Freie Strasse

Doch nichts mit Strassencafé - statt Gipfeli gibts nun noch mehr Schuhe

Das Lokal an der Freien Strasse 44 war monatelang ausgeschrieben – nun bekam ein Schuhgeschäft den Zuschlag. (Archivbild)

Das Lokal an der Freien Strasse 44 war monatelang ausgeschrieben – nun bekam ein Schuhgeschäft den Zuschlag. (Archivbild)

Enttäuschung bei Anwohnern der Freien Strasse: Aus frei stehendem Lokal wird doch kein Café.

Zwischendurch ein Cappuccino, nach der Einkaufstour ein Cüpli, dazu ein paar Häppli – Wunschdenken an der Freien Strasse. Während im oberen Teil der Shoppingmeile das Gastroangebot mit ein paar Ketten noch einigermassen akzeptabel ist, hört der Spass bald auf: Ab Coop City bis hinunter zum Marktplatz sind Restaurants oder Cafés so gut wie inexistent. Den Anwohnern ist dies ein Dorn im Auge: Gemäss Urs Preisig, Präsident des Quartiervereins Lääbe in der Innerstadt, wünsche man sich in der Freien Strasse schon lange ein Tagescafé.

Und dann kam die grosse Gelegenheit: Dort, wo früher Navyboot Schuhe verkaufte und danach ein Berliner Modelabel für kurze Zeit versuchte, Fuss zu fassen in Basel, wurde vor rund einem Jahr ein Ladenlokal frei. An bester Lage, im Haus mit der Nummer 44, inklusive Keller- und Obergeschoss. Die Anwohner, angeführt von Preisig, versuchten, zwischen der Liegenschaftsverwaltung Beve und Interessenten aus der Gastrobranche zu vermitteln.

Im vergangenen Herbst bekundete Katharina Barmettler-Sutter, Geschäftsführerin des «Sutter Begg», Interesse, zeigte sich dann aber wegen der Belagsarbeiten in der Freien Strasse, die erst in drei Jahren abgeschlossen sein werden, zurückhaltend. Sie sagte damals zur bz, dass Geschäfte «dermassen» an Umsatzbussen leiden wegen Baustellen vor der Tür.

Die Besitzer haben ein Flair für Gastronomie

Die Hoffnungen von Preisig und weiteren Anwohnern, dass es trotzdem noch klappt mit dem Tagescafé, konnte man durchaus als berechtigt bezeichnen. Zumindest ein Teil der Besitzer der Liegenschaft an der Freien Strasse 44 dürfte ein Flair für Gastronomie haben: Zu ihnen gehört Riet Steiger. Er ist der Sohn von Raeto Steiger, dem Besitzer des Hotel Basel, und nimmt im Verwaltungsrat der «G.A.T.E.S., Hôteliers & Restaurateurs SA» Einsitz, jenem Gastrounternehmen der Steigers, zu dem das Hotel Basel gehört.

Dem Vernehmen nach war die Familie Steiger auch auf der Suche nach einem lokalen Anbieter für die Freie Strasse 44 und bereit, in diesem Fall einen moderaten Mietzins zu verlangen.

Anstatt eines Cafés oder gar Restaurants wird nun aber am

1. April ein Schuhgeschäft einziehen. Die Schweizer Kette Passo per Passo zügelt vom Schmiedenhof an der Gerbergasse an die Freie Strasse. Dies bestätigt Franz Saladin von der Liegenschaftsverwaltung Beve der bz. Urs Preisig von «Lääbe in der Innerstadt» sagt dazu: «Schon wieder eine Kette? Schon wieder Schuhe? Von solchen Geschäften hat es doch genug in dieser Stadt. Wir sind enttäuscht.»

Es scheint so, dass die Liegenschaftsbesitzer keine andere Wahl gehabt haben. Verwalter Saladin sagt stellvertretend für die Familie Steiger zum Entscheid, dass ein Schuhgeschäft den Zuschlag bekommen hat: «Zum einen bekundete lediglich ein Gastrovertreter – namentlich Katharina Barmettler-Sutter – konkretes Interesse am Lokal, zum anderen wäre ein nicht unerheblicher Umbau nötig geworden, um ein Café oder gar ein Restaurant betreiben zu können.»

So hätten unter anderem eine Küche sowie Toiletten für Damen und Herren eingebaut werden müssen – «es wären zumindest Abklärungen bei den Behörden nötig gewesen», sagt Saladin weiter. «Ausserdem wären die Möglichkeiten für die Bestuhlung im Innern und auf der Freien Strasse eng bemessen gewesen.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1