Uni Basel
Doktortitel für FHNW-Abgänger – aber nur Uni darf sie verleihen

Universität und Fachhochschule wollen stärker kooperieren. Zusammen starten sie ein Pilotprojekt für ein gemeinsames Institut für Bildungsinstitutionen. Doktortitel können aber wie bis anhin nur von einer Universität vergeben werden.

Pascale Hofmeier
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Die Hoheit für die Doktorate bleibt bei der Universität.niz

Die Hoheit für die Doktorate bleibt bei der Universität.niz

Abgänger der Pädagogischen Abteilung an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sollen in Basel künftig doktorieren können. Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, ist ein Institut für Bildungswissenschaften im Aufbau.

Allerdings ist das nicht der einzige Bereich, in dem sich die Universität eine stärkere Zusammenarbeit mit der Fachhochschule vorstellen kann: Der Rektor der Universität Basel, Antonio Loprieno, denkt auch an andere Fachbereiche, in denen es möglich wäre, gemeinsame Doktorate anzubieten. «Es muss sich um Sektoren und Kompetenzen handeln, die an den Universitäten nicht gebührend vorhanden sind.» Zum Beispiel die Kunst oder die Musik. «In der Musikwissenschaft wäre auch ein gemeinsames Programm möglich», sagt Loprieno.

Verhaltene Freude bei Musik

Beim Direktor der Musikhochschulen FHNW, Stephan Schmidt, kommt die Aussage gut an: «Das ist ein positives Signal. Allerdings löst es nicht die Probleme aller Fachbereiche.» Mit ausländischen Universitäten bestehen in bestimmten Bereichen Kooperationen. Auch mit der Universität Basel und dem Institut für Musikwissenschaft an der Universität Basel arbeite man zusammen. Allerdings gäbe es zum Beispiel für die Elektronische Musik oder auch für einige Felder der Aufführungspraxis keine entsprechende Fachkompetenz an der Uni.

Der Aufbau eines gemeinsamen Institutes, wie es für die Bildungswissenschaften geplant ist, könnte laut Schmidt Teil einer guten Lösung sein: «Für mich stellt sich jedoch die strukturelle Frage erst am Schluss. Nicht nur der formelle Zugang zur Universität ist zu klären, sondern auch inhaltliche Kompetenzen.» Demzufolge wäre es für ihn sinnvoll, wenn Fachhochschulen in wenigen Bereichen selbst Doktorate verleihen dürften.

Hoheit bleibt bei der Universität

Die politischen Zeichen weisen aber in eine andere Richtung. «Eine Promotion an der Fachhochschule wäre keine Lösung», sagt Christoph Eymann, Basler Bildungsdirektor. Die Philosophie solle weiterhin sein, dass die Universität die Hoheit über die Doktortitel habe, aber die Vergabe gemeinsam konzipiert werde.

Nur wollte das in den letzten Jahren auf freiwilliger Basis nicht so richtig funktionieren. Vor gut zehn Monaten hat Eymann die Leitung der Universität und der Fachhochschule an einen Tisch geholt und die Kooperation eingefordert. Das erste Resultat ist das geplante Institut für Bildungswissenschaften, das laut Uni-Rektor Loprieno «realistischerweise 2015» den Betrieb aufnehmen wird.

Er präzisiert, die Absicht sei nicht primär, Lehrer doktorieren zu lassen: «Es wird vor allem aufgebaut, um Doktorate in Fachdidaktik anbieten zu können.» Auf diesem Gebiet berücksichtige die Universität Basel den Nachwuchs nicht genügend. Das Institut solle «nicht virtuell» sein, es werde ein Team aufgebaut. «Zuerst brauchen wir eine Person, die das leitet und Reglemente.»

Das gemeinsame Institut der Bildungsinstitutionen sei ein Pilotprojekt und für die Schweiz einmalig, sagt Loprieno. Auch Crispino Bergamaschi, Direktionspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz, teilt diese Ansicht: «Es ist für uns ein Versuch. Wir haben eine Mitverantwortung, den Nachwuchs in der Vermittlungswissenschaft respektive der Fachdidaktik zu sichern.» Ob es weitere Kooperationen geben werde, müsse man nun abwarten. «Wir brauchen eine Akzeptanz aller beteiligten Partner, auch der Politik. Darum müssen wir zuerst Erfahrungen sammeln.»

Der Wille ist da ...

Eine gewisse Durchlässigkeit zwischen der Fachhochschule und den Universitäten besteht bereits in vielen Fachbereichen, sei es in Architektur, Psychologie oder anderen Wissenschaftsgebieten. Teilweise werden aber Auflagen an die Studierenden gestellt. Loprieno betont, der Wille, Fachhochschulabgängern ein Doktorat zu ermöglichen, sei da, auch wenn das Monopol letztlich in den Händen der Uni bleibe: «Wir verwalten ein Gütesiegel, an dem die Fachhochschulen beteiligt sein dürfen.»