Angebot auf der Hochrheinstrecke Basel-Schaffhausen verdichtet und besser in das deutsche und schweizerische Bahnnetz eingebunden werden kann.

«Dabei sollen sowohl die Elektrifizierung der Strecke wie auch eine Lösung mit innovativen Hybrid-Rollmaterial (Diesel und Elektrizität) ausgearbeitet werden. Ebenfalls geprüft wird die Anerkennung von Schweizer Abonnementen», heisst es laut der gemeinsamen Sprachregelung aus Stuttgart und Bern.

Es keimt wieder Hoffnung auf

Nachdem der Ständerat das 200 Millionen Franken Projekt, die Hochrheinstrecke zu elektrifizieren, im Juni bachab geschickt hatte und eine bessere Verbindung zwischen Basel und Schaffhausen für Jahre blockiert schien, keimt nun doch wieder Hoffnung auf.

Grund dafür ist laut der «Schaffhauser Arbeiterzeitung» ein Postulat der Verkehrskommissionen vom National- und Ständerat für Angebotsverbesserungen auf der Hochrheinstrecke. Dies habe der Nationalrat Thomas Hurter (SH, SVP) erreicht, in dem er seinen Antrag für einen 100-Millionen-Franken-Kredit für den Ausbau der Strecke zurückzog - im Differenzbereinigungsverfahren der beiden Parlamentskammern sei das Nein vorprogrammiert gewesen.

Das Postulat verlangt unter anderem, auf der Strecke einen durchgehenden Halbstundentakt anzubieten und die überregionalen Verbindungen attraktiver zu gestalten. In der Begründung heisst es: «Auf das Jahr 2016 plant das Land Baden-Württemberg den Betrieb dieser Verbindung, welche heute von der Deutschen Bahn erbracht wird, neu zu vergeben. Dies wäre die Gelegenheit, ein neues Angebotskonzept einzuführen.» Neben der Deutschen Bahn interessieren sich auch die SBB für die Hochrheinstrecke.

Der Bundesrat antwortete kürzlich: «Der Bundesrat ist sich der Bedeutung der auf deutschem Territorium liegenden Strecke Basel-Schaffhausen für die schweizerischen Grenzregionen bewusst.» Er sei bereit, die gewünschten Abklärungen vorzunehmen und dem Parlament einen Bericht vorzulegen.

Die «Schaffhauser Arbeiterzeitung» berichtete weiter, dass bereits eine Projektorganisation Hochrhein gebildet worden sei. Darin sind laut Auskunft von Antje Hammer, Projektleiterin Elektrifizierung Hochrheinstrecke im Basler Amt für Mobilität, auch die Kantone Basel-Stadt und Schaffhausen vertreten. «Wir sind davon angetan, dass MVI und BAV direkt miteinander kommunizieren und die Federführung eher bei den Bundes- und Landesministerien liegt», kommentiert sie.

Konkrete Machbarkeitsstudien von SBB und DB Netz sollen bis Ende Oktober 2013 vorliegen. Vertieft studiert werden müsse noch die Variante elektrisch/Diesel. Laut Patrick Altenburger, Leiter Koordinationsstelle öffentlicher Verkehr des Kantons Schaffhausen, könne man sich darunter «ein elektrisches Fahrzeug mit Dieselmotor vorstellen.» SBB Cargo habe kürzlich für den Güterverkehr Hybridfahrzeuge angeschafft. Bei dieser Variante würde nicht in die Strecke, sondern in das Rollmaterial investiert.

Antje Hammer befürchtet zwar eine «Insellösung», beurteilt es aber als positiv, dass eine Alternative zum Infrastrukturausbau untersucht wird. Zu etwaigen Auswirkungen auf das Basler S-Bahnnetz könne sie sich erst äussern, wenn Ergebnisse vorliegen.

Variantenentscheid im Herbst 2013

Das weitere Vorgehen sehen MVI und BAV so: «Im Herbst 2013 soll der Variantenentscheid gefällt und die Fragen zur Finanzierung und zum zukünftigen Betreiber angegangen werden.»

Von den 94 Kilometern der Strecke liegen knapp 20 in der Schweiz. Dieser Abschnitt zwischen dem badischen Erzingen und Schaffhausen wurde bereits elektrifiziert und wird am 5. Oktober eingeweiht.