Basel
Doch noch nicht Schluss in der Lady-Bar: Restaurant und Asylanten bleiben

Eigentlich galt der Vertrag für die Mieter der Feldbergstrasse 47 in Basel nur bis nächsten Frühling. Nun dürfen sie doch länger bleiben. Der Kanton als Besitzer weiss nämlich noch nicht, wie es mit der Liegenschaft weitergehen soll.

Moritz Kaufmann
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Vorne eine Bar, hinten ein Restaurant und oben eine Asylunterkunft. Das markante Gebäude an der Feldbergstrasse 47 wird intensiv genutzt. Ken/Archiv

Vorne eine Bar, hinten ein Restaurant und oben eine Asylunterkunft. Das markante Gebäude an der Feldbergstrasse 47 wird intensiv genutzt. Ken/Archiv

Kenneth Nars

Diese Nachricht lässt Basler Szenis, Gourmets und Asylverantwortliche gleichermassen aufatmen. Die Mieter der Feldbergstrasse 47 dürfen länger bleiben als erwartet. Das bestätigt Barbara Neidhart, Sprecherin von Immobilien Basel-Stadt (IBS), gegenüber der bz. Will heissen: Der Ausgehclub Lady-Bar, das dazu gehörende Restaurant Feldberg sowie die Asylunterkünfte in den Obergeschossen bleiben Basel mindestens eine weitere Saison erhalten. Ursprünglich wäre der Zwischennutzungsvertrag im März des nächsten Jahres ausgelaufen. Jetzt wurde er um ein Jahr verlängert.

«Der Bericht der Denkmalpflege ist im Rückstand», sagt Barbara Neidhardt. Das ist der Grund, weshalb nicht weitergeplant werden könne. Der Bericht soll klären, ob sich im Hof ein Neubau realisieren lässt. Das markante Gebäude an der Ecke Feldbergstrasse/Klybeckstrasse gehört nämlich dem Kanton. Dieser weiss noch nicht, was er aus der rennovationsbedürftigen Liegenschaft machen soll. Derzeit wird abgeklärt, was aus denkmalpflegerischer Sicht überhaupt drin liegt. «Sicher ist, dass das Gebäude stehen bleibt», sagt Barbara Neidhardt.

Anwohner stehen hinter Lady-Bar

«Das ist eine tolle Nachricht für uns», findet Lady-Bar-Wirt Tom Brunner. Vor zwei Jahren übernahm er das Parterre der Liegenschaft, in dem zuvor eine Kontakt-Bar zu Hause gewesen war – der Name Lady-Bar ist eine Referenz an die «Fuudischuppe»-Vergangenheit. Innert kürzester Zeit wurde aus der Lady-Bar einer der angesagtesten Clubs der Stadt, das angehängte Restaurant machte sich mittlerweile auch einen Namen.

Es ist liegt in der Natur von Zwischennutzungen, dass sie vorübergehend sind. Trotzdem kommt die Vertragsverlängerung den Betreibern entgegen. «Mit einer Zwischennutzung macht man ja nicht wirklich Geld», erläutert Brunner. «Je länger man bleiben kann, desto eher besteht die Chance, dass man die getätigten Investitionen wieder amortisieren kann.» Die Unterstützung aus dem Quartier hat er jedenfalls. Waren die Anwohner anfänglich noch skeptisch, hat man sich mittlerweile an den Club-Betrieb gewöhnt. Brunner war in den Begleitgruppen dabei, bei denen Quartierbewohner dem Kanton Vorschläge für eine neue Nutzung des Gebäudes machen konnten. «Der Tenor ist: Weshalb soll da nach zwei Jahren schon wieder etwas ändern?», sagt Brunner, der mit dem Projekt Shift Mode nun auch auf für die Zwischennutzung im Hafenareal zuständig ist.

Bässe wummern durch Altbau

Erleichtert über die Vertragsverlängerung ist auch die Basler Asylkoordinatorin Renata Gäumann. Im Moment wohnen
23 Personen in den drei Stockwerken oberhalb der Gastro-Betriebe. «Wir sind froh um jedes Bett», sagt Gäumann. Nach wie vor ist es für sie schwer, Unterkünfte für Asylbewerber zu finden. Und erstaunlicherweise fühlen sich die Bewohner der Feldbergstrasse 47 wohl – obwohl an den Wochenenden jeweils nächtelang wummernde Bässe durch den Altbau dringen. Das sei nicht ideal, meint Gäumann. «Aber im obersten Stock wohnt eine Familie. Diese setzte sich dezidiert dafür ein, dass sie dort bleiben darf.» Im ersten und zweiten Stock sind Männer-WGs untergebracht. «Diese haben war ab und zu Diskussionen mit der Lady-Bar, aber man ist in Kontakt», so Gäumann.

Wenn man sich so umhört, bekommt man das Gefühl, dass mit der gegenwärtigen Situation alle zufrieden sind. Der Kanton lässt sich dennoch nicht von seinen Plänen abbringen, die Liegenschaft an bester Lage aufzuwerten. «Wir hoffen schon, dass wir 2016 bauen können», sagt IBS-Sprecherin Neidhardt. Sie räumt aber ein, dass es nicht viel braucht, um ein Bauprojekt zu verzögern. Kann es also sein, dass die Zwischennutzungen noch länger als März 2016 bleiben dürfen? «Sie können bleiben, bis wir parat sind.»